+
Will alles für die Eintracht tun: Andi Möller. 

Eintracht Frankfurt

Andreas Möller bietet Eintracht-Ultras Gespräch an

  • schließen

Der einstige Regisseur, Andreas Möller, über die Hetze der Ultras und sein Eintracht-Herz: „Ich bin ein Frankfurter Junge.“

  • Andreas Möller kommt zu Eintracht Frankfurt zurück
  • Möller möchte reinen Tisch machen
  • Bietet offenen Dialog mit Ultras an

Frankfurt - Andreas Möller sagt, er habe öffentlich lange geschwiegen und sich bewusst zurückgenommen, dabei sei er ja eigentlich ein Typ, der auf die Leute zugeht und sich „nicht ins Schneckenhaus zurückzieht“; Interviewanfragen gab es zuletzt zuhauf, klar, „der Andi“, wie ihn jeder ruft, ist bekannt – und umstritten, er polarisiert, zuletzt noch mehr als zuvor.

Andreas Möller, der neue Nachwuchschef von Eintracht Frankfurt, sitzt in einem Nebenraum der Vereinsgaststätte Diva am Riederwald, dort, „wo alles begann“, dort, „wo früher mal der Kraftraum war und die eine oder andere Ratte rumlief“. Er kennt sich aus am Riederwald, hier hat er, der Meister aller Klassen und Träger aller Titel, bei der Eintracht das Kicken richtig gelernt, hier ist er „über den alten Hockeyplatz zur U-Bahn“ gewetzt und hat sie oft genug verpasst, obwohl ja schon der junge Andi pfeilschnell war. Hier, wo das Herz der Eintracht schlägt, wo Bruno Pezzey, „mein Idol“, die Autogrammkarten aus dem Kofferraum heraus verteilte, hier arbeitet er jetzt wieder, seit vier Monaten. „Es ist wie nach Hause kommen, ich fühle mich rundum wohl.“

Eintracht Frankfurt: Andreas Möller redet Klartext

Und jetzt ist die Zeit gekommen, um mal etwas klarzustellen. „Ich lasse mir nicht sagen, dass ich nicht gerne für Eintracht Frankfurt gespielt habe. Es war sogar immer mein Traum. Ich habe hier meinen ersten Vertrag um drei Uhr nachts unterschrieben. Ich war ein glücklicher junger Mann.“

Und dann, emotional aufgeladen, kramt der 52-Jährige ganz tief in dem Schatz der Erinnerungen, er holt zu einer flammenden Rede aus, die logischerweise auch Rechtfertigung ist, aber gar nicht so klingen soll. „Ich bin ein Sossenheimer Junge, im Wohnblock groß geworden. Ich stand samstags im Waldstadion im G-Block, ich war Balljunge“, bekundet Andreas Möller im Stakkato-Stil und erzählt von Pferdestaffeln der Polizei am Gleisdreieck, die die Fans des Gegners abgepasst hätten, und auch von „Todesangst“, wenn die auswärtigen Hools den kleinen Andi in seinem Eintracht-Trainingsanzug entdeckt haben. Was er sagen will: „Ich bin ein Frankfurter Junge. Punkt. Aus. Ende.“

Eintracht Frankfurt: Protestplakate der Ultras haben Andreas Möller nicht kalt gelassen

Und genau deshalb haben ihn die herabwürdigenden und beleidigenden Protestplakate („Hurensohn“) der Ultras von Eintracht Frankfurt nicht kaltgelassen. „Das bohrt mich, das hat mich getroffen. Mit so viel Gegenwind hätte ich nicht gerechnet.“ Seit Sportvorstand Fredi Bobic die Idee hatte, den einstigen Weltmeister einzubinden und ihn in verantwortungsvoller Position mit dem Nachwuchs zu betrauen, läuft der harte Kern der Anhänger Sturm. Die Begründung, verknappt ausgedrückt: Andreas Möller habe den Verein verraten und sei mehrfach vertragsbrüchig geworden. Möller, heißt es seit jeher, sei mit seinem Freund und Berater Klaus Gerster stets mehr auf das eigene Wohl bedacht gewesen als an das des Klubs.

