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Sebastian Rode ist die Rückkehr gelungen.

Sebastian Rode

„Ich musste mir beweisen, dass ich es noch drauf habe“

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    Ingo Durstewitz
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Eintracht-Antreiber Sebastian Rode über seine bemerkenswerte fußballerische Entwicklung, den bunten Frankfurter Haufen und seine ungeklärte Zukunft.

Herr Rode, als Sie im Winter aus Dortmund nach Frankfurt kamen, da hofften Sie auf einen Neubeginn und eine Win-Win-Situation für beide Parteien. Aber müssen Sie sich jetzt manchmal kneifen, wie herausragend gut Ihre Rückkehr gelungen ist?
Dass es so gut laufen würde, das erträumt man sich ja nicht mal. Wir haben noch kein Spiel verloren, ich bin komplett fit, habe fast alle Spiele gemacht. Die Knie bereiten keine Probleme, die Leiste hält – ich bin rundum glücklich. Die Rückkehr, das hat sich gezeigt, war absolut richtig.

Hatten Sie vorher Zweifel, dass es vielleicht doch nicht klappen könnte? Sie hatten ja eine gefühlte Ewigkeit nicht mehr gespielt.
Natürlich waren da ein paar Fragezeichen dabei. Ich wusste nicht genau, wie der Körper die Belastungen verkraften würde. Ich wusste auch nicht, wie ich von den Fans aufgenommen werde. Da hatte ich schon ein paar Bedenken. Damals, als ich gegangen bin, waren die Fans ja gespalten. Der eine Teil hat gesagt, klar, den Schritt muss man wagen. Der andere Teil war not amused, gerade weil es ja auch zu den Bayern ging. Aber vom ersten Tag an gab es hier keine negativen Reaktionen, im Gegenteil. Mittlerweile habe ich auch, glaube ich, alle durch Leistung überzeugen können. Ich denke, die Menschen sehen, dass ich noch nicht zum alten Eisen gehören (lacht).

Sebastian Rode wollte es sich selbst beweisen

Wie wägt man eine solche Wechsel-Entscheidung überhaupt ab? 

Ich bin ein sehr reflektierender Mensch, der sich auch in andere Leute reinversetzen kann. Von daher war ich auch niemandem böse, wenn er mir erst mal mit einem gewissen Misstrauen begegnet ist, weil ich ja auch lange nicht gespielt hatte. Für mich war klar, dass ich in der Bringschuld bin. Ich musste die Leute davon überzeugen, was ich kann. Aber vor allem musste ich auch mir beweisen, dass ich es noch drauf habe. Bis jetzt ist es mir sehr gut gelungen. 

Aber dass Sie derart durchstarten, das konnte doch keiner im Ansatz erwarten. Oder doch?
Dass ich mich nach so einer langen Zeit mit den vielen Verletzungen und der langen Pause, so gut und schnell einfinden würde, hat mich in gewisser Weise auch überrascht. Aber die Mannschaft und das Team um das Team herum haben es mir sehr leicht gemacht, mich hier wohlzufühlen und mich auf dem Platz zu entwickeln.

Manche sagten, die Zeit in München und vor allem in Dortmund sei eine verlorene Zeit gewesen. Wenn man Ihre Darbietungen auf dem Feld sieht, muss man konstatieren: Das Gegenteil ist der Fall.
Das war ja der Grund, weshalb ich damals diesen Schritt gegangen bin. Ich wollte es mir selbst beweisen und auch ausloten, wie weit es gehen kann. Und nehmen Sie meine Zeit bei Bayern München: Wenn man da jeden Tag mit den Besten trainiert, dann entwickelt man sich automatisch weiter. Technisch und auch von der Handlungsschnelligkeit. Und die Trainer, die ich hatte, waren natürlich auch super. Bei Pep Guardiola und Thomas Tuchel lernt man einfach extrem viel, das kommt einem dann auch irgendwann zugute.

Als Sie zu Bayern kamen, da waren noch Lahm, Schweinsteiger und Alonso da, Thiago natürlich auch. Wie schnell akklimatisiert man sich da?
Ich stehe ja nicht so für den Fußball, den die Bayern da gezeigt haben. Ich habe mich halt dadurch abgehoben, dass ich nicht so der Filigranste war und es auch immer noch nicht bin, aber man wird halt einfach besser, wenn man mit solch außergewöhnlichen Spielern spielt. Auf das technische Niveau von ihnen bin ich nie gekommen. Aber mit meiner Art und Weise, wie ich Fußball spiele, habe ich schon ein paar Akzente setzen können. Von den Bayern-Fans habe ich nur positive Resonanz bekommen, mein Einsatz wurde immer honoriert. Ich blicke auf eine super Zeit in München zurück, es war auch der richtige Schritt, nach Dortmund zu gehen. Durch die vielen Verletzungen wurde ich dort halt ausgebremst, so dass es dort nicht so eine schöne Zeit war. Aber im Nachhinein würde ich es immer wieder so machen.

