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Energiegeladener Eintracht-Stürmer: Ante Rebic.

Eintracht-Angreifer

Ante Rebic ist der Mann für die Knoten

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    Daniel Schmitt
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Ante Rebic schießt gegen Benfica kein Tor und ist dennoch bester Frankfurter - nun muss er gegen Chelsea erst einmal zusehen.

Als die Feierlichkeiten ihren Höhepunkt gerade überschritten hatten, die ersten Spieler dem Fanblock den Rücken kehrten, um die Party nach dem 2:0-Heimsieg gegen Benfica Lissabon und dem Erreichen des Halbfinales der Europa League in der Kabine weitergehen zu lassen, baute er sich noch einmal vor der ganzen Truppe auf. Dem Trikot von Eintracht Frankfurt längst entledigt sprang er in die Luft, breitbeinig, jegliche sichtbare Muskeln des Körpers angespannt, die Arme zur Seite gestreckt, die Hände zur Faust geballt. Dazu ein lauter, langgezogener Schrei im besten Cristiano-Ronaldo-Style. Seht her, ihr Mitspieler, ihr Fans, du Fußballwelt, ich war es, ich war der Mann des Abends. Ich, Ante Rebic.

Der 25-jährige Frankfurter Angreifer hatte in den vergangenen Wochen ja ein bisschen geschwächelt. Rebic war gewiss nicht schlecht, das würde ihm keinesfalls gerecht werden. Zum Beispiel vor zwei Wochen steuerte er einen schönen und wichtigen Treffer zum 2:1-Auswärtssieg auf Schalke bei. Auch spielt er ohnehin seine bisher beste Saison der Karriere, hat schon neunmal in der Liga getroffen, dazu vier Treffer vorbereitet. Alles in allem aber fehlte Rebic zuletzt das entscheidende Quäntchen zum Unterschiedsspieler, der er im Pokalfinale, bei der WM und vor allem in den ersten Spielen nach der Winterpause war. Zwei, drei gute Aktionen standen meist drei, vier schlechtere gegenüber. Luka Jovic, der zweite Frankfurter Stürmer, hatte mit seinen Toren Rebic so ein bisschen den Rang abgelaufen, die Schlagzeilen für sich bestimmt.

Am Donnerstag aber tauschten die beiden Freunde, die zur Vorbereitung an Spieltagen gerne mal eine Runde „Mensch ärgere Dich nicht“ spielen, die Rollen. Jovic hatte nur 29 Ballkontakte gegen seinen Ex-Klub, gewann nur 29 Prozent der Zweikämpfe, war zu unpräzise bei seinen Torschüssen, Rebic dagegen lief zur Höchstform auf. 64 Ballkontakte, 50 Prozent gewonnene Duelle, zahllose lange Sprints, fast machte der Vizeweltmeister den Eindruck, das Spiel ganz alleine gewinnen zu wollen.

Ante Rebic stellte Gegner mit seiner unorthodoxen Spielweise vor Probleme

Von der ersten Minute an wirbelte er gemeinsam mit seinem kaum schwächeren Duettpartner Filip Kostic den linken Flügel entlang. Der portugiesische Rechtsverteidiger Andre Almeida wusste nicht, wie ihm geschah, hatte er den ersten Knoten in den Beinen gerade mühsam entwirrt, war der zweite schon drin. Immer wieder brachen sie durch. Rebic alleine bereitete sieben Torschüsse der Kollegen vor, darunter drei Großchancen. Zudem war er an der Entstehung des Führungstreffers von Kostic sowie als direkter Vorlagengeber beim 2:0 von Sebastian Rode beteiligt.

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Vor allem die unorthodoxe Spielweise von Rebic, der manchmal den Eindruck erweckt, selbst nicht genau zu wissen, was er denn als nächstes vorhat, stellt die Gegner vor Probleme. Und bringt ihm manchmal selbst welche ein. In der 83. Minute wurschtelte er sich durchs Mittelfeld. Er verlor den Ball, holte ihn wieder, verlor ihn und foulte so ungestüm, dass Schiedsrichter Daniele Orsato die Gelbe Karte zeigte. 

Eine mit Folgen, Rebic’ dritte dieser Europasaison, so dass er im Hinspiel gegen Chelsea London gesperrt fehlen wird. Am Donnerstag aber war das nur ein kleiner Makel eines großartigen Abends. Trainer Adi Hütter, sonst ungern über Leistungen einzelner Kicker sprechend, sagte hinterher: „Ich möchte zwei Mann hervorheben: Simon Falette und Ante Rebic waren für mich die besten Spieler auf dem Platz.“ Rebic hätte diese lobenden Worte nicht gebraucht, er wusste es selbst.

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