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Sebastian Rode von Eintracht Frankfurt
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Eintracht Frankfurts Sebastian Rode ist wieder am Ball.

Interview

„Sehr viel neu“: Sebastian Rode dämpft Erwartungen an Eintracht Frankfurt

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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  • Thomas Kilchenstein
    Thomas Kilchenstein
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Kapitän Sebastian Rode über die neue Eintracht Frankfurt, die gedämpften Ambitionen, den Streik von Starspieler Filip Kostic und seine ganz persönliche Leidensgeschichte.

Herr Rode, nach all den Jahren sitzen wir Ihnen hier als Mannschaftskapitän von Eintracht Frankfurt gegenüber. Wie hat sich Ihre Rolle verändert, spüren Sie mehr Verantwortung?

Ich fühle mich verantwortlicher als vorher, ganz klar. Aber eigentlich will ich gar nicht, dass es sich anders anfühlt, ich habe ja auch schon zuvor einen Part gehabt, in dem ich Verantwortung übernommen habe. Jetzt kommen halt noch ein paar administrative Sachen hinzu.

Welche zum Beispiel?

Die Kommunikation mit dem Trainer ist eine andere, sehr viel enger. Man wirkt auf die Mannschaft anders ein. Dann ist da noch die Kommunikation mit der medizinischen Abteilung oder auch nur der Essensplan in der Kantine. Und natürlich geht es gemeinsam mit dem Mannschaftsrat, also Hase, Hinti, Kevin und Timmy, auch um diverse teaminterne Absprachen.

Sie waren verletzt, lange Zeit in der Reha. Wie setzt man das denn alles um, wenn man gar nicht so eng an der Mannschaft dran ist?

Ich war schon oft da, aber bekomme halt die Sachen auf dem Trainingsplatz nicht so mit. Von daher ist es nicht so einfach, Einfluss zu nehmen – aber das ist genau das, was ich will, gerade, wenn es mal nicht so läuft. Aber jetzt bin ich ja wieder voll dabei, das sollte also kein Problem sein.

Eintracht-Frankfurt: Kapitän Sebastian Rode im FR-Interview

Sie sprechen es an: Wie wirkt man ein, wenn man gar nicht spielt und trainiert?

Ich habe versucht, viele Gespräche zu führen, wollte schon wissen, wie ist die Stimmung im Training, wie ist sie, wenn die Mannschaft unterwegs ist bei den Spielen. Wenn man den Anspruch hat, Spiele zu gewinnen und das nicht schafft, dann ist die Stimmung nun mal nicht so gut. Das liegt in der Natur der Sache. Jeder hadert dann mit sich, dann geht so ein bisschen das Selbstvertrauen flöten – aus diesem Kreislauf muss man raus. Ich hoffe, dass wir das mit den zwei wichtigen Siegen geschafft haben.

Waren Sie überrascht, zum Kapitän bestimmt geworden zu sein?

Dass ich in der engeren Auswahl bin, das war mir eigentlich klar. Dass mich der Trainer dann auserwählt hat, hat mich sehr gefreut. Ich hätte auch verstanden, wenn er einen anderen Spieler genommen hätte, zumal ich ja die Vorbereitung nicht so mitmachen konnte, wie ich mir das gewünscht hätte. Es ist eine Auszeichnung und eine Ehre für mich, ganz klar.

Was denken Sie, wie stark ist die Mannschaft? Ist sie besser oder schwächer als die letztjährige?

Sie ist anders, würde ich sagen. In der Vorbereitung sah vieles ganz ordentlich aus, die jungen Spieler hatten vielversprechende Ansätze. Aber es ist dann halt doch etwas anderes, Bundesliga zu spielen. Egal, woher du kommst: Da muss man sich immer erst zurechtfinden und anpassen. Das beste Beispiel ist ja André Silva, der in seinem ersten Jahr auch nicht so auffällig war und so herausgestochen ist wie im zweiten. Alles in allem war der Umbruch jetzt groß. Die Mannschaft hat neue Strukturen bekommen und muss sich erst finden. Ich hoffe, dass der Prozess langsam abgeschlossen ist und unser Sieg gegen die Bayern Rückenwind gibt. Im Erfolg wächst man schneller zusammen. Und man darf nicht vergessen: Wir haben auch einen neuen Trainer und eine neue Führungsebene, die neue Impulse setzt. Und auch drumherum ist vieles anders. Wir sind in das neue Proficamp gezogen, das muss sich erst einspielen, man muss sich an andere Abläufe gewöhnen. Schon sehr viel neu alles in allem.

Zwischen Adi Hütter und Oliver Glasner gibt es auf jeden Fall einige Unterschiede. Es sind auch ganz andere Typen.

Sebastian Rode

Aber im Grunde sind doch nur zwei Spieler weg, Amin Younes und André Silva.

