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Frankfurts Cheftrainer Adi Hütter streichelt Maskottchen „Attila“.

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Eintracht Frankfurt - Racing Straßburg: Viel hängt vom Sorgenkind ab

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Im Rückspiel der Europa-League-Playoffs wollen die Hessen gegen Racing Straßburg die Qualifikation für die Gruppenphase schaffen.

Frankfurt - Wenn einer weiß, wie man einen Zweitore-Rückstand aufholt und nicht einmal auf Stürmertore zurückgreifen muss, dann ist das Sebastian Rode von Eintracht Frankfurt. Ja, der defensive Mittelfeldspieler mit ausgeprägtem Hang zur Offensive hat da so seine ganz speziellen Erfahrungen gemacht. 

Es war, man ahnt es, Mitte April dieses Jahres, als der 28 Jahre alte Rückkehrer im Rückspiel gegen Benfica Lissabon Mitte der zweiten Halbzeit das erlösende 2:0 erzielte, ein Tor, das die Eintracht ins Halbfinale bugsieren sollte: „Solch ein wichtiges Tor zu schießen, macht mich unglaublich glücklich“, sagte er damals. Gestern ergänzte er: „Ich spüre schon wieder wie damals dieses Kribbeln.“

Rode von Eintracht Frankfurt: „Es ist egal, wer die Tore schießt.“

Ein 2:0 würde auch dieses Mal helfen, zwei Tore mehr als Racing Straßburg muss Eintracht Frankfurt so oder so erzielen, es wäre also ein prima Zeitpunkt, wenn Sebastian Rode heute Abend (20.30 Uhr/RTLnitro und im Eintracht-Liveticker) noch einmal treffen könnte. 

So häufig schießt der unermüdliche Dauerläufer den Ball ja nicht ins Tor, das 2:0 gegen Lissabon war sein einziges Tor in 27 internationalen Spielen für die Eintracht, Bayern München und Borussia Dortmund. Jetzt sagt er: „Es ist egal, wer die Tore schießt.“ Und es muss ja nicht immer ein Stürmer sein; seinerzeit gegen Benfica standen auch Luka Jovic und Ante Rebic auf dem Feld, aber Rode und Filip Kostic erzielten die Treffer.

Europa League: Ante Rebic könnte Eintracht Frankfurt helfen - wenn er will

Aber selbstverständlich wäre eine torgefährliche, durchschlagskräftige Angriffsreihe in diesem Rückspiel, in dem Eintracht Frankfurt ein 0:1 aufholen muss, von Vorteil, darüber gibt es in Frankfurt keine zwei Meinungen. 

Eintracht Frankfurt in der Europa League: Die Auslosung der Gruppenphase im Live-Ticker

Dazu kommt, dass derzeit niemand vorhersagen kann, wie gut oder schlecht Ante Rebic gerade gelaunt ist. Und auf seine Laune kommt es ein bisschen an, im Hinspiel zum Beispiel hatte er keine Lust. „Wenn er fit ist und geistig in der Lage, ist er eine Option“, sagt sein Trainer. Man kann beim Frankfurter Fußballlehrer zwischen den Zeilen schon heraushören, dass er ziemlich genervt ist von den Allüren des Ante R.

Eintracht Frankfurt gegen Straßburg: Es kommt auf die Laune von Rebic an 

Andererseits brauchen sie den Kroaten in Frankfurt, Neuzugang Bas Dost ist ja viel zu spät verpflichtet worden, er ist für das Playoff-Spiel nicht spielberechtigt, Dejan Joveljic noch zu unreif, bliebe allein Goncalo Paciencia, und ob das reicht, ist fraglich. Rebic, der keinen Hehl aus seiner Absicht macht, die Hessen gern zu verlassen, könnte mit seiner Wucht gerade in solch einem Hop-oder-Top-Spiel den Unterschied ausmachen - wenn er denn will. „Er kann uns unglaublich viel helfen“, sagt Hütter über sein Sorgenkind, den er trotzdem weiterhin „als wichtigen Bestandteil der Mannschaft“ sieht. 

Nicht ganz ausgeschlossen ist, dass Eintracht Frankfurt dem 25 Jahre alten Linksaußen beim Wechsel entgegenkommt, sofern er mit einer engagierten Leistung dem Klub in die ersehnte Gruppenphase der Europa League verhilft. Es könnte also für den kroatischen Vize-Weltmeister und Pokalhelden von 2018 das letzte von insgesamt 78 Pflichtspielen (17 Tore) in drei Jahren für Eintracht Frankfurt sein.

Eintracht Frankfurt: Kevin Trapp erwartet ein Geduldsspiel – Andere Herangehensweise als im Hinspiel

Die Partie gegen die wahrscheinlich tiefstehenden Elsässer, die gestern auch Hütter zum „wichtigsten Spiel des Jahres“ erhob, dürfte taktisch keine einfache werden. „1:0 ist ein gefährliches Ergebnis, auf Teufel-komm-raus“ dürfe man das Spiel nicht angehen. 

Nicht nur Torwart Kevin Trapp erwartet „ein „Geduldsspiel“. Einerseits muss das Frankfurter Team die Initiative ergreifen, muss attackieren und das Spiel machen, andererseits muss es höllisch auf der Hut sein, nur ja kein Gegentor zu kassieren, um zum Weiterkommen nicht drei Tore schießen zu müssen. Defensiv „müssen wir unglaublich gut stehen“, findet der Österreicher.

SGE gegen Racing Straßburg: Eintracht Frankfurt braucht intelligentes Spiel 

Insgesamt „brauchen wir ein sehr intelligentes Spiel“, verlangt Hütter von seiner Mannschaft, die er  am Mittwoch vor dem Abschlusstraining am Nachmittag noch zu einer intensiven Videoanalyse ins Besprechungszimmer gebeten hatte. Vor allen Dingen fordert der Fußballlehrer eine andere Herangehensweise als im Hinspiel, „die erste Halbzeit von Straßburg war ein No Go“, sagt Hütter, die zweite sei ordentlich gewesen. Zufrieden war der Coach hingegen mit dem Auftritt am vergangenen Sonntag in Leipzig, „spielerisch hat mir das sehr gut gefallen“, zumindest bis Strafraumnähe.

Eintracht Frankfurt will unbedingt die Gruppenphase der Europa League erreichen

Dass es dieses Mal am nötigen Engagement oder an der Einstellung hapern könnte, kann sich Hütter nicht vorstellen. Er vertraut auf die bekannte Frankfurter Mentalität, in entscheidenden Momenten hellwach zu sein - und natürlich auf den Rückenwind des Publikums. 47 000 Zuschauer werden im Stadtwald sein, 1000 weniger als sonst, und das liegt daran, dass ein Block als Puffer frei bleiben muss, der Eintracht-Anhänger von 2600 mitgereisten Racing-Fans trennt.

„Wir haben ein Jahr lang hart dafür gearbeitet, da wollen wir die Chance beim Schopf packen“, sagte Hütter am Mittwoch. „Wir haben alle Bock darauf, wieder in die Gruppenphase einzuziehen.“ Ein Weiterkommen würde ganz ohne Zweifel dem Klub erneut einen enormen Schub geben, jeder weiß doch, wie sehr Eintracht Frankfurt in der Vergangenheit die europäischen Nächte zelebriert hat.

So wie an jenem 18. April dieses Jahres, als sich Sebastian Rode in der 67. Minute ein Herz fasste und den Ball vom Strafraum aus ins verwaiste Eck schoss. Die Vorarbeit zu diesem entscheidenden Treffer kam übrigens - von Ante Rebic.

Von Thomas Kilchenstein

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