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Trainer Adi Hütter schlägt Alarm: Eintracht Frankfurt kassiert zu viele Gegentore.

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Zu viele Gegentore: Trainer Adi Hütter schlägt Alarm

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Trainer Adi Hütter schlägt Alarm: Eintracht Frankfurt kassiert zu viele Gegentore. Doch weil das auch auf den kommenden Gegner Union Berlin zutrifft, erwartet die Fans am Freitagabend ein besonderes Spiel.

Frankfurt - Zu spät zum Anpfiff um 20.30 Uhr an der Alten Försterei sollte heute Abend keiner kommen, er könnte sonst leicht das Wesentliche verpasst, Tore satt nämlich. Beide Teams, sowohl der kecke Bundesliga-Novize 1. FC Union Berlin als auch der Europa League-Teilnehmer Eintracht Frankfurt, pflegen in dieser frühen Phase der Saison im Verlaufe eines Spiels, ziemlich zeitig Tore zu kassieren. Die Berliner haben in den fünf Spielen bislang sieben ihrer zehn Gegentore in der ersten Halbzeit kassiert, die Frankfurter fünf ihrer sieben. Dazu haben die Hessen, am ersten Spieltag gegen die TSG Hoffenheim, schon nach einer Minute den Siegtreffer zum 1:0 erzielt. Spektakel in den Strafräumen scheint also von der ersten Minute an programmiert, die Zuschauer können gespannt sein.

Die Trainer sind es eher weniger, Rückstände nerven, bringen fein austarierte taktische Konzepte schnell ins Wanken. Frankfurts Coach Adi Hütter hat deshalb dieser Tage sehr vernehmlich geseufzt: „Wir bekommen zu viele Gegentore, das schmeckt mir nicht.“ Ihn stört zudem, dass sein Team dem Gegner neuerdings erstaunlich viele Torchancen einräumt, viel zu leicht kommen die Widersacher zu guten bis sehr guten Möglichkeiten. In Augsburg, zum Beispiel, standen schon nach 36 Sekunden zwei Stürmer blank vor Torwart Kevin Trapp. Seit dem Auftaktsieg gegen die Kraichgauer haben die Hessen in dieser Bundesliga-Runde nicht mehr zu Null gespielt – auch weil sich die Mannschaft bemerkenswert häufig Phasen großer Schlafmützigkeit leistet.

Eintracht Frankfurt hat noch immer kein perfektes System

Die Vielzahl der gegnerischen Gelegenheiten resultiert daraus, dass Eintracht Frankfurt in dieser Saison noch nicht gefestigt ist, noch kein perfekt einstudiertes Spielsystem gefunden hat. Einerseits wollen die Hessen mehr Ballbesitz und Spielkontrolle als in der vergangenen Runde, andererseits wollen (und sollen) sie auch nicht ganz von ihrer ungestümen Wildheit, ihrem durchaus erfolgreichen Draufgängertum lassen. Beim angestrebten gepflegten Spielaufbau hapert es noch, nicht immer kommt der gut gemeinte Pass auch beim eigenen Mann an. Ohnehin tut sich die Eintracht nach wie vor schwer, das Spiel zu machen, ihr fehlt es oft an der Kompaktheit. Und diese Ballverluste, oft leichtfertig, tun richtig weh, weil sie in der Vorwärtsbewegung unterlaufen und die entblößte Defensive somit anfällig ist.

Viel zu häufig stehen zudem die Mannschaftsteile weit voneinander entfernt, die Folge: Die Frankfurter, aufgerückt und hoch verteidigend, stehen in der Defensive nicht stabil, oft gar in Unterzahl und bieten dem Gegner viel zu große, viel zu freie Räume. Deshalb sind die Abwehrspieler regelmäßig in Eins-gegen-eins-Duelle verwickelt, ohne große Absicherung mehr nach hinten.

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Die SGE mit Schwächen auf fremden Plätzen

Allerdings gibt es zu der veränderten Spielweise hin zu mehr Kontrolle seriös keine Alternative. So, wie in der vergangenen Runde mit langen Bällen auf die drei Topstürmer vorne, kann Eintracht Frankfurt in diesem Jahr nicht agieren, zumindest nicht auf Dauer. Keine Frage, wenn die Brechstange herausgeholt werden muss, ist Langholz auf Zielspieler Bas Dost nach wie vor ein probates Mittel – und das hat ja etwa gegen Fortuna Düsseldorf oder zuletzt Borussia Dortmund geklappt. Als durch die Saison führendes Stilelement allerdings taugt diese Brachial-Philosophie nicht.

Erstaunlicherweise erweist sich Eintracht Frankfurt seit einiger Zeit auch in der Fremde als ausgesprochen anfällig. Nimmt man mal die Partien gegen unterklassige Teams wie Waldhof Mannheim (im Pokal) oder nicht zur ersten Adresse zählende Klubs wie Flora Tallin und FV Vaduz (in der Europa League-Qualifikation) aus, dann liegt der letzte Auswärtssieg der Frankfurter saisonübergreifend ein knappes halbes Jahr zurück: Am 6. April siegte die Eintracht auf Schalke durch ein sehr spätes Elfmetertor von Luka Jovic 2:1. Seitdem gab es auswärts in den acht Pflichtspielen gegen Benfica Lissabon (2:4), VfL Wolfsburg (1:1), Bayer Leverkusen (1:6), FC Chelsea (1:1), Bayern München (1:5), Racing Straßburg (0:1), RB Leipzig (1:2) und FC Augsburg (1:2) lediglich drei Remis – bei 8:22 Toren. Dabei belegten die Hessen in der vergangenen Runde in der Auswärtstabelle noch einen guten fünften Platz mit sieben Siegen und insgesamt 26 Zählern bei 28:27 Toren – nimmt man die elf Gegentore gegen Leverkusen und Bayern heraus, sieht die Bilanz gar noch besser aus. Von dieser Stärke ist wenig übrig geblieben.

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Eintracht will Negativlauf stoppen

In der aktuellen Saison ist bislang nur Nachbar Mainz 05 in der Fremde (mit null Punkten und 2:11 Toren) schlechter als Eintracht Frankfurt (ebenfalls null und 2:4), selbst die Aufsteiger Paderborn und Union haben auswärts einen Punkt ergattert. Ob dieser Auswärtsfluch bereits einen (negativen) Trend darstellt oder schlicht der Tatsache geschuldet ist, dass die Gegner – mit Ausnahme des FC Augsburg – gehobene Qualität verkörperten, ist noch offen. Zu denken geben dürfte diese schleichende Tendenz Trainer Adi Hütter aber schon. In Berlin kann Eintracht Frankfurt diesen Negativlauf stoppen, es ist ein Spiel, das, wie so häufig, Weichen stellen kann – am Donnerstag folgt der Trip nach Portugal in der Europa League, am drauffolgenden Sonntag kommt der SV Werder Bremen in den Stadtwald. Eintracht Frankfurt steht vor einer ersten wegweisenden Woche. Danach wird man klarer sehen, wohin die Reise geht.

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