+
Safety first: Bei der Verpflichtung von Bas Dost brauchten die Frankfurter Bosse viel Geduld.

Kaderplanung

Eintracht Frankfurt: Kaderplanung auch mit dem Bauch

  • schließen

Eintracht Frankfurt vertraut bei Verpflichtungen von Spielern auch auf den Instinkt der Bosse.

Wie lange genau Eintracht Frankfurt in der sommerlichen Transferphase an Bas Dost baggern musste, um den Lulatsch mit Schuhgröße 48 ins Hessenland zu lotsen, wollte Fredi Bobic zwar nicht verraten. Der Sportvorstand des Bundesligisten gab aber kürzlich immerhin an, schon „sehr früh“ den Kontakt zum 30 Jahre alten Mittelstürmer aufgenommen zu haben. Das klingt zumindest einigermaßen überraschend, weil Bas Dost ja erstens in der öffentlichen Wahrnehmung ein wenig als Ersatzlösung der Ersatzlösung wahrgenommen wurde, wohl auch nicht ganz unberechtigt, hatten andere potenzielle Neue für den Angriff wie zum Beispiel der Ex-Bremer Max Kruse oder der Ex-Frankfurters Kevin-Prince Boateng doch lieber einen anderen Verein ausgewählt.

Und zweitens, weil Bas Dost ja erst wenige Tage vor dem Ende der Transferphase verpflichtet werden konnte, am 26. August. Der riesenhafte Niederländer, der auf dem Platz alleine schon durch seine 1,96 Meter Körperlänge Respekt beim Gegner erzeugt, gleichzeitig in den eigenen vier Wänden aber zum sorgsamen Besitzer zweier süßer Kätzchen wird, konnte somit nicht im wichtigen Europa-League-Playoffduell der Eintracht gegen Racing Straßburg eingesetzt werden.

Eintracht Frankfurt verpflichtete Bas Dost für sieben Millionen Euro

Ein großes Risiko, das aus Sicht des Bundesligisten seinerzeit vertretbar war, um die Ablöse des Holländers nach unten zu drücken. Sieben Millionen Euro zahlte Eintracht Frankfurt letztlich für Dost an den portugiesischen Traditionsklub Sporting Lissabon und erkauften sich die Dienste des Torjägers damit für drei Spielzeiten. „Wir mussten bei Bas abwarten, es hätte ja noch ein Engländer kommen können“, sagte Bobic und meinte damit, dass sich vor dem Transferschluss auf der britischen Insel, diesmal war jener am 8. August datiert, die Forderungen mancher Klubs in teils unrealistische Höhen schrauben und erst später senken. Also pokerte die Eintracht, sie setzte Zeit ein, um am Ende Geld zu gewinnen, beziehungsweise zu sparen. Das gelang.

Grundsätzlich hält Fredi Bobic die verschiedenen Transferschlusszeiten der europäischen Ligen für äußerst schwierig, „sie machen das Geschäft noch komplizierter als es sowieso schon ist“. Besser wäre es dagegen, so der 47-Jährige, „wenn alle Topligen zeitgleich schließen“. Eine Meinung, mit der der Frankfurter Macher gewiss nicht alleine dasteht, die derzeit aber nun mal nicht der Realität entspricht.

Eintracht Frankfurt und die Gerüchteküche

Gerade nach den Rekordverkäufen der Angreifer Luka Jovic zu Real Madrid (70 Millionen Euro) und Sebastien Haller zu West Ham United (50 Millionen) hoffte manch konkurrierender Klub, bei dem die Hessen im Sommer wegen möglicher Spielerabwerbungen anklopften, dass er womöglich ein wenig mehr Geld herausholen könnte, als es vielleicht gerechtfertigt wäre. „Also mussten wir diesmal viel Geduld mitbringen“, sagte Bobic und gab offen zu, dass die vergangene Wechselperiode schon „extrem spannend“ gewesen sei. André Silva zum Beispiel, ebenfalls Angreifer, kam ja erst am allerletzten Tag im Tausch gegen Ante Rebic, der aktuell beim AC Mailand alles andere als glücklich zu werden scheint.

