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Gut gemacht: Trainer Hütter herzt Stürmer Jovic.
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Gut gemacht: Trainer Hütter herzt Stürmer Jovic.

SGE

Eintracht Frankfurt: Die Tormaschine Luka Jovic liefert

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Luka Jovic hebt Eintracht Frankfurt noch einmal auf ein anderes Level. Und gestillt ist sein Torhunger noch lange nicht.

Ajdin Hrustic, 24 Jahre alter Australier mit bosnischen Wurzeln, ist im Frühherbst 2020 aus Groningen vor Arjen Robben geflüchtet. Der zu seinem Heimatverein zurückgekehrte Bayern-Altstar beanspruchte die Position des jungen Hüpfers am rechten Flügel, also wechselte Linksfuß Hrustic in die Bundesliga zu Eintracht Frankfurt. Dort plante man mit ihm aber gar nicht auf Außen, zu langsam und zu wenig dynamisch sei er dazu. Der Mittelfeldmann sei dank seiner guten Technik und seines starken linken Fußes eher einer, der hinter den Spitzen die Fäden ziehen oder in den Halbpositionen aufgeboten werden könne.

Eintracht Frankfurt: Hrustic macht auf seine Sache gut

Am Sonntag im Heimspiel gegen einen heillos überforderten und ebenso unterlegenen FC Schalke 04 wurde Hrustic kurz nach der Pause ins Spiel gebracht, weil Abwehrchef Martin Hinteregger mit einem saftigen Pferdekuss nicht mehr konnte. Altmeister Makoto Hasebe rückte an seiner statt nach hinten in die zentrale Verteidigung, und Hrustic spielte anstelle des Japaners an der Seite des bärenstarken Djibril Sow im defensiven Mittelfeld. Und siehe da: Er machte seine Sache auf der ungewohnten Position ausgesprochen gut, war ball- und passsicher, mutig in seinen Aktionen. „Für viele war der Wechsel vielleicht überraschend“, urteilte Trainer Adi Hütter und durfte sich ein bisschen selbst loben: „Der Schachzug ist gut gelungen.“

Der Rollentausch hat in der Tat gut funktioniert, und er steht sinnbildlich für das neue Selbstverständnis des Trainers und seiner Mannschaft: Vor fünf, sechs Wochen noch wäre mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit der Zerstörer Stefan Ilsanker eingetauscht worden. Oder Abräumer Dominik Kohr, der gegen Schalke nicht einmal mehr im Kader stand. Aus gutem Grund, der vor eineinhalb Jahren für neun Millionen Euro gekommene 26-Jährige steht vor einem Wechsel zum Nachbarn FSV Mainz 05.

Eintracht Frankfurt und der Ausdruck neuer Stärke

Nun aber bringt Coach Hütter also keinen Rustikalen, sondern einen spielerisch veranlagten Bundesliganovizen auf der „falschen“ Position. Das ist Ausdruck neuer Stärke und eines gesunden Selbstvertrauens, es ist auch Zeugnis eines Paradigmenwechsels. Das Team ist mittlerweile gewachsen und gereift, und der Coach traut seinem Ensemble mehr zu, er traut seinen Profis zu, Aufgaben mit einer gewissen Leichtigkeit und fußballerischen Klasse zu lösen.

Beim 3:1-Erfolg gegen Schalke erreichte die Eintracht eine Passquote von erstaunlichen 86 Prozent. Das ist kein Zufall. „Spielerisch war das teilweise eine Augenweide“, sagte Hütter und übertrieb nicht mal. „Wir haben immer versucht, zwischen die Linie und vertikal zu spielen.“ Auch nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich sei die Mannschaft nicht hektisch geworden. „Wir sind ruhig und geduldig geblieben – in dem Wissen, dass wir spielerisch stark sind.“

Luka Jovic stellt Sieg für Eintracht Frankfurt mit zwei märchenhaften Treffern sicher

Am Sonntag standen zeitweise neun Akteure auf dem Feld, die ihre Stärken eindeutig mit dem Ball am Fuß haben, sich aber auch nicht zu schade sind, die nötigen Meter zu machen und den entsprechenden Einsatz zu bringen. Das ist eine gute Mischung.

Die Möglichkeiten des Trainers in der Offensive sind noch einmal sprunghaft gestiegen, was mit der Rückkehr von Luka Jovic zu tun hat. Die Tormaschine hat an diesem märchenhaften Sonntag aus der Hollywoodtraumfabrik mit zwei herrlichen Treffern den Sieg sichergestellt und seine Extraklasse unter Beweis gestellt, er hat den Eintracht-Kosmos zum Beben gebracht. Nicht mal 20 Minuten hat er für zwei Tore benötigt – bei Real schaffte er das in eineinhalb Jahren.

„Für ihn war es wahnsinnig wichtig, dass er dorthin geht, wo er sich wohlfühlt“, berichtet der Trainer. In Madrid war das nicht der Fall, doch auch in Spanien nahm man die sportliche Auferstehung des serbischen Nationalspielers mit Erstaunen zur Kenntnis. „Real bleibt auch nichts erspart“, kommentiert die „‚Marca“ süffisant, und die „AS“ schrieb: „Nein, es ist kein Scherz, der wiederbelebte Jovic hat mit einem wunderbaren Doppelpack geglänzt.“ Verrückte Welt.

Luka Jovic widmet seine Tore für Eintracht Frankfurt Abraham und verstorbenem Fan

Der Vollblutstürmer selbst konnte seine Emotionen nur schwerlich kanalisieren, weshalb er mit einigem Pathos die schriftliche Form via Instagram wählte. „Unbeschreibliches Gefühl, Sieg, zwei Tore. Hätte mir kein besseres Comeback vorstellen können. Ich hoffe, dass dies nur der Anfang ist und das Beste noch kommt.“

Seine beiden Tore widmete er den mit vielen Tränen in den Ruhestand verabschiedeten Kapitän David Abraham („ein wahrer Freund und großartiger Mann“) sowie einem heißblütigen Eintracht-Fan, der mit 37 Jahren unerwartet verstarb, Frau und drei Kinder hinterlässt. Da weiß man, was wirklich wichtig ist im Leben. Ein Doppelpack, findet selbst der Doppelpacker, ist es nicht.

Rein sportlich gesehen ist der Angriff der Eintracht durch den 23-Jährigen variabler geworden. Coach Hütter hat die Möglichkeit, auch mal wieder mit zwei Spitzen agieren zu lassen, zwei, die es in sich haben. André Silva ist ja ebenfalls in Topform, machte gegen S04 schon seinen zwölften Saisontreffer, keinen einfachen im Übrigen. „Es ist mir eine Ehre, mit einem solch guten Spieler zusammenspielen zu dürfen“, sagte Jovic über den Kollegen.

Eintracht Frankfurt: Filip Kostic blüht durch Luka Jovic auf

Die Offensivabteilung ist mittlerweile eine, die sich in der Bundesliga nur hinter wenigen Mannschaft verstecken braucht. Auch hinter den Stürmern sind nämlich ausnahmslos gewitzte, verspielte Akteure unterwegs, Amin Younes zuvorderst, aber auch Daichi Kamada oder Aymen Barkok. Und auf links blüht Filip Kostic wieder auf. Das hatten sich die Verantwortlichen als nützlichen Nebeneffekt der Jovic-Verpflichtung erhofft. „Dass Luka wieder da ist, hat Filip Auftrieb gegeben“, glaubt Hütter. „Beide sind dicke Buddies.“ Die sich nicht nur aus Frankfurt, sondern auch aus der serbischen Nationalelf kennen und schätzen. Stand bei Kostic bis Sonntag nur eine Vorlage in der Statistik notiert, lieferte er nach der Jovic-Einwechslung zwei binnen 20 Minuten. Auch das: verrückt irgendwie.

Wo aber geht die Reise der Eintracht hin? Am Mittwoch ist sie erst einmal in Freiburg zu Gast, will dort die Serie von vier Siegen in Serie „prolongieren“ (Hütter). Knipser Jovic glaubt, dass eine Menge drin ist in diesem Jahr: „Die Mannschaft ist nicht schlechter als die, die ich damals verlassen habe. Ich erwarte sogar bessere Resultate.“ Ein Anfang ist ja schon mal gemacht.

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