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Eintracht Frankfurt schöpft Mut

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Von: Thomas Kilchenstein, Ingo Durstewitz

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Die Frankfurter Marco Fabian (l-r), Michael Hector, Alexander Meier, Mijat Gacinovic, Bastian Oczipka und Torschütze Danny Blum jubeln nach dem Ausgleichstor zum 2:2
Die Frankfurter Marco Fabian (l-r), Michael Hector, Alexander Meier, Mijat Gacinovic, Bastian Oczipka und Torschütze Danny Blum jubeln nach dem Ausgleichstor zum 2:2 © Arne Dedert (dpa)

Sieben Minuten genügen Eintracht Frankfurt, um gegen RB Leipzig aus einem 0:2 noch ein 2:2 zu machen. Und plötzlich dreht sich die Stimmung: Der Punkt gibt Mut für das DFB-Pokal-Finale in Berlin.

Die letzte Bundesligapartie war gerade abgepfiffen, Eintracht Frankfurt hatte gegen RB Leipzig erstaunlicherweise noch ein 2:2 (0:1) geschafft nach 0:2-Rückstand, als Dino die Regie übernahm.

Der Mann gehört zu den Einpeitschern in der Kurve, er zählt zum Führungspersonal der Ultras, und er war es, der den Profis der Frankfurter Eintracht per Mikrofon ordentlich ins Gewissen redete.

Eine gute Minute peitschte er die Mannen auf, stimmte sie auf das Finale ein, „von dicken Eiern“ war da die Rede und davon, dass es in Berlin „ein Heimspiel“ werden wird.

Die Rede hatte Eindruck hinterlassen, „sensationell“ sei sie gewesen, sagte Linksverteidiger Bastian Oczipka später, „Gänsehaut hat man da bekommen“. Zuvor hatten die Fans schon per Transparent deutlich gemacht, was Sache ist: „Vergesst alles, was war - gewinnt das Finale“, stand da geschrieben.

Es war eine beeindruckende Szenerie. Allerdings war aus demselben Block eineinhalb Stunden zuvor, nachdem Leipzig durch ein Tor von Marcel Sabitzer im Anschluss an einen kapitalen Fehler von Taleb Tawatha in Führung gegangen war, ein Dartpfeil in Richtung des Spielfeldes geworfen worden.

Die Spitze des Pfeil war freilich aus Plastik, ohnehin gehörte der geworfene Dartpfeil zu jenen Wurfgeschossen, die beim Automatendartspiel verwendet werden. Unschön und unnötig war die Aktion dennoch.

Der Punktgewinn, durchaus überraschend, hat plötzlich die Stimmung in Frankfurt komplett gedreht. Bis zur 82. Minute war sie eher mau, Leipzig lag 2:0 in Führung, Yussuf Poulsen (56.) hatte noch einmal getroffen, die Eintracht fussballerte mal wieder so vor sich hin, ohne auch nur irgendetwas auf die Reihe zu bekommen.

Auch dieses Spiel schien verloren, wie so viele in jüngster Vergangenheit, zu schlecht spielten die Hessen, zu sehr liefen Tawatha, Mijat Gacinovic, Branimir Hrgota, Haris Seferovic, Marco Fabian, Guillermo Varela der Musik hinterher.

Blum macht Dampf

Es war wie häufig zuletzt: ein uninspirierter Kick ohne Esprit und Ideen. Lauter wurde es erst, als Alexander Meier nach 71 Minuten ins Spiel kam. Das ganze Stadion stand und applaudierte, als der so lange verletzte Fußballgott, die personifizierte Hoffnung in Fußballschuhen, nach mehr als zweimonatiger Verletzungspause wieder den Rasen betrat. „Es ist gut, wieder auf dem Feld zu sein. Hauptsache, der Fuß hat gehalten“, sagte Meier hinterher.

