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Sebastien Haller (l) und Nürnbergs Ewerton kämpfen um den Ball.

Eintracht Frankfurt - 1. FC Nürnberg

Eintracht Frankfurt siegt dreckig, aber hochverdient

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  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
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Eintracht Frankfurt schließt eine ganz besondere Woche sehr erfolgreich ab und verpasst beim 1:0 gegen den 1. FC Nürnberg einen Kantersieg.

Und dann war der Bann doch noch gebrochen, endlich, das längst überfällige 2:0 war gefallen, kurz vor Schluss zwar, aber immerhin. Ante Rebic hatte den Ball humorlos aus 16 Metern im Tor versenkt, der Deckel war drauf. Hochverdient. Doch dann hatte Bibiana Steinhaus, die Schiedsrichterin, aus dem Kölner Keller ein Zeichen bekommen, sie lauschte kurz der fernen Stimme des Videoassistenten und nahm den Treffer zurück. Das war eine richtige Entscheidung, Rebic stand bei der Kopfballverlängerung von Sebastien Haller mit einem Bein im Abseits. Also musste Eintracht Frankfurt noch ein paar Minuten überstehen, nicht zittern, ehe der 1:0 (1:0)-Sieg über den Tabellenletzten 1. FC Nürnberg unter Dach und Fach war.

Eintracht Frankfurt hoch überlegen

Es hat nicht viele Spiele in dieser Saison gegeben, in denen die Hessen derart turmhoch überlegen waren, derart besser Fußball spielten als an diesem Sonntagnachmittag gegen die biederen und harmlosen Clubberer. Und derart viele Möglichkeiten vergaben. Wenn die Partie 3:0, 4:0, ja 5:0 geendet hätte, kein Mensch, auch keine Nürnberger Anhänger, hätte sich seriös beklagen dürfen. Die Frankfurter waren in allen Belangen dominanter, sie kontrollierte Ball, Gegner und Spiel und ließen nie einen ernsthaften Zweifel aufkommen, wer das Feld als Sieger verlassen würde. 

25:9 Torschüsse zählten die Statistiker, 60 Prozent Ballbesitz, dazu knallte der Ball zweimal an die Latte, einmal bei einem Schuss von Filip Kostic (36.), das andere Mal bei einem Kopfball von Goncalo Paciencia (58.). Keine Frage: Der Sieg der Frankfurter, der sechste in den vergangenen sieben Spielen, ging vollkommen in Ordnung. Das räumte auch Nürnbergs Trainer Boris Schommers ein. Frankfurts Trainer Adi Hütter sah das ähnlich: „Ich spreche heute von einem verdienten Arbeitssieg.“

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Eintracht Frankfurt bleibt damit weiterhin in 2019 ungeschlagen, seit 13 Spielen sind sie unbesiegt, neun Spiele in der Liga, vier in der Europa League, das ist aller Ehren wert und lässt großen Raum für Träume. Zumal erst am vergangenen Donnerstag der Coup gegen Inter Mailand und der Einzug ins europäische Viertelfinale gelungen war

Martin Hinteregger trifft für die Eintracht

Das entscheidende Tor markierte Martin Hinteregger, und dass es ausgerechnet ein Verteidiger erzielte, sagt eine ganze Menge aus über Philosophie und Ausrichtung dieser Mannschaft: Immer offensiv, immer nach vorne. Im Mittelfeld hatte der Österreicher, der sich selbst „in exzellenter Form“ wähnt, den Ball auf Luka Jovic gespielt, und „wenn der den Ball hat, passiert immer was Herausragendes“. 

In der Tat: Der torgefährliche Stürmer spielte einen brillanten Pass in die Tiefe auf den wieder bärenstarken Filip Kostic, und dessen Hereingabe – eine von insgesamt 13 Flanken – brauchte Hinteregger nur noch mit rechts über die Linie zu drücken (31.). „Zu 90 Prozent geht das Tor auf die Beiden.“ Dass er in bester Mittelstürmermanier durchgesprintet war, sei „Instinkt“ gewesen, „ich habe nicht nachgedacht“. 