Was gibt einem ein Trainer wie Pep Guardiola?
Es gibt ja immer noch Menschen, die behaupten, dass er nur Topmannschaften trainieren kann, die er auch noch selbst zusammengekauft hat. Aber denen kann ich nur entgegenhalten, dass sie sich mal von ihm unterrichten lassen und eine Taktik-Exkursion mit ihm machen sollen. Dann würden sie ihre Meinung schnell ändern. Es ist unfassbar, wie er einen weiterbringt. Er ist ein Perfektionist, aber er ist auch ein Perfektionist darin, wie er es den Spielern rüberbringt. Er weiß, wie die Spieler ticken. Er hat für alles eine Lösung, jeder Spieler weiß, was er machen soll und was er machen darf. Das ging den Bayern danach dann auch ein wenig verloren.

Sie haben Ihre Spielweise ja beibehalten, gehen in jeden Zweikampf, als sei es Ihr letzter. Oder haben Sie sich da umgestellt?
Das war schon immer mein Spiel, das erwartet auch der Trainer von mir. Klar spiele ich jetzt ab und an schon mehr mit Auge, aber von der grundsätzlichen Ausrichtung hat sich nichts geändert.

Jetzt sind Sie in Frankfurt, und das, was hier abgeht, ist ja unglaublich. Trainer Hütter macht einen hervorragenden Job, die Eintracht ist angesagt wie ganz lange nicht mehr. Was ist das Besondere an der Mannschaft?
Das Besondere ist, dass es ein bunter Haufen mit vielen Nationalitäten ist. Und dass einfach alles zusammenpasst. Die Jungs sind ungeheuer gierig, sie wollen Erfolg, das sieht man im Spiel, aber auch in jedem Training. Und unsere vier Stürmer haben eine unglaubliche Qualität. Und die Power der Spieler ist bemerkenswert. Dieser Erfolgshunger ist deutlich zu spüren, fängt bei unserem Ältesten an. Wie Makoto Hasebe seit Wochen spielt, ist sensationell. Er will jedes Spiel gewinnen und lebt das vor. Wir haben auf dem Feld eine gute Mischung und dazu – Sie haben Recht – einen hervorragenden Trainer.

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Wohin kann der Weg der Eintracht führen? 

Wenn wir unseren Lauf beibehalten, ist alles möglich. Wir müssen jetzt zusehen, dass wir an unsere Leistungen, die wir vor Beginn der Länderspielpause zeigten, wieder anknüpfen können. Diese Pause sollte nicht zu einem Bruch in unserem Spiel führen.

Wie hat sich die Eintracht als Klub verändert?
Der Verein ist enorm gewachsen, er wird auch durch den DFB-Pokalsieg anders wahrgenommen, auch in Europa wird der Eintracht Beachtung geschenkt. Das ist schon eine mächtige Entwicklung. Die Eintracht schöpft ihr Potenzial, das immer in ihr schlummerte, so langsam aus.

Spürt man diese Dynamik und die Wucht des Klubs?
Man merkt, dass die Eintracht aufholt – auf allen Ebenen. Der Klub war jetzt ein paar Mal in den USA, nach der Saison soll es nach China gehen, wenn wir nicht ins Finale kommen und nach Baku dürfen, was uns natürlich lieber wäre (lacht). Solche Reisen haben früher nur Bayern, Dortmund, Schalke gemacht, Vereine, die regelmäßig Champions League spielen. Die Eintracht wächst immer mehr, mit ihr wird zu rechnen sein.

Spürt man diese Begeisterung rund um die Eintracht auch privat? Also wie oft werden Sie angesprochen, wenn Sie durch Sachsenhausen flanieren?
Momentan ziemlich häufig, aber das ist ein schönes Gefühl. Jeder in der Stadt ist euphorisch und glücklich. Es macht Spaß, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen.

Luka Jovic: Von den Transfergerüchten unbelastet

Sie haben sich dennoch eine bemerkenswerte Bodenständigkeit bewahrt. 