Aber man muss ja schon sehen, dass der Trainer viele neue Ideen reingebracht hat. Etwa von Dreierkette auf Viererkette umgestellt, auch manche Spieler, die schon da waren, haben eine andere Rolle. Makoto Hasebe, als Beispiel, hat bislang nicht so viel gespielt. Dafür einige neue Spieler, die sich aber erst finden und reinfinden müssen. Das ist normal. Es sind nur zwei Stammspieler weg, aber wir sind schon ein anderes Team.

Sebastian Rode äußert sich zum neuen Eintracht-Trainer Oliver Glasner

Sie sprachen eben den Trainer an. Was macht er anders als Vorgänger Adi Hütter?

Er fordert viel, die Einheiten sind sehr intensiv. Er zeigt einem immer viele Optionen auf, was sehr gut ist. Aber viele brauchen Zeit, um das umzusetzen und die Automatismen reinzubekommen. Das müssen wir aber schaffen, damit wir auf dem Platz schneller sind, sonst denkt man zu viel nach und ist dann automatisch langsamer. Die Denke des Trainers muss in die Köpfe und sich mit dem Instinktiven eines jeden Spielers mischen. Zwischen Adi Hütter und Oliver Glasner gibt es auf jeden Fall einige Unterschiede. Es sind auch ganz andere Typen.

Und dann streikt auch noch der beste Spieler. Wie haben Sie als Kapitän das Verhalten von Filip Kostic wahrgenommen? Das geht ja an einer Mannschaft nicht spurlos vorüber.

Nein, das nicht. Es kam ja auch gerade zu dem Zeitpunkt, als herauskam, dass der Transfer von Amin Younes geplatzt ist. Da waren einige Themen, die natürlich für Fragezeichen gesorgt haben. So etwas ist sehr ärgerlich. Man kann den Spieler in gewisser Weise verstehen, wenn man weiß, um welche Zahlen es da geht, aber man hätte das meiner Meinung nach auch anders lösen können. Ich kenne Filip jetzt ein paar Jahre, er ist ein total lieber Kerl, introvertiert. Die Situation hat nicht zu ihm gepasst, er hatte sich davor in drei Jahren nichts zuschulden kommen lassen. Er hat sich bei uns entschuldigt, das war für mich das Wichtigste. Damit war die Sache auch gegessen. Und ich wusste, dass er sich zu 100 Prozent reinhauen und seine Leistung bringen wird, wenn er den Fokus wieder auf der Eintracht hat. Und so ist es ja auch gekommen.

Wie würden Sie die Neuzugänge einschätzen?

Es ist Potenzial da, keine Frage. Aber man muss die Jungs erst mal integrieren, sie weiterentwickeln und dann sehen, dass man eine ordentliche Saison spielen kann. Aber dann dürfen die Erwartungen auch nicht zu hoch sein. Man kann nicht erwarten, dass man dann ganz oben angreift. Unsere Mannschaft wurde gegenüber der Vorsaison verjüngt, was vor allem im Hinblick auf die Zukunft sinnvoll war. Wir müssen jetzt schauen, dass wir gerade den jungen Spielern, die neu in der Bundesliga sind, die Zeit geben, die sie benötigen. Dass wir aber auch schon jetzt so viele Spiele wie möglich gewinnen wollen, ist auch klar.

Einer, der Potenzial hat und als Toptalent geholt wurde, der aber gar keine Rolle spielt und nun bei der A-Jugend hilft, ist Fabio Blanco. Schwierige Situation für den Jungen?

Ich weiß nicht, was abgesprochen wurde, wie er eingesetzt werden soll. In der Presse ist ja viel Tamtam um ihn gemacht worden. Ich kann nur sagen, dass er ein fleißiger Kerl ist mit einem echt guten Charakter, er gibt Gas im Training. Aber für einen 17-Jährigen ist es nicht leicht, in der Bundesliga zu spielen, vor allem, wenn auf der Position noch zwei, drei andere starke Spieler eingesetzt werden können. Aber das ist die Sache der Sportlichen Führung, die sicher einen klaren Plan mit ihm verfolgen wird.

Was Sebastian Rode die SGE-Entwicklung sieht

Würden Sie sagen, diese Saison ist ein Übergangsjahr?

Vielleicht. Aber die Saison ist noch lang und es kann noch viel passieren. Es warten noch zahlreiche Spiele auf uns. Man muss jetzt dranbleiben, und wir wollen uns weiter entwickeln. Letzte Saison hätte uns nach dem Saisonstart auch keiner zugetraut, dass wir noch mal so eine Serie starten und solch eine super Saison spielen.

Sehen Sie schon eine Entwicklung im Vergleich zum Saisonstart?

