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Adi Hütter
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Eintracht-Trainer Adi Hütter an der Seitenlinie. (Archivfoto)

SGE

Eintracht Frankfurt: Ein Abgang von Adi Hütter wäre legitim

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Sollte Trainer Adi Hütter Eintracht Frankfurt zur kommenden Saison tatsächlich verlassen, wäre das absolut legitim – es stehen ohnehin wichtigere Entscheidungen an.

Frankfurt – Der einst als Notnagel für den geschassten Niko Kovac eingesetzte Hans-Dieter Flick hat während seiner Zeit als Cheftrainer des FC Bayern München an Format gewonnen, der 56-Jährige wirkt souverän, ruhend, umschifft auch verbal kantige Klippen. Nur beim Thema Bundestraineramt, das ihn so ein bisschen reizt, beginnt das Lavieren. Dazu möchte Herr Flick, plötzlich gereizt, nichts sagen. Denn: „Ich habe dazu alles gesagt.“ Was ja nicht stimmt. Und weiter: „Mein Fokus ist, dass wir erfolgreich Fußball spielen. Alles andere ist nicht mein Thema.“ Hmm.

Eintracht Frankfurt – Geht Adi Hütter oder bleibt er?

Ortswechsel. In Frankfurt kennen sie das Phänomen des Eierns schon länger, seit die Bayern bei ihnen wilderten und Niko Kovac samt seines berühmten Semi-Bekenntnisses („Stand jetzt“) abholten. Das war im Frühjahr 2018. Und da sich Geschichte manchmal wiederholt, hat Eintracht Frankfurt genau drei Jahre später mit dem Kovac-Nachfolger Adi Hütter ein ähnliches Problem, denn der Cheftrainer windet sich auf einmal wie ein Aal, wenn er auf seine Arbeitsstelle in der kommenden Saison angesprochen wird. Das hört sich so ähnlich wie beim zaudernden Kollegen Flick an. „Ich habe keine Lust, immer etwas dazu zu sagen“, bedeutet Hütter. „Ich will mich nicht immer wiederholen, sondern mich aufs Wesentliche konzentrieren.“ Das Kuriose: Es gibt ja gar nichts, was der Coach wiederholen könnte, außer inhaltslose Worthülsen. Von einem Statement wie im Februar („Ich bleibe“) ist er mittlerweile so weit entfernt wie Schalke 04 vom Klassenerhalt.

Bleibt oder geht er? Und wenn ja, wohin: Trainer Adi Hütter.

Selbst die Frage, was es ihm persönlich bedeuten würde, in der neuen Runde mit der Eintracht in der Champions League anzutreten, umdribbelte der 51-Jährige geschickt und verwies nonchalant auf seine Erfolge bei Young Boys Bern, die er 2018 nach 32 Jahren erstmals wieder zum Titel geführt hatte und die seitdem die Schweizer Meisterschaft nach Belieben dominieren. „Ich betone ganz gerne, dass sie auch jetzt wieder 22 Punkte Vorsprung haben und zum vierten Mal hintereinander Meister werden. Da haben wir was Historisches hingelegt, das nachhaltig ist.“ Auch in Frankfurt, erklärte er glaubhaft, werde er nun alles dafür tun, „damit wir unser Ziel erreichen.“ Um dann, quasi auf dem Höhepunkt, abzudanken?

Eintracht Frankfurt: Adi Hütter bei Mönchengladbach im Gespräch

In und um Mönchengladbach herum sind sich Insider sicher, dass der Nachfolger des zu Borussia Dortmund wechselnden Marco Rose Adi Hütter heißen wird. „Wir haben schon länger sehr, sehr klar im Kopf, wer unser neuer Trainer sein soll“, sagt Manager Max Eberl jetzt. Nur wann man das bekanntgeben werde, nein, dazu wollte er partout nichts sagen. Und so werden schon eifrig die Szenarien entworfen, wann es zur Verkündung kommen soll: Rund um das Bundesligaspiel der Eintracht in acht Tagen am Niederrhein? Oder wenn die Frankfurter die Teilnahme an der Königsklasse perfekt gemacht haben? Oder zumindest den internationalen Wettbewerb? Kaffeesatzleserei.

In Frankfurt wissen die Verantwortlichen, dass ihr Erfolgstrainer Begehrlichkeiten geweckt und auch Gespräche geführt hat, aber von einer verbindlichen Zusage an einem anderen Standort wissen sie offiziell nichts.

Viele, die es mit der Eintracht halten, fragen sich, was den Trainer überhaupt veranlassen sollte, zur Borussia nach Gladbach zu wechseln, die strukturell noch vor der Eintracht liegt, aber einen schmelzenden Vorsprung eingestehen muss und in dieser Saison sogar das internationale Geschäft verpassen könnte. Ist es das schnöde Geld? Oder die Aussicht auf ein gewachsenes Umfeld mit dem angesehenen Max Eberl als Schutzschild und Ruhepol?

Eintracht Frankfurt: Bruno Hübner und Fredi Bobic gehen im Sommer

Oder ist es die Angst vor der Ungewissheit in Frankfurt, schließlich werden Sportdirektor Bruno Hübner und Sportvorstand Fredi Bobic den Klub verlassen. Oder kann es in Frankfurt aus seinen Augen nicht mehr höher hinausgehen?

