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Bernd Hölzenbein feiert Geburtstag.
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Bernd Hölzenbein feiert Geburtstag.

75. Geburtstag

Eintracht: Schlitzohr mit Bauchgefühl - Bernd Hölzenbein feiert Geburtstag

  • Thomas Kilchenstein
    VonThomas Kilchenstein
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Zum 75. Geburtstag von Bernd Hölzenbein, der 50 Jahre Eintracht-Geschichte geschrieben hat.

  • Bernd Hölzenbein wurde bei Eintracht Frankfurt zum Bundesliga-Star.
  • Der ehemalige Profi spielte 14 Jahre für die SGE.
  • Hölzenbein feiert seinen 75. Geburtstag.

Frankfurt - Es muss Ende 1967 gewesen sein, oder Mitte 1968, so genau lässt sich das nicht mehr sagen, als der Vater den Sohn bei der Hand nahm und mit ihm in den Wald ging, ins Stadion. Es war ein ganz besonderer Tag, dieser Samstag. Meist war die Schule nach der dritten Stunde aus, meist gab es Linsen- oder Kartoffelsuppe, dann ging es los, im hellblauen Opel Rekord, ins Stadion. Aufregend war das für den Elfjährigen, der Vater hatte die Dauerkarte und nahm den Filius mit, ohne für ihn zu zahlen. „Er gehört zu mir“, sagte er den Ordnern, freundlichen älteren Menschen ohne Undercut und Knopf im Ohr. Die anderen in Reihe 15, Gegengerade, ungedeckt, Platz 31, rückten zusammen, es gab ja noch kein Schalensitze, so unkompliziert war das damals.

Bernd Hölzenbein und Eintracht Frankfurt: Eine funktionierende Partnerschaft

Unten spielte die Eintracht, vielleicht gegen den HSV oder Meiderich oder 1860 München, war egal damals für den Elfjährigen, vermutlich nicht so wichtig für den schmächtigen 21-Jährigen auf dem Rasen, Nummer sieben, Bernd Hölzenbein. Der war froh zu spielen, in der Bundesliga, bei Eintracht Frankfurt, bei jenem Verein, zu dem er zum ersten Probetraining zwei Stunden zu spät kam, weil sich der junge Mann aus Dehrn in der großen Stadt heillos verfahren hatte. Elek Schwarz, der Trainer, hat ihn heimgeschickt, immerhin durfte er wiederkommen. Zu seinem und zum Glück für Eintracht Frankfurt.

Mehr als ein halbes Jahrhundert ist das jetzt her, die erste Begegnung (aus der Ferne) zwischen Bernd Hölzenbein, der heute tatsächlich schon seinen 75. Geburtstag feiert, und dem Sohn, der längst erwachsen ist und immer noch Texte schreibt für die Zeitung. Ein gemeinsames halbes Jahrhundert in wechselnden Rollen, Spieler, Star, Ikone, Vizepräsident, Manager, Scout, danach Doppelpasspartner der eine, jugendlicher Fan, Fußballbegeisterter, Journalist, danach Alt-Herrenkicker der andere: Wir sind einen langen, einen sehr langen Weg gemeinsam gegangen, mehr als 50 Jahre lang haben sich in unterschiedlichen Weisen unsere Wege gekreuzt, anfangs weniger direkt, dafür deutlich emotionaler: Eingangs der 70er Jahre mit heruntergelassenen Stutzen, das Tor zum Klassenerhalt 1970/71 gegen Kickers Offenbach, die Pokalsiege 74 und 75 mit Grabi, Dr. Hammer, Charly Körbel, die Schwalbe im WM-Finale 74, die natürlich keine Schwalbe war, oft war der Schmächtige instinktiv genau zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort, unfassbar diese Schlitzohrigkeit, mit der „Holz“ seine Tore erzielte, ob reingestochert, platziert, mit Wucht, ob mit links oder rechts, mit dem Kopf oder im Sitzen wie jenes legendäre gegen Dinamo Bukarest, flink war er auf den Beinen, filigran am Ball, unberechenbar selbst für sich. Wehe, zu Beginn eines Spiels klappte etwas nicht oder es wurde gepfiffen, schon ging der Kopf beim „Holz“ runter, oft war dann nichts mehr anzufangen mit dem sensiblen Außenstürmer. Wenn er sich aber wohlfühlte, gab es kein Halten mehr, da mochten die Schwarzenbecks, Vogts, Försters, Rüssmanns noch so treten.

