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Ajdin Hrustic: Eintracht Frankfurts Kunstschütze

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Von: Daniel Schmitt, Ingo Durstewitz

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Perfekte Schusstechnik: Ajdin Hrustic mit seinem spektakulären Treffer zum 2:1.
Perfekte Schusstechnik: Ajdin Hrustic mit seinem spektakulären Treffer zum 2:1. © imago images/Jan Huebner

Ein Winterwechsel von Eintracht-Spieler Ajdin Hrustic scheitert, keine Woche später ist er der Frankfurter Held.

Frankfurt - Michael Angerschmid mag die Ruhe. Seit Jahren arbeitet der Familienvater an der Seite von Fußballtrainer Oliver Glasner, in Ried, in Linz, in Wolfsburg, mittlerweile bei Eintracht Frankfurt. Für die breite Öffentlichkeit aber ist er ein No-Name. Der „Michi“, wie er sich selbst vorstellt, ist ein treuer Arbeiter im Hintergrund, ein Zuflüsterer auf der Bank, einer, der niemals danach streben würde, all die Last, die Aufmerksamkeit einer Chefrolle zu schultern. Und wenn er mal für einige Tage nach vorne treten muss, dann ist dafür schon ein E-Roller-Sturz des Kumpels nötig.

Am Samstag ist dem 47-Jährigen das widerfahren, was er im Grunde nicht mag, was ihn aber ausnahmsweise diebisch gefreut haben dürfte. „Michi hat in der Pause die Eckbälle der ersten Halbzeit analysiert, hat gesehen, dass es die Möglichkeit gibt, den Ball in den Rückraum zu spielen und sich die Jungs geschnappt“, schilderte Glasner den herausragenden Moment des Frankfurter 3:2-Sieges beim VfB Stuttgart.

VfB Stuttgart gegen Eintracht Frankfurt: Ajdin Hrustic wird zum Matchwinner

Auf Hinweis von Angerschmid also schaute der Frankfurter Eckenschütze Christopher Lenz wenige Sekunden nach Wiederanpfiff in den verwaisten Rückraum des Sechzehners, chippte den Ball exakt dorthin, wo Ajdin Hrustic stand und die Hereingabe volley und mit Schmackes ins Eck verwertete. Ein tolles Tor zur 2:1-Führung, das gewiss noch mehr Aufmerksamkeit erfuhr, als es ohnehin verdient hatte, weil Kunstschütze Hrustic später per abgefälschtem Schuss noch der Siegtreffer gelang.

Ajdin Hrustic, erst zur Pause für Kapitän Sebastian Rode eingewechselt, war der Matchwinner der Eintracht. „Ich habe alles gegeben für die Mannschaft, und wir sind alle glücklich“, sagte der australische Nationalspieler, der mit der Light-Version des Arjen-Robben-Gedächtnisvolleys (übrigens ein Kurzzeitmitspieler von Hrustic in Groningen) selbst nicht gerechnet habe, „aber Tor ist Tor. Die Treffer nehme ich gerne mit.“ Verständlich.

Ajdin Hrustic hat keine leichte Zeit bei Eintracht Frankfurt hinter sich

Hrustic, der für Erste-Sahne-Tore spätestens seit seinem spektakulären Sitz-Treffer gegen Mainz in der vergangenen Spielzeit bekannt ist, hat bei der Eintracht ja keine leichte Zeit hinter sich. Schwang er sich in der Sommervorbereitung noch zur Überraschung auf, stand dann zu Saisonbeginn vermehrt in der Startelf, ist er längst nur noch die Nummer vier im Ranking der zentralen Mittelfeldleute. Im Januar stand nicht umsonst ein Vereinswechsel des 25-Jährigen im Raum, das Werben des FC Augsburg war konkret, führte aber ebenso wie eine Anfrage aus dem Ausland nicht zu einem Tapetentausch. Stattdessen ballerte sich Hrustic nicht mal eine Woche später zum Frankfurter Fußballhelden.

Bereits zu Jahresbeginn gegen Dortmund durfte Hrustic aufgrund einiger Corona-Fälle im Team mitmischen, er spielte ordentlich und heimste nun nach seinen Saisontoren eins und zwei viel Lob vom Trainer ein. Er, Glasner, habe mit Hrustic gesprochen und ihm weitere Einsatzminuten versprochen. „Natürlich nicht, wie viele genau“, so der Coach, „aber Ajdin hat gemerkt, dass es kein Blabla war.“ In Stuttgart lieferte der Techniker ab, ganz zur Freude des Chefs: „Das zeigt, dass wir uns auf jeden einzelnen Spieler im Kader verlassen können.“ Und auch auf den zurückhaltenden Mann aus dem Hintergrund, den Michi, den Assistenten mit den guten Ideen. (Daniel Schmitt und Ingo Durstewitz)

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