Der Ex-Nationalspieler sieht es natürlich anders. Bei seinem ersten Abgang zu Borussia Dortmund habe er als junges Talent spielen wollen. In Frankfurt sei das kaum möglich gewesen, weil Eintracht Frankfurt gerade Lajos Detari gekauft habe. „Und wir beide, das ging nicht zusammen, wenn Andreas Möller und Detari zusammen hätten spielen sollen, hätten wir zwei Bälle gebraucht.“ Abgang eins.

Eintracht Frankfurt wollte um die Meisterschaft spielen – der zweite Abgang von Andreas Möller

Bei der Rückkehr zu Eintracht Frankfurt habe er sich gegen lukrative Angebote aus dem Ausland entschieden („Ganz Italien wollte mich“) und für einen Fünfjahresvertrag bei seinem Heimatverein, „weil die Eintracht eine tolle Mannschaft hatte und um die Meisterschaft spielen wollte“. Doch dann, berichtet Andreas Möller, hieß es vonseiten „der handelnden Personen“, dass man sich nicht mehr an den „unterschrieben Vertrag halten“ könne und ein „Refinanzierungsgeschäft mit Juve“ anstrebe. „Das war aber nicht mein Bestreben.“ Abgang zwei.

Und bei der nächsten Rückkehr zum Ende seiner Karriere habe er sich von der Couch in den Wald gequält, um Eintracht Frankfurt zu helfen. Doch nach einer schweren Muskelverletzung und noch schwereren Differenzen mit Coach Willi Reimann bat er um Vertragsauflösung. „Ich habe zu Heribert Bruchhagen gesagt: Ich möchte kein Geld, verwendet es für etwas Sinnvolles.’“ Abgang drei.

Eintracht Frankfurt: Andreas Möller will reinen Tisch machen

Und vor dem Pokalfinale gegen Borussia Dortmund 2017, ja, da sei eine unbedachte Äußerung gefallen, als er in einem nicht autorisierten Gespräch mit den „Ruhr-Nachrichten“ sagte, er habe mit „der Eintracht nix zu tun und keinen Kontakt zur Eintracht“. Aber das sei halt zu diesem Zeitpunkt auch nur die Wahrheit und gewiss nichts gegen Eintracht Frankfurt gewesen. „Es wäre mir nie in den Sinn gekommen, mich gegen Eintracht Frankfurt zu stellen.“ Er sei vom BVB zum Spiel eingeladen gewesen, „das war aus der Situation heraus“ und nicht böse gemeint. Aber wer wolle, könne es gerne als „Fauxpas“ bezeichnen. „Ich habe bestimmt auch Fehler gemacht. Aber meine Eintracht-Vergangenheit ist anders als sie dargestellt wird.“

Andreas Möller will nun reinen Tisch machen, um positiv in die Zukunft zu gehen und seiner Aufgabe, der er mit Feuereifer nachkommt, gerecht zu werden. Er lädt seine Kritiker ein, in den Diskurs mit ihm zu treten, denn: „Ich muss mir nichts zusammenreimen. Ich laufe nicht weg, im Gegenteil: Ich möchte mit denen, die mich kritisch sehen, in einen offenen, persönlichen Dialog treten. Ich brauche dafür niemanden, nicht Peter Fischer, Axel Hellmann oder Fredi Bobic. Ich möchte es selbst lösen.“ Als Beispiel nannte er seinen Wechsel von Dortmund zum verhassten Nachbarn Schalke 04. „Ich bin da auch alleine zu einem Schalker Fanclubtreffen gegangen. So angenehm war das auch nicht, aber ich habe es durchgezogen.“

Von Ingo Durstewitz

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare