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Das nächste Mannschaftstraining mit allen ist für Sebastian Rode frühestens nächsten Montag.

Eintracht-Mittelfeldspieler im Gespräch

Sebastian Rode: „Müssen in den sauren Apfel beißen“

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Eintracht-Profi Sebastian Rode über das Profidasein in Zeiten des Virus, Geisterspiele und warum ihn Hamsterkäufe ärgern.

Am gestrigen Vormittag hat Sebastian Rode, der fleißige Mittelfeldrackerer von Eintracht Frankfurt, sehr gewissenhaft seine Hausaufgaben erledigt, er ist 40 Minuten gelaufen, hat Stabilisations- und Kraftübungen gemacht, ganz für sich allein, wie es sich in Zeiten des Coronavirus gehört. Dann äußerte sich der 29-Jährige in einer Telefonkonferenz zu aktuellen Problemen und sagte Folgendes zu...

...seinem augenblicklichen Tagesverlauf:Wir haben ja individuelle Trainingspläne erhalten, das meiste mache ich zu Hause. Am Morgen war ich 40 Minuten am Main entlang laufen. Die Stabilisationsübungen und das Krafttraining habe ich daheim absolviert, um so wenig wie möglich Kontakt zu anderen zu haben. Ansonsten gehe ich spazieren, und ich koche viel.

...dem Fehlen der Mannschaftskollegen:Ich bin Rehatraining alleine ja gewohnt (lacht), aber das individuelle Training zu Hause ist auch für mich etwas Neues. Ich habe schon noch Kontakt zu den Mitspielern, sei es durch die Whatsapp-Gruppe oder persönlich am Stadion, allerdings eingeschränkt. Man kommt aber auch mal eine Woche ohne die Kollegen aus.

...zur aktuellen Nachrichtenlage:Ich verfolge das sehr aufmerksam, fast stündlich ändert sich ja etwas. Ich bin aber relativ entspannt. Ich halte mich daran, was Politiker und Gesundheitsexperten raten, viele versuchen ja auch, Panik erst gar nicht aufkommen zu lassen, reagieren besonnen. Ich muss aber auch sagen: Hamsterkäufe - die ärgern mich sehr. Wenn sich jeder an die Vorgaben aus der Politik hält, wird die Krise auch beherrschbar und gut ablaufen. Dann werden wir es zusammen alle schaffen.

...zur ungewissen Situation am vergangenen Freitag, als noch nicht klar war, ob die Bundesliga spielt oder nicht:Am Vormittag hatten wir noch eine Besprechung zum Spiel gegen Gladbach, allerdings hat der Trainer gesagt, er wisse nicht, ob gespielt wird oder nicht. Nach meinem Mittagsschlaf hat mir meine Frau dann mitgeteilt, am Wochenende sei frei. Ähnlich erging es mir auch in Salzburg: Auch da erfuhr ich erst nach meinem Mittagsschlaf, dass abends das Spiel wegen einer Orkanwarnung abgesagt ist. Vielleicht sollte ich nicht so oft Mittagsschlaf halten.

...zu seinen flapsigen Aussagen am Donnerstag nach dem Basel-Spiel, ein Virus dürfe das Leben nicht komplett lahmlegen: Ich halte es nach wie vor nicht für gut, alles lahm zu legen. Dessen ungeachtet: Man muss schon aufpassen, zu wem man soziale Kontakte hält, gerade ältere Menschen können von dem Virus stark betroffen sein. Wenn sich allerdings jeder an die Regeln und die Hygienemaßnahmen hält, dann kann man damit sicher viel erreichen.

...zu möglichen weiteren Geisterspielen:Um alles aufrecht zu erhalten in der Bundesliga, werden wir daran nicht vorbeikommen. Es hängen ja so viele Jobs am Fußball. Und wenn es sein muss, muss man in den saueren Apfel beißen und ohne Zuschauer spielen.

...zum diskutierten und angeregten Verzicht der Profis auf einen Teil ihrer Millionengagen:Wir Fußballprofis haben eine gewisse soziale Verantwortung. Und ich fände es auch schwierig, wenn Fußballklubs plötzlich um Staatsgelder bitten würden. Über Gehaltsverzicht muss intern gesprochen werden. Ich vertraue da aber voll und ganz unserem Vorstand. Gerade Fredi Bobic (Sportvorstand, Anm. d. Red,) geht sehr fair mit allen Mitarbeitern um. Wir werden eine Lösung finden, wenn es hart auf hart kommt.

...zu möglichen grundsätzlichen Veränderungen im Fußball durch das Virus:Das kann ich natürlich heute nicht sagen. Es wird spannend sein zu beobachten, wie es mit Transfersummen oder Spielergehältern weitergeht, ob an Stellschrauben gedreht wird oder nicht. Ich hoffe, bald zum normalen Alltag zurückkehren zu können.

...seinen Gedanken an das Europapokal-Rückspiel gegen den FC Basel oder das Pokalhalbfinale gegen Bayern München:Ich ertappe mich selbst dabei, sich nur über Corona Gedanken zu machen. Die Lage ist echt schwierig, weil man keinen Schimmer hat, wie es weitergeht.

...der Gefahr, ohne Mannschaftstraining Form und Fitness zu verlieren:Ein wenig kann man die momentane Situation mit der jüngsten Winterpause vergleichen. Da hatten wir quasi auch nur ein, zwei Wochen frei und eine kurze Vorbereitung. Also viel verliert man nicht - wenn man sich an die Pläne hält. Jeder ist für sich verantwortlich und muss sein Programm durchziehen.

...seiner persönlichen Zufriedenheit mit der Saison:Im Allgemeinen bin ich sehr zufrieden, gerade angesichts meines Knorpelschadens im vergangenen Sommer. Ich bin sehr gut durch die Saison gekommen. Zwar hatte auch ich im Dezember diese Delle, bin jetzt aber wieder auf meinem alten Level.

...einem möglichen Corona-Fall innerhalb der Mannschaft:Wir haben untereinander nicht so viel Kontakt, in Quarantäne musste keiner. Aber klar, wir sind privilegiert. Wir haben überall kurze Wege und alle Kontakte zu Ärzten, Mannschaftsärzte oder auch die Uniklinik. Wir sind bestens ausgestattet und aufgestellt.

Aufgezeichnet: Thomas Kilchenstein

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