Schwer zu sagen, denn jetzt haben ja einige andere Spieler gespielt als am Anfang. Schön zu sehen ist, dass die Spieler, die am Anfang nicht gesetzt waren, jetzt trotzdem hervorragende Leistungen bringen. Timothy Chandler etwa, der schon auf der Tribüne gesessen hat und dann in einer Woche dreimal 90 Minuten gespielt hat. Das muss man auch erst mal schaffen. Respekt. Es zeigt, dass jeder im Team wichtig ist. In der Breite haben wir eine gute Mannschaft, ob wir die Qualität in der Spitze haben, wird sich zeigen. Wir arbeiten dran.

Momentan machen wir noch zu viele Fehler in den entscheidenden Situationen. Das sollten wir abstellen.

Sebastian Rode

Was wir nicht verstehen: Die Mannschaft zeigt teilweise fast schon brillante Angriffe, nur um dann wieder fünf schlampige Pässe in aussichtsreicher Position hintereinander zu spielen. Woher rührt diese Diskrepanz?

Um Abläufe zu trainieren, braucht man viel gemeinsame Trainingszeit. Die haben wir durch die Länderspielpausen und die Englischen Wochen gerade nicht. Aber wir wissen, dass wir aktuell noch zu viele Fehler machen. Damit hadert der Trainer, damit hadern wir alle. Denn es sind ja teilweise einfache, haarsträubende Fehlpässe. So etwas kann einem wirklich das Genick brechen und kostet irrsinnig viel Kraft. Sie können sogar den Unterschied ausmachen, ob du eine Riesenchance hast oder ein Tor machst oder auf der anderen Seite in einen Konter läufst. Momentan machen wir noch zu viele Fehler in den entscheidenden Situationen. Das sollten wir abstellen.

Eintracht Frankfurt: Sebastian Rode und die Champions League

Hadern Sie noch, dass es nichts wurde mit der Champions League?

Es ist schon eine Weile her, aber gerade wenn man zurückblickt, ist das schon unbefriedigend. Wir haben eine richtig geile Saison gespielt, hatten alle Chancen auf die Champions League, die die Eintracht noch nie erreicht hat. Dann geht Fredi Bobic, dann Bruno Hübner. Okay, das sorgt erstmal für Diskussionen, ist aber für die Mannschaft nicht so dramatisch, weil sie ja nicht jeden Tag auf dem Trainingsplatz mit uns stehen. Das kann man irgendwie verkraften. Aber wenn dann halt der Trainer das Boot verlässt, obwohl du ihn kennst und weißt, was er für einen Anspruch hat, dann ist das in so einer Situation schon bitter. Zumal wir ja als Einheit fungiert haben, Trainer und Mannschaft. Da fragt man sich schon: ,Warum? Was ist denn jetzt los? Wir können doch die Champions League packen.‘ Aber okay, viel mehr möchte ich auch nicht dazu sagen, es sind ja letztlich alte Kamellen (lacht).

Sie haben sich persönlich mal wieder zurückgekämpft nach der nächsten Knieverletzung. Woher nehmen Sie die Kraft? Oder ist das nicht irgendwann demoralisierend?

Ich habe in der Reha richtig hart geschuftet, um schnell wieder zurückzukehren. Ich brenne darauf, der Mannschaft helfen zu können. Das treibt mich jeden Tag an. Dieses Mal war es ja auch nicht ganz so schlimm. Kleine Knorpelabschürfungen, die das Knie gereizt haben. Also es war nichts Schlimmes, aber doch zu viel.

Eintracht Frankfurt: Sebastian Rode und die Reha

Trotzdem waren es wieder zwei Monate Pause. Wie steckt man das weg?

Es nervt, klar, man fragt sich: Warum schon wieder, zumal es ja auch super lief bei mir. Und natürlich wird es immer schwerer, sich zurückzukämpfen, vor allem, wenn man weiß, was in der Reha wieder auf einen zukommt. Aber da muss man durch. Ich bin ja eine Kämpfernatur, die nicht aufsteckt. Ich hoffe jetzt einfach, dass ich beschwerdefrei bleibe und meinen Beitrag leisten kann. Ein wenig wird es noch dauern, bis ich wieder spielen kann. Es gilt, nichts übers Knie zu brechen, sondern mit Sinn und Verstand zu handeln, damit ich langfristig dabei sein kann und nicht nach einem Spiel wieder Pause machen muss.

Sie sind jetzt 31, denken Sie manchmal ans Karriereende?

Ich habe hier noch zweieinhalb Jahre Vertrag, da denkt man schon darüber nach. Ich habe ja schon häufiger gesagt, dass die Eintracht meine letzte Station sein wird. Da rückt so ein Karriereende zwangsläufig näher.

Oder spielen Sie dann noch mal weiter, so wie Makoto Hasebe?

Das hängt mit der körperlichen Verfassung zusammen, aber jetzt war ich wieder verletzt am Knie. Man muss ja ehrlich zu sich selbst sein: Irgendwann ist dann halt auch Schluss. (Interview: Ingo Durstewitz, Thomas Kilchenstein)

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