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Schmerzlich führt der britische Unparteiische der Eintracht vor, wie schnell alles vorbei sein kann.

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Eintracht vor Reifeprüfung im Stadtwald

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Das Europa-League-Spiel in Lissabon zeigt das außergewöhnliche Selbstbewusstsein von Eintracht Frankfurt. Unser Kommentar.

Makoto Hasebe, der älteste und erfahrenste Spieler im Kader von Eintracht Frankfurt, hat die Stimmungslage beim letzten deutschen Europapokalteilnehmer auf den Punkt gebracht: „Wir leben noch“, sagte der Japaner kurz und knackig. Wir leben noch, gerade noch so, ein 2:4 gegen eine außergewöhnlich gut und schnell spielende portugiesische Spitzenmannschaft ist alles andere als ein Frankfurter Wunschergebnis. Immerhin lässt es alle Chancen für das Rückspiel offen, selbst wenn die Mannschaft dazu wenigstens einen Sahnetag braucht. Dieses Viertelfinalrückspiel wird für Eintracht Frankfurt zur Reifeprüfung werden.

Erstaunlich ist aber das Selbstbewusstsein, ja das Selbstverständnis, mit der die Frankfurter Entourage davon ausgeht, diese Schlappe im Rückspiel auszubügeln. Keiner aus der Reisegruppe, ob Spieler, Trainer, Funktionär, hat auch nur ein Gran Zweifel daran gelassen, doch noch ins Halbfinale einziehen zu können.

Derlei Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zeigt, dass etwas entstanden ist in dieser Mannschaft, ein grundsätzlicher, nur schwer zu erschütternder Glaube, selbst das unmöglich Scheinende irgendwie noch stemmen zu können. Diese Zuversicht, diese innere Kraft und diese Moral hat sich die Mannschaft in der bislang so außerordentlich erfolgreichen Saison selbst erarbeitet. Diese Mentalität ist ja nicht vom Himmel gefallen.

Warum eigentlich nicht Lissabon bezwingen?

Die Spieler wissen schlicht, dass sie es schaffen können, weil sie schon etwas erreicht haben in den letzten Monaten, sei es einen Siegtreffer in der 99. Minute zu landen, sei es Geisterspiele zu bewältigen oder Champions-League-Teams wie Lazio Rom, Schachtjor Donezk oder Inter Mailand aus dem Wettbewerb zu werfen. Warum also nicht auch Benfica Lissabon in einem weiteren Kraftakt in die Knie zwingen?

Wille und Glaube, sagt man, versetzt Berge, in Frankfurt, bei dieser Mannschaft ist Wille und Glaube an die Fortsetzung des europäischen Traums im Übermaß vorhanden. Man mag in Unterzahl zeitweise vorgeführt worden sein, doch das große Abenteuer muss nicht zu Ende sein. Selbst wenn es nur ein dicker Strohhalm ist, an den man sich klammert.

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Dieses bemerkenswert rassige Spiel im Lissabonner Stadion des Lichts hat Eintracht Frankfurt aber auch schmerzlich vor Augen geführt, wie schnell alles vorbei sein kann. Ein Schubser zu viel, eine Unaufmerksamkeit, die sich nicht korrigieren lässt, eine kleinere Schwächephase - und schon ist man entscheidend ins Hintertreffen geraten. Auf internationaler Bühne werden auch kleine und kleinste Fehler meist prompt bestraft. Denn in dieser Phase des Wettbewerbs, da nur noch acht Mannschaften (von eingangs 48) im Rennen sind, bewegen sich die verbliebenen Teams nahezu auf Augenhöhe, Petitessen machen da oft den Unterschied.

Und natürlich das Spielglück: Das war Eintracht Frankfurt während ihres formidablen Ritts durch Europa stets hold, sei es in Marseille mit dem späten Siegtreffer, sei es mit den Platzverweisen für Spieler von Lazio Rom und Schachtjor Donezk, sei es mit dem gehaltenen Elfmeter gegen Inter Mailand. In Lissabon ist dieses Mal manches gegen den Tabellenvierten der Bundesliga gelaufen. Allen Unbill zum Trotz hat sich Eintracht Frankfurt dennoch die Tür zum Halbfinale nicht ganz zugeschlagen, sie ist noch offen, einen spaltbreit. Durch sie zu gehen, wird freilich eine Herkulesaufgabe. Man werde zeigen, „wer Eintracht Frankfurt ist“, hat Kapitän David Abraham versprochen. Am Glauben an das Halbfinale wird es nicht fehlen. Ein Wunder bedarf es dazu nicht.

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