Bernd Hölzenbein spielte 14 Jahre für Eintracht Frankfurt

14 Jahre spielte der „Holz“ für die Eintracht, nur für die Eintracht, er ist in Frankfurt eine Institution, wie nur noch Jürgen Grabowski, die Frankfurter Flügelzange aus dem Finale 1974. Vier Jahre später, in Argentinien, war „Holz“ wieder dabei, nach der „Schmach von Cordoba“ hat er schwer vom Leder gezogen, was eigentlich so ganz gegen sein Naturell war. Er ist ja eher ein zurückhaltender, mehr introvertierter Typ, manchmal ein „Muffelkopp“, wie Frankfurter sagen.

In 420 Bundesligaspielen erzielte er 160 Tore, mehr als jeder andere Frankfurter. Diese Marke wird keiner übertreffen, die 26 Saisontore, ebenfalls Vereinsrekord, könnte in diesem Jahr André Silva packen, 19 hat der Portugiese, dem Jubilar, längst Markenbotschafter und Träger des Silbernen Lorbeerblattes, würde es nichts ausmachen, er kann gönnen.

In den USA ließ der 40-fache Nationalspieler nach dem Gewinn des Uefa-Pokals 1980 – den er aus Verärgerung über seine geplante, aber nicht ausgeführte Auswechselung nach der Feier für eine Nacht verschwinden ließ – seine große Karriere ausklingen. Um dann, 1988, urplötzlich nach einer legendären Jahreshauptversammlung inklusive Boxeinlage als Vizepräsident dazustehen.

Zu diesem Zeitpunkt trafen wir erstmals persönlich aufeinander, auf der professionellen Ebene, der „Holz“, der jetzt Herr Hölzenbein war und jenseits der Absperrung auf der Haupttribüne saß, wo er nach dem Abpfiff uns erste Stellungnahmen in Journalistenblöcke diktierte. Mit Geschick und einem untrüglichen Bauchgefühl leitete der Vizepräsident mit dem weichen Kern bald eine glamouröse Ära in Frankfurt ein, er lotste Bein, Falkenmayer, Stein, Möller, Yeboah, Anderson, Gaudino zur Eintracht, machte Stepi zum Trainer, und baute ein Team zusammen, das eingangs der 90er Jahre den schönsten Fußball spielte und fast Deutscher Meister geworden wäre. Was Hölzenbein in dieser Zeit anpackte, klappte – bis er Jupp Heynckes bat, Uhren anders gehen zu lassen.

Bernd Hölzenbein von Eintracht Frankfurt: Laufen und golfen

Es war der Anfang vom Ende, das glückliche Händchen griff öfter daneben. Er musste Klub-Legende Körbel entlassen, sich im Yeboah-Prozess verantworten für Dinge, die andere ausgeheckt hatten, das hat ihn tief verletzt, er musste den ersten Abstieg der Eintracht, 1996, ertragen. Etwas, das ihm sehr weh getan hatte, weil er – anders etwa als aktuelle Sportvorstände - immer den Adler in der Brust trug. Im November 1996 erklärte er als Manager seinen Rücktritt, ein paar Jahre war er bei seiner Eintracht nicht mehr so wohl gelitten.

Und Tore hat er eine ganze Menge gemacht, sogar im Sitzen per Kopf.

Erst Heribert Bruchhagen holte den zweifachen Familienvater 2004 zurück in den Schoß seines Herzensklub, er wurde erst Berater, dann Chefscout mit eigenem Büro im neuen Stadion. Und er entdeckte immer mehr das Laufen, er schwang Tennis- und Golfschläger, schnürte in der Traditionsmannschaft und bei der Sportpresse, immer montags, die Fußballschuhe. Und wie. Selbst im gesetzteren Alter von Mitte 50 machte der Bernd, wie wir jetzt sagten, den jüngeren Schreiberlingen am Ball noch einiges vor. Erstaunlicherweise gewann immer das Team, in dem Bernd spielte, er machte seine zuweilen limitierten Mitspieler besser. Und was waren wir Pressefuzzies stolz, dass da ein echter Weltmeister mit uns kickte, der ohne Allüren auch mal ins Tor ging, und hinterher mit uns ein Bierchen kippte.

Seinen runden Geburtstag wird der Bernd, inzwischen von Gravenbruch nach Sachsenhausen umgezogen, gezwungenermaßen im kleineren Rahmen feiern, das Virus nimmt auch auf eine Legende keine Rücksicht. Deshalb war er seit einem Jahr nicht mehr im Stadion, was er aber am Fernsehern sieht, „begeistert mich.“

Es ist wieder eine Eintracht am Ball, in der auch er Spaß hätte zu spielen.

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