+
Quirliger Verbindungsspieler zwischen Mittelfeld und Angriff: Mijat Gacinovic.  

SGE

Partie beim BVB: Reifeprüfung für die Eintracht und Mijat Gacinovic

  • schließen

Mijat Gacinovic will die Negativserie von Eintracht Frankfurt in Dortmund endlich brechen. Die Hessen sind seit zehn Jahren ohne Sieg beim BVB.

  • Mijat Gacinovic präsentiert sich in blendender Form
  • Bas Dost zurück im Training bei Eintracht Frankfurt
  • Spiel beim BVB als Reifeprüfung für Eintracht Frankfurt

Frankfurt - Sabine hat dann auch das erste Eintracht-Training der neuen Woche abgeblasen. Pünktlich zum eigentlichen Start der Einheit um halb elf teilte der Frankfurter Bundesligist am Montag mit, dass Sturm Sabine ein geregeltes Üben auf dem Platz vor der Haupttribüne unmöglich mache und die Mannschaft daher in der Mixed Zone einen Kraftzirkel absolvieren werde. An Fußballspielen war bei orkanartigen Böen von fast 100 Stundenkilometern nicht zu denken. Sehr zum Leidwesen von Mijat Gacinovic, seit Samstag 25 Jahre alt und fast schon so etwas wie ein Ur-Frankfurter: „Ich will raus, ich will immer mit dem Ball spielen.“ Ging dieses Mal nicht.

Immerhin haben es am Montag alle Eintracht-Profis rechtzeitig ins Stadion geschafft, am Sonntag ist kein Flug derjenigen Akteure ausgefallen, die die trainingsfreien Tage zu einem kurzen Heimatbesuch genutzt hatten. Auch Gacinovic war aus Serbien pünktlich auf Rhein-Main eingeschwebt. „Meine Familie hatte ein bisschen Angst, aber der Flug war nicht schlimm, ganz normal.“

Eintracht Frankfurt profitiert von Mijat Gacinovic

Der Mittelfeldmann ist wieder genesen, seine Magenprobleme, die ihn während der Partie gegen den FC Augsburg (5:0) geplagt hatten, sind schon lange wieder verflogen. Gacinovic bestätigte nun aber, dass er sich in der Halbzeitpause tatsächlich übergeben musste. „Danach habe ich mich aber leichter gefühlt“, erzählt er grinsend. Die Magenkrämpfe seien im zweiten Abschnitt aber wieder schlimmer geworden, er hat zwar gut gespielt, habe sich aber nicht gut gefühlt, und er wollte auch nicht Gefahr laufen, vor einem Millionenpublikum mitten auf dem Feld erbrechen zu müssen. „Das wäre mir unangenehm gewesen.“ Allzu verständlich.

Der oft gescholtene und so unstete Mijat Gacinovic ist ein Faktor, weshalb die Eintracht in der Rückrunde noch ungeschlagen ist und von fünf Pflichtpartien vier gewinnen konnte. Bezeichnenderweise war er bei der mit Abstand schlechtesten Darbietung in diesem Jahr, dem schmeichelhaften 1:1 in Düsseldorf, gar nicht dabei, da musste er verletzungshalber passen.

Eintracht Frankfurt: Bas Dost ist wieder fit

Der serbische Nationalspieler brilliert zwar selten, auch am Samstag legte er eine erste Halbzeit hin, die suboptimal war, ehe er sich im zweiten Durchgang bis zu seiner Auswechslung mächtig steigerte. Aber er ist klar im Aufwärtstrend. In Hoffenheim hat er ein richtig gutes Spiel gemacht und die Führung durch Bas Dost (dessen Magen-Darm-Virus mittlerweile endgültig abgeklungen ist) vorbereitet, auch gegen Leipzig zeigte er zwei ansprechende Vorstellungen. „In der Hinrunde hatte ich Pech“, findet er. Nie habe er einen guten Rhythmus finden können, immer wieder musste er verletzt pausieren. „Das war nicht gut für mich, aber jetzt fühle ich mich super.“

Der Serbe ist auch deshalb so wichtig, weil er die Kontrahenten piesackt, nervt und sie nicht in Ruhe lässt. „Ich versuche, überall zu sein“, sagt er. Mal vor der Abwehr, dann ganz vorne in der Spitze. Als Verbindungsspieler kommt ihm einige Bedeutung zu, gerade deshalb wünscht sich nicht nur Trainer Adi Hütter, dass er zuweilen mehr Ruhe in seine Aktionen bekommt und nicht so fahrig agiert. Auch gegen Augsburg habe der Akteur im ersten Abschnitt für Hütters Geschmack „zu schlampig“ gespielt. Eine zutreffende Einschätzung.

Eintracht Frankfurt mit erschütternder Bilanz in Dortmund

Am Freitag in Dortmund wird es auf einen umtriebigen Quälgeist wie den flinken Gacinovic ankommen, mit seiner Spielweise kann er die Mannschaft durchaus mitreißen und ihr eine Hilfe sein. Wunderdinge sollte man allerdings nicht erwarten, denn wenn es so einfach wäre, wäre seine Bilanz in Westfalen wahrscheinlich etwas besser. „Seit ich hier bin, haben wir in Dortmund nie gewinnen können“, sagt er. Und der Techniker ist ja immerhin schon fünf Jahre in Frankfurt.

Es kommt aber noch schlimmer, die Statistik ist arg niederschmetternd für die Eintracht. Die vergangenen acht Begegnungen hat sie beim BVB nacheinander verloren, nur einmal knapp, 2018 mit 2:3, ansonsten immer mit mindestens zwei Toren Unterschied. Den letzten Dreier holte die Eintracht vor genau zehn Jahren, Michael Skibbe war da Trainer, Oka Nikolov hütete das Tor, Christoph Spycher verteidigte und Selim Teber beackerte das Mittelfeld, die Treffer zum 3:2-Erfolg machten Benjamin Köhler, Sebastian Jung und natürlich Alex Meier. Lange her.

Gacinovic möchte endlich mal was mitnehmen aus Dortmund, auch wenn er weiß, wie schwer das wird. „Vorne sind sie überragend besetzt, wenn du sie spielen lässt, hast du keine Chance.“ Für die Eintracht ist die Partie auch eine Art Reifeprüfung und ein Wegweiser, sie kann nun zeigen, wie weit und gefestigt die Mannschaft wirklich ist. Das Duell auswärts bei der Borussia ist die bisher wohl kniffligste Aufgabe in diesem noch jungen Jahr. „In der Tabelle schaue ich nach oben“, sagt Gacinovic, fügt aber ergänzend an: „Wenn wir denken, es geht von alleine, müssen wir wieder nach hinten gucken.“

Die Verantwortlichen ärgern sich noch immer über diesen Einbruch vor der Winterpause und die verschenkten Punkte. Coach Hütter führt die Partien gegen Bremen (2:2), Hertha BSC (2:2), Freiburg (0:1) und Mainz (1:2) an, die allesamt anders hätten ausgehen können. Dann stünde die Eintracht kurz vor den Europapokalrängen, „dann“, sagte Hütter, „würden wir über ganz andere Sachen sprechen.“ Doch Konjunktiv bleibt Konjunktiv.

Von Ingo Durstewitz

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare