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Oft genug ging es schief gegen den VfL: Im April gab es ein bitteres 1:1 in Wolfsburg. Lucas Torro, Danny da Costa und William (v. l.) sind auch heute noch dabei.

Eintracht Frankfurt - VfL Wolfsburg

Eintracht Frankfurt sollte den angeschlagenen Gegner nicht unterschätzen

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Der VfL Wolfsburg ist für die Eintracht ein klassischer Angstgegner – sie setzt ihre Heimstärke dagegen.

Es ist mitnichten so, dass die fällige Bundesligapartie der Eintracht gegen den VfL Wolfsburg die Menschen am Main schon vor dem Anpfiff elektrisieren würde. Bisher rangierte das samstägliche Duell eher unter ferner liefen, die teils skurrile und amüsante DFB-Verhandlung von und mit David Abraham absorbierte einen Gutteil der Aufmerksamkeit, dann gab es ja auch noch ein Länderspiel im Wohnzimmer der Eintracht, ja und die Leiste von Bas Dost, Freunde, die zwickt immer noch. Aber Wolfsburg, der VfL? Na ja.

Die Niedersachsen gelten nicht als gefürchtetes Wolfsrudel, sondern als mausgraue Nager, da nutzte keine mit einem rasanten Doppel Grafite/Dzeko herausgeschossene deutsche Meisterschaft, kein Pokalsieg und keine stetig mit zig Millionen aufgepimpte Startruppe etwas. Der VfL ist zwar ein hochprofessioneller, durchgestylter Verein, längst verankert in der Liga, auch mit entsprechenden Erfolgen dekoriert, aber ein Verein der Herzen wird der Klub aus der Autostadt in diesem Fußballleben nicht mehr. Ein Zuschauermagnet ebenfalls nicht. Aber ist ja auch nicht schlimm.

Die Begeisterung rund um Eintracht Frankfurt ist ungebrochen

In Frankfurt ist das Interesse an der Begegnung zwischen den Tabellennachbarn ausgesprochen groß, was aber weniger am VfL denn an der eigenen Mannschaft liegt. Mittlerweile würde wahrscheinlich selbst eine Begegnung gegen den, sagen wir, bayerischen Viertligisten SV Schalding-Heining 50.000 Menschen ins Stadion locken. Am Samstag zur besten Anstoßzeit um 15.30 Uhr wird die Arena beinahe ausverkauft sein, schon jetzt sind 49.500 Tickets unters Volk gebracht, davon tatsächlich 700 nach Wolfsburg verkauft worden. Das sind zehnmal mehr als vor gut zehn Jahren, damals kamen 76 Fans mit nach Frankfurt, „alle zusammen in einem VW-Bus“, wie Eintracht-Sprecher Carsten Knoop weiland witzelte. Lange her.

Die Begeisterung rund um die Eintracht ist in Frankfurt ungebrochen, sie hat bisher einen Zuschauerschnitt von fast 51.000 erreicht und liegt damit als Fünfter dicht hinter Borussia Mönchengladbach (51.700) – Schalke (61.000), vor allem Bayern (75.000) und Dortmund (81.000) spielen noch mal in einer anderen Liga. Auch auf europäischem Sektor ist die Eintracht Spitze, meldete selbst in den Qualispielen gegen Federgewichte wie Flora Tallinn oder den FC Vaduz „Ausverkauft“. Bemerkenswert ist, dass das Interesse durch die vielen Partien nicht etwa abnimmt, sondern gleichermaßen hoch bleibt.

Eintracht Frankfurt: Pikantes Spiel gegen den VfL Wolfsburg

Sportlich ist das Aufeinandertreffen mit den Wolfsburgern ein pikantes. Die Eintracht ist verpflichtet, das Duell für sich zu entscheiden, wenn sie im Klassement an der Spitzengruppe dranbleiben will. Und sie will den Jahresendspurt mit einem Erfolgserlebnis einläuten, gerade nach den beiden Nackenschlägen in Lüttich und Freiburg wäre das gerade für die Stimmung und das Selbstvertrauen von größerer Bedeutung.