Meine Eltern haben mir gelehrt, Demut zu zeigen und respektvoll den Menschen gegenüberzutreten, egal, wer es ist. Und das habe ich verinnerlicht und habe es bewahrt. Ich will auch von meinen Freunden genauso wahrgenommen werden: Ich kann vielleicht ein bisschen besser Fußball spielen, aber mehr auch nicht. Ich bin ein ganz normaler Mensch.

Haben Sie noch Freunde von früher?
Ja, sehr viele, auch aus der Schulzeit. Das ist mir sehr wichtig. Ich bin in der Region verwurzelt.

Sie haben sogar eine eigene Sebastian-Rode-App. Ist Ihnen Social Media wichtig?
Es ist mir schon wichtig, im Austausch mit den Fans zu sein. Aber ich gebe auch nicht zu viel preis von meiner Privatsphäre, will auch in Ruhe noch meinen Kaffee irgendwo trinken können.

Wie nehmen Sie die mediale Entwicklung generell wahr? Über Luka Jovic liest man jetzt jeden Tag von irgendwelchen verrückten Angeboten von irgendwelchen Vereinen. Amüsiert Sie das?
Ich nehme es schon wahr, was da geschrieben wird. Aber dass jetzt jede Woche so ausführlich darüber berichtet werden muss, verstehe ich nicht so ganz. Es ist ja ganz normaler Spielbetrieb, nicht mal eine Transferphase. Aber okay, Luka belastet es nicht, er bringt weiterhin seine Leistung. Das beeindruckt mich, gerade in den jungen Jahren. 

Jovic hat, so scheint es, in den vergangenen Wochen noch einmal einen Sprung nach vorne gemacht.
Er hat sich spielerisch auch außerhalb des Strafraums enorm weiterentwickelt, das sehe ich auch so. Er ist fast schon ein ganz kompletter Stürmer mit herausragenden Abschlussqualitäten.

Die Konstellation im Sturm ist besonders.
Absolut. Sie sind unterschiedliche Spielertypen. Ante Rebic ist eine Maschine, Sebastien Haller arbeitet für die Mannschaft, bereitete Tore vor, die drei, vier da vorne sind sehr herausragend.

Wie geht es mit Ihnen weiter? Sie sind nur ausgeliehen, müssten ja theoretisch nach Dortmund zurück.
Ich habe noch ein Jahr Vertrag in Dortmund, Stand jetzt muss ich zurück, ja. Man weiß nie, wie es kommt. Aber ich stelle das jetzt wirklich zurück, fokussiere mich nur auf die Eintracht. Wir haben im April und Mai noch einiges vor, danach ist immer noch genügend Zeit, Gespräche zu führen.

Also gab es noch keine Signale oder Gespräche?
Nein. Ich fühle mich hier sehr, sehr wohl, aber ich kann wirklich nichts verkünden.

Heimatverbunden

Sebastian Rode und seine Frau Johanna, die Tochter von Ex-Eintracht-Finanzchef Thomas Pröckl, haben sich dazu entschieden, eine Wohnung in Frankfurt-Sachsenhausen anzumieten. Viele Cafés, Restaurants, urbanes Leben im Herzen von Europa. „Wir genießen es sehr“, sagt der 28 Jahre alte Fußballprofi der Frankfurter Eintracht, der zunächst einmal bis Saisonende von Borussia Dortmund ausgeliehen ist. Früher oder später wären die Rodes ohnehin in die Heimat zurückgekehrt, in Bensheim an der Bergstraße hat der bodenständige Mittelfeldmotor schon vor mehr als einem Jahr ein Grundstück gekauft. „Das Haus ist in Planung, der Spatenstich folgt noch“, erzählt „Seppl“ Rode, der sich in Frankfurt bei der Eintracht pudelwohl fühlt.

Seine Rückkehr ist bisher ein absoluter Volltreffer – für beide Seiten: Rode hat sich auf Anhieb zu einem Leistungsträger aufgeschwungen und erhält die nötige Spielpraxis. Die Eintracht profitiert von seiner bemerkenswerten fußballerischen Entwicklung und seiner gnadenlosen Balljagd im Mittelfeld.

Wie es nach Saisonende weitergeht, ist noch offen, aber klar ist, dass die Eintracht alles versuchen wird, den Antreiber fest zu verpflichten und langfristig zu binden. Die Chancen dazu stehen ganz gut. In Dortmund hat Rode eher keine Zukunft mehr.

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