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Auf der Suche nach der Startelf: Coach Adi Hütter. 

Zwangspause

Eintracht Frankfurt: Das Aus fürs Denkgefängnis

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Welche Lehren der Frankfurter Trainer Adi Hütter aus dem durchaus besorgniserregenden Antilauf vor der Corona-Zwangspause ziehen sollte.

Seit Donnerstag hat sich der Profifußball inmitten der Corona-Wirrungen ein Stückchen Normalität zurückgeholt. Ein Stückchen Normalität sieht für die Berufskicker vor, dass sie in geballter Mannschaftsstärke auf den Platz marschieren, zusätzlich zu den zuletzt üblichen Passfolgen und Schussübungen aber auch taktische Kniffs einstudieren können, nebst Zweikämpfen und einem in diesen Tagen nicht zu unterschätzenden Trainingsspiel elf gegen elf. So etwas gab es zuletzt vor einer halben Ewigkeit oder, präziser, vor acht Wochen.

Die Bundesligisten stehen unter Druck, sie müssen in einer Art Crashkurs all das nachholen, was in den Wochen der Kontaktbeschränkungen nicht möglich war. Die Zeit drängt, schon in acht Tagen wird es erstmals wieder um Punkte gehen. Das ist eine echte Herausforderung für die Trainer und ihre Teams. Das gilt natürlich auch für Eintracht Frankfurt.

„Es könnte relativ interessant werden, weil keiner ein Gefühl dafür hat“, sagt Sportvorstand Fredi Bobic. „Es wirkt wie der Beginn einer neuen Saison.“ Mit dem Unterschied, dass eine Vorbereitung in der Regal sechs bis acht Wochen dauert und nicht, wie in diesem Fall, nur acht Tage. Ziemlich klar dürfte sein, dass das Spielniveau nicht an das frühere heranreichen und die Dynamik ein ganz andere sein wird. Zudem, und davor warnen etliche Experten, Mediziner und Wissenschaftler, wird das Verletzungsrisiko exorbitant in die Höhe schnellen. Die Spieler sind zwar fit, weil sie über Wochen hinweg nicht auf der faulen Haut lagen, sondern die ausgeklügelten Pläne der Konditionstrainer verfolgten, aber die Bewegungen, die Drehungen, das Abstoppen und der Körperkontakt sind in einem Spiel etwas ganz anderes.

Eintracht Frankfurt: Nicht einfach weiter so

Und es wird darauf ankommen, wer sich wie gut auf die neuen Begebenheiten wird einstellen können, ein Spiel ohne Zuschauer hat eine besondere Statik, eine spezielle Note. Für Eintracht Frankfurt, getragen von den frenetischen Fans, ist das sicher kein Vorteil. „Die Jungs müssen sich erst mal daran gewöhnen. Die Frage wird sein, wer wann oder überhaupt seinen Rhythmus findet“, befindet Fredi Bobic. „Denn es gab weder Testspiele noch ein wirkliches Mannschaftstraining. Die Phase bis zu den Spielen ist kurz.“

Der 48-Jährige glaubt, wie einige Kollegen auch, dass der Saisonendspurt einige Merkwürdigkeiten bereit halten könnte. „Vielleicht treten kuriose Ergebnisse ein. Es könnte mal ein 5:5 geben“, bekundet er schmunzelnd.

Auf Coach Hütter kommt die knifflige Aufgabe zu, seine stärkste Formation zu finden. Da stellt sich die Frage nach der Bemessungsgrundlage, denn anhand der Trockenübungen zuletzt lässt sich nicht ableiten, wer gerade in Form ist oder zwingend in die Mannschaft drängt.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Eintracht vor der Zwangspause in einen veritablen Antilauf gerutscht war. Die letzten drei Bundesligapartien gingen allesamt verloren, 0:4 in Dortmund, 1:2 gegen Union Berlin, 0:4 in Leverkusen. Gerade die Leistungen in der Fremde waren desaströs. Hinzu kommt, unmittelbar vor dem Corona-Break, das 0:3 zu Hause gegen den FC Basel in der Europa League, ebenfalls einhergehend mit einer erschreckend tumben Vorstellung und übrigens schon ohne Besucher im weiten Rund. Eine Blaupause für die Bundesliga?

Coach Hütter wäre gut beraten, an dem „Einfach-weiter-so-Prinzip“ zu rütteln und nicht an seiner Formation festzuhalten, für die er sich nach der Winterpause entschieden hatte. Das hatte zwar anfangs gut geklappt, verfing aber zum Schluss ganz und gar nicht mehr. Die Umstellung auf die Viererkette hatte auch zur Folge, dass einige Akteure nicht auf ihren angestammten Positionen spielten, so verdingten sich die gelernten zentralen Abwehrmänner Evan Ndicka als Links- und Almamy Touré als Rechtsverteidiger, die Position des Rechtsaußens war ebenfalls nicht optimal besetzt, selbst wenn Timothy Chandler dort anfangs sogar überraschenderweise vier Tore erzielte.

Eintracht Frankfurt: Häufiger rotieren

Der Fußballlehrer sollte sich nicht ins Denkgefängnis begeben, sondern die viel beschworene taktische Variabilität mit Leben füllen. Auch eine Rückkehr zur Dreierkette mit dem klügsten Eintracht-Fußballer Makoto Hasebe in der Zentrale sollte eine ernstzunehmende Option sein. In dieser Formation war das Team fast dreieinhalb Jahre sehr erfolgreich. Kein Geheimnis ist, dass Hütter jedoch eher ein Verfechter der Viererkette ist.

Der Österreicher muss alle Spieler ins Boot holen, aufgrund des enormen Pensums, das vor der Eintracht liegt (mindestens elf Partien bis Saisonende Ende Juni), und dem damit einhergehenden Verletzungsrisiko sollte der 50-Jährige häufiger rotieren. Das könnte die Chance für einen Profi wie Danny da Costa sein, der in der Vorsaison in alle 50 Spielen in der Startelf stand, zuletzt aber außen vor war. Weshalb, das erschloss sich niemandem wirklich.

In Sicherheit darf sich die Eintracht, so oder so, nicht wiegen, der Vorsprung auf den Relegationsrang beträgt sechs Punkte. „Wir müssen aufpassen“, sagt Mittelfeldmann Gelson Fernandes. „Wir sind noch nicht gerettet.“

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