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Martin Hinteregger trifft für die Eintracht.

Hinteregger, den Hütter als „internationalen Klassespieler“ adelte, hat sich zu einem absoluten Leistungsträger bei der Eintracht entwickelt. Seit er in Frankfurt verteidigt, haben die Hessen noch kein Spiel verloren. „Wahnsinn“, sei das, sagt er, und er nennt einen Grund für seine überragende Form. „Hier weiß ich zu 100 Prozent, was von mir verlangt wird.“ Man darf das getrost als kleine Spitze gegen seinen alten Trainer Manuel Baum beim FC Augsburg verstehen.

Erstaunlich war dennoch, dass die Hessen doch derart viele Gelegenheiten ungenutzt verstreichen ließen. Schon am Donnerstag in Mailand hätten die Frankfurt deutlich mehr Tore erzielen können, ja müssen.

„Viel zu viele Möglichkeiten haben wir liegen gelassen“, sagte Hütter, dem die schlechte Chancenverwertung nicht gefallen hat. „Daran müssen wir in der Länderspielpause arbeiten“ – selbst wenn zehn Spieler von Eintracht Frankfurt eine Einladung für ihre Nationalteams erhalten haben, darunter auch die drei Serben Mijat Gacinovic, Jovic und Kostic, die am Mittwoch in Wolfsburg gegen die DFB-Auswahl spielen. 

Hütter deckelte sanft, „die letzte Konsequenz, die letzte Entschlossenheit“ habe gefehlt. Dauerläufer Gelson Fernandes bemängelte die „letzte Aktion vor dem Abschluss“, die nicht optimal zu Ende gespielt worden sei. Und dann hat sich auch immer wieder ein Nürnberger Abwehrbein in die Schussbahn gestellt.

Eintracht-Spieler ausgelaugt

Selbst wenn die Frankfurter Verantwortlichen daraus kein großes Thema machen, waren dem Team auch die Reisestrapazen anzumerken. „Maximal müde“ hatte sich etwa Luka Jovic gefühlt, der dennoch erneut enorm fleißig und viel in Bewegung war, sich immer wieder fallen ließ und die Kollegen mit prima Pässen in Szene setzte. „Das war heute eine Willensleistung“, fand Adi Hütter. „Dass es nach Mailand kein einfaches Spiel geben würde, habe ich gewusst.“ Auch deshalb „nehme ich die dreckigen drei Punkte gerne mit“. Und was diese Mannschaft in den letzten Monaten zu leisten im Stande war, nötigt dem Fußballlehrer Respekt ab. „Ich bin stolz auf sie.“

Frankfurt schlägt den Club

Fussball, 1. Bundesliga, Eintracht Frankfurt - 1. FC Nürnberg
Letztes Spiel von der Länderspielpause - und Eintracht Frankfurt fährt wieder einen Dreier ein.  © E. Krieger
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Letztes Spiel von der Länderspielpause - und Eintracht Frankfurt fährt wieder einen Dreier ein.  © E. K rieger
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Er jedenfalls sehnt die Pause herbei. Man werde „alles ein bisschen runterfahren“, bis Freitag allenfalls locker trainieren und dann drei Tage frei machen. „Ich selbst war seit Anfang Jänner nicht mehr zu Hause“, sagte Adi Hütter. Verdient hat sich das Team den Sonderurlaub allemal. Marco Russ, der alte Fahrensmann, wird ohnehin einige Zeit pausieren müssen. Wegen seiner hartnäckigen Achillessehnenbeschwerden trägt er derzeit einen speziellen Schuh, einem Skischuh nicht unähnlich, um die lädierte Sehne zu entlasten. Evan Ndicka, der Verteidiger, laboriert an Adduktorenproblemen, deshalb war er am Sonntag nicht im Kader. Aber momentan gewinnt Eintracht auch ohne den Youngster ihre Spiele.

Die Partie in der Audio-Analyse

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