Oder hat Adi Hütter vielleicht ein anderes Ass im Ärmel, hat sein Umfeld womöglich Signale empfangen, dass es ihn weit nach oben spülen könnte, wenn sich das Trainer-Karussell erst einmal in Gang setzt? Oder bleibt er am Ende doch? Oder hält er sich einfach alles offen? Fragen über Fragen, Folge des Eiertanzes.

So muss man konstatieren, dass die Angelegenheit Raum einnimmt, wahrscheinlich zu viel Raum. Andererseits wird sie überhöht. Fakt ist: Hütter ist ein Vollprofi mit einem klaren Karriereplan, er blieb nirgends länger als drei Jahre, hat sich in seine Arbeitspapiere stets Ausstiegsklauseln einweben lassen. So ist er nach Frankfurt gekommen, so könnte er nun gehen. Allerdings muss der aufnehmende Verein nicht 850 000 Euro wie die Eintracht vor drei Jahren bezahlen, sondern mindestens 7,5 Millionen berappen. Ein Haufen Geld, gerade in Corona-Zeiten.

Eintracht Frankfurt: Wechsel von Adi Hütter wäre legitim

Wenn der Österreicher also entscheiden sollte, dass seine Mission in Frankfurt erfüllt ist, so ist es absolut legitim, den nächsten Schritt zu machen, nicht mal vertragsbrüchig würde er. Wo er hingeht oder ob Außenstehende seine Entscheidung nachvollziehen können oder nicht, das geht an der Sache vorbei. „Ich habe keine Lust, dass sich viele Menschen Gedanken machen und mir Ratschläge geben, was ich tun soll“, sagt er selbst genervt.

Adi Hütter, und das ist entscheidend, ist mit Feuereifer bei der Sache, er brennt für die Eintracht und darauf, etwas Außergewöhnliches zu erreichen. Und darum geht es, um das Hier und jetzt, das Heimspiel an diesem Samstag (15.30 Uhr) gegen den VfL Wolfsburg, nicht um wilde Fußballromantik, Verbundenheit oder Identifikation – das war einmal. Man muss sich nicht auf ewig binden, um gute, ehrliche Arbeit abzuliefern. Der Profifußball ist ein Big Business geworden mit Projektmanagern und Zeitarbeitern im Hochpreissegment – das gilt auch und erst recht für die Spieler. Sie übrigens sehen die Vorgänge um ihren Trainer pragmatisch. Auch sie treibt das Ziel an, etwas Einmaliges, Geschichtsträchtiges zu schaffen. Das sieht man, das spürt man in jedem Spiel.

Eintracht-Trainer Adi Hütter

Nein, die Eintracht steht nicht vor dem Zusammenbruch, sollte sich der Trainer umorientieren, der Sportvorstand wechseln oder ein Topspieler gehen. Der Klub ist bestens aufgestellt, er ist stärker gewachsen als jeder andere Bundesligist, hat Strahlkraft und Wucht. Diesen Weg gilt es fortzuschreiten. Auch mit neuem Personal.

Viele kokettieren mit der angesagten Eintracht, um sich selbst zu erhöhen. Interessant etwa, wer sich alles selbst oder über Mittelsmänner als Sportchef ins Gespräch gebracht hat. Zuletzt hieß es, der Salzburger Manager Christoph Freund habe der Eintracht einen Korb gegeben. Komisch nur, dass er nicht mal angefragt wurde. Im Führungszirkel der Eintracht sind sie sehr verwundert, wer sich alles über die Eintracht vermarktet und wichtig macht. Da sind viele Trittbrettfahrer unterwegs. Auch das zeigt den gestiegenen Stellenwert des Vereins.

Eintracht Frankfurt: Mögliche Suche nach einem Nachfolger

Der Trainer, keine Frage, ist eine zentrale Figur im großen Ganzen, aber die Unternehmenskultur bestimmen andere, die strategischen Entscheidungen werden auf höherer Ebene getroffen – keiner weiß das so gut wie die Eintracht, die sich durch die herausragende Arbeit im Vorstand und der klaren Linie im Aufsichtsrat nach vorne katapultieren konnte. Daher sollten Fehler, gerade bei der Personalauswahl, besser vermieden werden. Fredi Bobic damals war ein Glücksgriff.

Deshalb ist es richtig, dass Aufsichtsratschef Philip Holzer im Hintergrund geräuschlos wirkt und sich nicht treiben lässt. Zunächst soll der „Fall Bobic“ abgeschlossen werden, die Parteien nähern sich an, eine rasche Einigung steht im Raum, eine, mit der alle ihr Gesicht wahren können und ein sauberer Abgang am Saisonende gewährleistet wird. Das wäre nach fünf Jahren angemessen.

Und es ist klug, in vielen Gesprächen mit dem designierten Bobic-Nachfolger auszuloten, ob die Philosophie zusammenpasst und die Chemie stimmt. Auch auf diesem Feld ist der Hauptausschuss weiter als die Öffentlichkeit meint – es könnte schnell gehen. Vielleicht sogar in der Trainerfrage. (Ingo Durstewitz)

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