Besonders glücklich ist es da, vordergründig betrachtet, nicht, dass die Eintracht am Samstag ausgerechnet auf die Niedersachsen trifft. Denn der VfL ist so etwas wie ein Angstgegner der Hessen. In 17 Heimspielen holte die Eintracht lediglich 17 Punkte gegen die Wolfsburger, gegen keinen anderen Bundesligisten ist die Bilanz mieser. Die letzten drei Partien in Frankfurt gingen ebenfalls allesamt an die Wölfe, 1:2, 0:1, 0:2.

Gerade die Schlappe vor einem Jahr kam überraschend, sie beendete eine imposante Serie von elf Spielen (davon zehn Siege) ohne Niederlage. Auch das Aufeinandertreffen am Mittellandkanal war für die Eintracht eine schmerzhafte Angelegenheit, ein Knackpunkt, es gibt nicht wenige, die der festen Überzeugung sind, dass dieser Montag im April dieses Jahres der Anfang von Ende der durchaus realistischen Champions-League-Hoffnungen der Frankfurter war. Der Wolfsburger John Anthony Brooks glich nämlich die Führung durch Jonathan de Guzman in der Nachspielzeit aus, 1:1, ein Punkt und nicht drei. Es war ein später Niederschlag, von dem sich die Eintracht nicht mehr erholen sollte.

Aktuell sind die Wolfsburger angeschlagen, nach gutem Saisonstart verloren sie zuletzt immer mehr an Boden, gleich vier Niederlagen hintereinander stehen zu Buche, Tore schießt die Mannschaft des neuen Trainers Oliver Glasner kaum noch, in den zurückliegenden fünf Partien erzielte sie nur zwei Treffer, blieb dreimal torlos. Der letzte Sieg datiert vom 6. Oktober, 1:0 gegen Union Berlin. Das ist jetzt nicht so wirklich furchteinflößend.

Eintracht Frankfurt ist gut beraten, in den Heimspielmodus zu schalten

Doch angeknockte Gegner sind bekanntlich nicht zu unterschätzen, auch wenn die Eintracht zu Hause gerne die Muskeln spielen lässt, sich zu einer ausgewiesenen Heimmacht entwickelt und 14 ihrer 17 Punkte im Stadtwald erspielt hat, darunter zwei spektakuläre Erfolge gegen Leverkusen (3:0) und Bayern München (5:1).

Die Frankfurter, die auf die gesperrten Gelson Fernandes (Gelb-Rot in Freiburg) und Kapitän David Abraham (Rot im Breisgau plus siebenwöchiger Sperre vorm Sportgericht) verzichten müssen, sind gut beraten, in ihren Heimspielmodus zu schalten. Auf eigenem Terrain und vor dem eigenen Anhang traut sich die Mannschaft, den Kontrahenten sehr viel früher, energischer und aggressiver zu attackieren. Ein Stilmittel, das verfängt. „Die Eintracht hat sich das Ungestüme und die Wildheit auf die Fahnen geschrieben“, schrieb die FR* unlängst und riet: „Das Enthemmte ist ein zentrales Element des Frankfurter Stils, das sollte nicht außen vor gelassen werden.“ Schon gar nicht im eigenen Wohnzimmer.

Von Ingo Durstewitz

Eintracht Frankfurt setzt Zeichen gegen Rassismus

Eintracht Frankfurt wird im Heimspiel am Samstag gegen den VfL Wolfsburg mit einem Sondertrikot antreten. Unter dem Motto „Platz für Vielfalt“ will der Klub ein Zeichen gegen Rassismus und Diskriminierung setzen. Anstelle des Logos von Hauptsponsor Indeed sind die Flaggen der insgesamt 14 verschiedenen Nationalitäten der Eintracht-Spieler abgebildet. „Ich glaube, dass im Sport der kulturelle Hintergrund des Einzelnen unbedeutend ist“, sagt der verletzte Torhüter Kevin Trapp. „ Wir sprechen die gleiche Sprache, die Sprache des Fußballs, da ist es ganz egal, welche Hautfarbe oder Religion jemand hat.“ (FR)

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Redaktionsnetzwerks.

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