Allein seine Präsenz war ein belebendes Element. Zuvor schon war Jesus Vallejo eingewechselt worden, auch der Spanier hatte lange gefehlt und ist gerade noch rechtzeitig fit geworden. Spätestens mit der Einwechslung von Danny Blum in der 77. Minute war dann ein Ruck durch die Mannschaft gegangen.

Gerade Blum, von Trainer Niko Kovac zuletzt nicht berücksichtigt, machte mächtig Dampf auf seiner linken Seite, er weckte das eigene Team mit seinen Sprints regelrecht auf. Und es war ganz sicher kein Zufall, dass Jesus Vallejo (83.) und eben Blum (90.) mit ihren jeweils ersten Bundesligatoren noch das Spiel drehten.

Entscheidend war dieses Mal, wen Trainer Niko Kovac hatte einwechseln können: Mit Vallejo, Meier und Blum kam deutlich mehr Qualität ins Spiel, bekam die Mannschaft einen neuen Schub, konnte plötzlich wieder Druck entwickelt werden.

Bedenkliche Rückrunde

Auch weil die Schwachstellen Tawatha, Hrgota und Guillermo Varela, der auf der Sechs spielte, vom Feld gingen.

„Dieser Punkt war gut für die Moral, für die Fans, für die ganze Woche“, sagte hinterher Rechtsverteidiger Timothy Chandler. „Es ist positiv, mit diesem schönen Ergebnis aus dem Spiel zu gehen“, sagte Oczipka, der beide Tore vorbereitet hatte. „Das wird uns hoffentlich Selbstvertrauen für Berlin geben“, fand Kovac.

Das hat er ja schon seit Wochen gefordert: Dass sich die Eintracht über Erfolgserlebnisse in den letzten Bundesligapartien den nötigen Mut und ein gutes Gefühl für das DFB-Finale holt. Spät, fast zu spät hat die Mannschaft das noch geschafft.

Immerhin habe Eintracht Frankfurt gezeigt, dass sie mit Top-Mannschaften mithalten könne, lobte Kovac. Allerdings war deutlich zu spüren, dass RB Leipzig diese letzte Partie allenfalls als besseres Trainingsspiel aufgefasst hatte.

Nun hat Eintracht Frankfurt eine Saison beendet, die so hervorragend begonnen hatte und am letzten Spieltag wenigstens noch „ordentlich abgeschlossen“ wurde, wie Kovac sagte.

Bedenklich muss dennoch diese Rückrunde mit lediglich 13 Punkten aus 17 Spielen stimmen. Eintracht Frankfurt ist die schlechteste Rückrundenmannschaft, sie spielte oft wie ein Absteiger, war in vielen Spielen nicht konkurrenzfähig.

Vorbei, aber sicher nicht vergessen. „Mehr war nicht drin“, fasste Oczipka etwas kleinlaut die 34 Spieltage zusammen.

Kovac lässt nicht locker

Und jetzt ist die Mannschaft, ja die ganze Stadt fokussiert auf den absoluten Saison-Höhepunkt: „Wir werden die Spannung langsam aufbauen“, erzählte Kovac. Im Kern wird aber ganz normal weitergearbeitet. Die Vielspieler erhalten zwei Tage Urlaub, am Dienstag geht es mit dem Training weiter. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, alles ist vorbereitet“, sagte Kovac.

Am Donnerstag fliegt die Mannschaft nach Berlin. „Und schon wenn die Jungs aus dem Flieger steigen, werden sie merken, was da für ein besonderes Spiel auf sie wartet.“

Dass Niko Kovac nichts dem Zufall überlässt, ist klar, und er lässt auch jetzt, in der Stunde eines kleines Erfolgserlebnisses, nicht locker. Als die Spieler nach dem 2:2 noch mit den Journalisten am Flatterband die Partie analysierten, ging der Fußballlehrer dazwischen: „By the way, es ist Auslaufen.“

Dabei weiß doch eh jeder Spieler, um was es geht. Timmy Chandler hat es auf den Punkt gebracht: „Wir wollen in Berlin mit jeder Faser des Körpers gewinnen.“

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