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Geht wahrscheinlich im Winter zurück nach Argentinien: Eintracht-Verteidiger David Abraham.

Ambitionierte Ziele

Eintracht Frankfurt schielt nach oben

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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Der ehrgeizige Trainer Adi Hütter sieht gegen Werder Bremen die „Chance, voll zu punkten“ und wünscht sich von seinem Team eine größere Offensivwucht.

Köln wurmt den Fußballtrainer Adi Hütter noch immer. Dieses schnöde Remis seiner Eintracht-Mannschaft im Rheinland, eins zu eins vor knapp zwei Wochen, obwohl sie doch deutlich überlegen war und es eigentlich nur einen Sieger hätte geben dürfen. Eigentlich.

Einen Sieger gab es aber dann doch nicht, weil die Frankfurter Verteidigung einmal pennte und der FC irgendwie zum Ausgleich kam, weshalb Coach Hütter noch heute hadert: „Diese zwei verlorenen Punkte ärgern mich einfach.“ Zehn Zähler hätte sein Team ansonsten beisammen gehabt und würde – 0:5-Packung in München hin oder her – von Platz vier grüßen, direkt hinter Dortmund, Bayern und Leipzig. Mit dem Konjunktiv ist das aber immer so eine Sache, weil er ja nicht die Realität abbildet, sondern nur deren erwünschte Form. Will sagen: Auch 14 Tage später wird der eine Punkt nicht in dreifacher Ausführung nachgeliefert.

Und doch ist es verständlich, dass der 50-Jährige diesem verschenkten Sieg nachtrauert, es sind genau solche Spiele, die man gewinnen muss, wenn man zur Spitze aufschließen und nicht zum Mittelmaß gehören will. Und es ist auch eine Frage des absoluten Willens, in Köln konnte man nämlich sehr wohl den Eindruck gewinnen, dass die letzte Entschlossenheit, die eiserne Konsequenz gefehlt hat. Das kann man sich erlauben, aber nur dann, wenn man fußballerisch besser als die meisten anderen ist. Das ist die Eintracht nicht.

So steht sie bisher bei acht Punkten, das ist in Ordnung, aber nichts Berauschendes. „Es ist schwierig zu sagen, wo wir stehen“, findet Trainer Hütter vor dem Heimspiel am Samstag (15.30 Uhr) im Geistermodus gegen den SV Werder Bremen. Nach zehn, zwölf Runden könne man vielleicht etwas mehr sagen, nichtsdestotrotz seien die kommenden beiden Begegnungen gegen Bremen und acht Tage später in Stuttgart richtungsweisend. „Wir haben da die Chance, voll zu punkten.“

Grundsätzlich, sagte Hütter schließlich und wurde auch grundsätzlich, sei er mit dem von seiner Mannschaft Dargebotenen „sehr zufrieden“, er bewerte die vergangenen zehn, 15 Spiele, also saisonübergreifend, was zulässig ist, weil sich das Gesicht der Truppe kaum verändert hat. „Wir haben eine gute Konstanz und Stabilität im Team, wir wirken sehr kompakt, der eine weiß, was der andere tut.“

„DNA auf den Platz bringen“

Mit dem Offensivspiel hadert der Offensivliebhaber noch immer so ein bisschen. „Nach vorne wünsche ich mir noch mehr Dampf“, sagt der Österreicher. dem es wichtig ist, dass seine Mannschaft ihre eigene Identität und ihren „Wiedererkennungswert“ nach außen trägt, „wenn wir unsere DNA auf den Platz bringen, sind wir schwer zu bespielen“. Hütter sind die Schwankungen ein Dorn im Auge, die Leistungen gegen Bielefeld und Köln waren eher mau, Berlin und Hoffenheim vielversprechend, München nicht der Rede wert. Die besseren Darbietungen seien der Maßstab, findet Hütter. Generell habe er „ein gutes Gefühl“.

Die Mannschaft jedenfalls hat Ambitionen, Linksaußen Steven Zuber beschrieb im FR-Interview „die internationalen Plätze als Riesenziel“, und Stürmer André Silva sagte jetzt bei Sport1 sogar: „Ich glaube, dass wir das Level für die Qualifikation zur Champions League haben.“ Nun ja.

Adi Hütter hat schon längst festgestellt, dass in Frankfurt „die Erwartungshaltung gestiegen ist“, was er gewiss beklagenswert finden würde, wenn seine Mannschaft genau diesem Anspruch nicht gerecht werden kann. Die Sache mit der Königsklasse findet der ehrgeizige und auch erfolgsverwöhnte Trainer nicht so schlecht, „das ist doch ein Traum von uns allen“. Um tatsächlich mal in die Phalanx der üblichen Schwergewichte einbrechen zu können, müsse aber „sehr viel zusammenpassen, da müsste man eine außergewöhnlich gute Saison spielen mit 60 Punkten oder mehr“. Grundsätzlich habe man aber immer die Chance, mal oben reinzustoßen, er erinnert an die vorvergangene Saison, als die Eintracht bis kurz vor Schluss ganz vorne mit dabei war. „Wir waren nicht weit weg von den Champions-League-Plätzen“, sagt Hütter. Und nicht nur Sportchef Fredi Bobic, seit Freitag 49 Jahre alt, glaubt, dass man einen Startplatz für die Königsklasse ergattert hätte, wenn man nicht in der Europa League bis ins Halbfinale gekommen und nach zwei kräftezehrenden Spielen im Elfmeterschießen an Chelsea London gescheitert wäre. „Da haben uns die Körner gefehlt, sonst hätten wir das gepackt.“

Um überhaupt wieder vorne ranzurobben, ist ein Sieg gegen Bremen Pflicht. Großartig werde er seine Mannschaft nicht umbauen, kündigte Hütter an. Der genesene David Abraham wird für den verletzten Tuta ins Team zurückkehren. Der Kapitän wird aller Voraussicht nach nicht mehr allzu viele Spiele für die Eintracht machen. Abraham zieht es bekanntermaßen in die argentinische Heimat „zu seinem heißgeliebten Sohn“ (Hütter) zurück. „So, wie es aussieht, geht er im Winter“, bestätigt der Trainer. Falls aber etwas Unvorhersehbares dazwischenkomme, was in diesen merkwürdigen Zeiten ja nicht unwahrscheinlich ist, könne er liebend gerne bis zum Sommer bleiben. „Er ist gut drauf“, sagt Hütter. „Er soll einfach jedes Spiel genießen.“

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