Zuvor waren bekanntlich etliche potenzielle Neue rund um die Eintracht gehandelt worden, mancher Name seriöser als die meisten anderen. Erinnert sei an abwegige, weil exorbitant bezahlte Kandidaten wie den Münchner Jerome Boateng oder den Ex-Münchner Franck Ribery. Und nicht selten konnte nicht mal Fredi Bobic glauben, was er da las: „Beim Blick auf den Pressespiegel musste ich oft schmunzeln, wer da nun schon wieder bei uns gehandelt wurde. Manchmal kannte ich die Spieler nicht einmal und musste sie erst mal selbst im Internet recherchieren.“

Fredi Bobic kennt Kaderplaner Ben Manga schon lange

Seitdem der ehemalige Nationalstürmer im Sommer 2016 bei der Eintracht anheuerte, hat sich nicht nur, aber gerade im Scoutingbereich bei den Frankfurtern vieles zum Positiven verändert. Fredi Bobic, Sportdirektor Bruno Hübner, Trainer Adi Hütter und Kaderplaner Ben Manga arbeiten eng zusammen, haben gewiss eine gute Transferbilanz vorzuweisen. „So eine Spielerverpflichtung ist ein fortlaufender Prozess, wir reden jetzt schon über den Winter und sogar den nächsten Sommer“, erklärte Bobic.

Adi Hütter vor dem Spiel gegen Bayer Leverkusen: Wollen offensiv agieren

Der Mann, der diesem Prozess nicht selten den Anstoß gibt, ist Ben Manga. Der Kaderplaner, mit dem Bobic schon beim VfB Stuttgart zusammengearbeitet hatte, der vom Sportvorstand für sein Auge, das Potenzial der Spieler früher als andere zu erkennen, geschätzt wird und mit dem er in Frankfurt quasi Tür an Tür wohnt, reist praktisch das ganze Jahr rund um die Welt. Anfang des Monats erst war Manga innerhalb einer Woche in Madrid, um sich die zweite Mannschaft von Real anzuschauen, dann in Barcelona, Mailand, Bern, Eindhoven, auch in Nürnberg, um schließlich zum vergangenen Eintracht-Heimspiel gegen Werder Bremen erst verspätet im Stadion erscheinen zu können.

Eintracht Frankfurt legt Wert auf das Preis-Leistungsverhältnis

„Wir sprechen uns fast täglich ab und tauschen uns über die wichtigsten Entwicklungen aus“, sagte Bobic. Neben dem iberischen Spielermarkt - die Hessen verpflichteten in der Bobic-Manga-Ära neun Spieler aus der portugiesischen oder spanischen Liga (Dost, Paciencia, Geraldes, Vallejo, Torro, Zalazar, Jovic, Mascarell, Boateng) - und dem bundesweit derzeit beliebten französischen (Ndicka, Touré, Falette, Haller), ist ein Steckenpferd von Manga sicher auch der südamerikanische Markt. Nicht umsonst lotste die Eintracht in den vergangenen Jahren Profis wie den Ecuadorianer Andersson Ordonez oder den Brasilianer Tuta nach Frankfurt, wenngleich ihnen der Durchbruch nie gelang.

So kann es aber auch mal vorkommen, dass Manga und Bobic gemeinsam in den Flieger steigen, um den Trip über den Atlantik in Angriff zu nehmen. „Solche Drei-Tages-Reisen nach Südamerika sind richtig lustig“, sagte Bobic, „da gerät durch den Jetlag gefühlt alles durcheinander“.

Fredi Bobic und das Bauchgefühl

Grundsätzlich komme es bei der Beurteilung von Fußballern auf mehrere Aspekte an. Zum einen natürlich auf ihr fußballerisches Vermögen, auch das Preis-Leistungsverhältnis, nicht zuletzt sei es wichtig, dass ein Spieler die richtige Mentalität mitbringe, „dass er brennt“.

Wenn viele dieser Aspekte wohlwollend beantwortet werden können, die Vertragslaufzeit beim aktuellen Arbeitgeber geklärt ist und mögliche Ausstiegsklauseln herausgefunden wurden, „dann kommen wir zum Punkt, bei dem wir tiefer reingehen“. Die endgültige Entscheidung, ob Ja oder Nein zu einem Transfer gesagt wird, hänge schließlich vom Gespräch mit dem Spieler ab. „Das ist entscheidend“, sagte Bobic: „Das Bauchgefühl muss stimmen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare