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Ziemlich genau vor einem Jahr verkündete Niko Kovac seinen Abschied und wurde daraufhin von den Fans ausgepfiffen.

Es war einmal

21. April 2018: Der Eintracht schwimmen die Felle weg

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Als Eintracht Frankfurt scheinbar die Europa League versemmelt hat.

Genau vor einem Jahr, fast auf den Tag genau, auch an einem 31. Spieltag, drohte in Frankfurt die Stimmung zu kippen. Und es war nicht nur die 0:3-Niederlage gegen Hertha BSC, die so aufs Gemüt drückte. Da war das Wechseltheater um Trainer Niko Kovac, der durch die Hintertür zum FC Bayern München eilte. Die Fans hatten den flüchtigen Fußballlehrer im ersten Heimspiel nach der Verkündung bei der Nennung seines Namens übers Stadionmikrophon lautstark ausgepfiffen. Ein Finaleinzug reichte damals, am 21. April 2018, nicht zur Versöhnung. Dabei war der Eintracht Tage zuvor auf Schalke der 1:0-Coup im Halbfinale gelungen.

Doch damals, auf der Schlussgerade, ging die Eintracht dramatisch auf dem Zahnfleisch. Spiel um Spiel wurde in der Liga in den Sand gesetzt, vor der Pleite gegen die wahrlich nicht guten Berliner, hatte es drei Niederlagen gegeben – es sollten zwei weitere gegen München und Mainz folgen. Kovac hatte sein Team ausgelaugt, ausgequetscht wie die berühmte Zitrone, sie hatte nichts mehr zum Zusetzen – ganz anders als in diesem Jahr unter Trainer Adi Hütter. Die Hessen verspielten komplett ihren Vorsprung, purzelten erst aus den Champions League-Plätzen heraus, dann am Ende auch aus der Europa League – nur der überraschende Pokalsieg hievte sie zurück aufs europäische Parkett.

An diesem Samstag war an den Triumph wahrlich nicht zu denken. Kovac hatte nach dem Halbfinalsieg die Rotationsmaschine angeworfen und auf fünf Positionen gewechselt. Kevin-Prince Boateng und Marius Wolf standen gar nicht im Kader, Omar Mascarell und Marco Fabian saßen nur auf der Ersatzbank. Die vielen Wechsel taten dem Frankfurter Spiel nicht gut, das überhaupt nicht in Gang kam.

Typischerweise versemmelte die Eintracht in der Anfangsphase zwei prima Möglichkeiten. Luka Jovic, der vor einem Jahr noch lange nicht den Stellenwert von heute genoss, und Mijat Gacinovic scheiterten, etwa an der Unterkante der Latte. Die Partie wäre dann komplett anders gelaufen.

Die Entscheidung zugunsten der Hertha fiel in der zweiten Halbzeit, als Schiedsrichter Sascha Stegemann einen höchst umstrittenen Elfmeter gab und den auch nach dem Studium der Videobilder nicht zurücknahm. Davie Selke, bis dahin eher als Provokateur aufgefallen, nutzte die Gelegenheit, erst zum Sturz, dann zum Tor. Mit Elfmetern und Hertha hat die Eintracht auch in dieser Runde so ihre ganz speziellen Erfahrungen gemacht: Im Hinspiel im Olympiastadion war Jovic von Landsmann Marko Grujic in der Schlussminute glasklar im Strafraum gefoult worden, da griff der Unparteiischer nicht mal auf das Videomaterial zu. Matthew Leckie (77.) und Alexander Esswein (90.) machten den Sack zu Sack zu. „Die Berliner haben ganze dreimal aufs Tor geschossen“, brummelte Sportvorstand Fredi Bobic, der damals noch zu den Journalisten ans Flatterband trat. Zudem sah Makoto Hasebe nach einer Tätlichkeit gegen Selke (79.) die Rote Karte.

Tatsächlich wurde die Eintracht am Ende bis Platz acht durchgereicht – für Glanzlichter in Europa reichte es bekanntlich trotzdem.

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