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Trainer in Berlin: Marco Gebhardt.

Eintracht Frankfurt Promitipp

Ein Eintracht-Held von 1999

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Der Ex-Eintrachtler Marco Gebhardt trainiert heute Blau-Weiß Berlin.

Am vergangenen Sonntag gegen 15 Uhr hat einer Marco Gebhardt sprechen wollen. Gerd Oehlert, die gute Seele des Vereins, ist ans Handy gegangen und hat dem Anrufer sehr freundlich bedeutet, dass das jetzt keine so gute Idee sei. „Wir spielen gerade.“ Dazu muss man wissen, dass Marco Gebhardt seit 2015 Trainer der Oberligamannschaft von Blau-Weiß 90 Berlin ist und just an jenem Sonntag stand die Partie gegen Torgelower FC Greif an. Er möge es später noch einmal versuchen, empfahl Oehlert dem Anrufer.

Später dann, als Blau-Weiß die Partie in der fünften Klasse mit 2:1 gewonnen hatte, hatte Marco Gebhardt Zeit. „Es war der dritte Sieg im dritten Spiel“, sagte der 46-Jährige. In diesem Jahr ist sein Team, als Aufsteiger auf Platz neun, noch ohne Punktverlust. Es läuft ganz gut für Gebhardt, der im vergangenen Jahr zum „Amateurtrainer des Jahres“ in Berlin gewählt wurde. Zweimal sei man aufgestiegen, inzwischen habe sich der Klub, für den vor langer Zeit auch mal Stürmer Karl-Heinz Riedle in der Bundesliga die Schuhe schnürte, 1986 war das, die Kurve bekommen. „Die Hinrunde war nicht besonders gut“, sagte Gebhardt. Mittelfristig plant der Klub, der eingangs der 90er Jahre in die Insolvenz gehen musste, sogar mit der Dritten Liga.

Unlängst hat Marco Gebhardt zu Hause beim Ausmisten des Kleiderschranks auch zwei ältere Ausgehanzüge von Eintracht Frankfurt entdeckt. Die hat er einem Bekannten und Eintracht-Anhänger geschickt; der Kontakt zur Eintracht ist allenfalls noch lose. Manchmal telefoniert er noch mit Thomas Zampach, Alex Schur, Bernd Schneider, der in Jena lebt, oder Thomas Sobotzik, der jetzt beim FC Chemnitz Manager ist. Und Jan-Aage Fjörtoft „sehe ich ja dauernd im Fernsehen, er soll sich mal eine andere Frisur zulegen“, scherzt Gebhardt.

All diese Namen sind natürlich untrennbar mit einem der größten Spiele der jüngeren Frankfurter Vereinsgeschichte verbunden, mit jenem Spiel am 29. Mai 1999, als die Eintracht das „erste Wunder vom Waldstadion“ schaffte und nach einem 5:1-Erfolg über den 1. FC Kaiserslautern in allerletzter Sekunde noch den Abstieg verhindert hatte. Gebhardt, der Linksverteidiger, spielte seinerzeit eine bedeutende Rolle. Ihm war das 3:1 gelungen, nach einem feinen Hackentrick knallte er den Ball Vollspann über den Lauterer Torhüter Andreas Reinke ins Netz. „Es waren eigentlich alle fünf Treffer wunderbar herausgespielt“, erinnert sich der aus Sachsen-Anhalt stammende Gebhardt - und an die spontane Nichtabstiegsfeier in einer Sachsenhäuser Ebbelweikneipe. Vielleicht gibt es ja eine Jubiläumsfeier im Eintracht-Museum, in diesem Mai jährt sich die wundersame Rettung zum 20. Mal. Gebhardt wäre dabei.

Auf Wanderschaft

Ohnehin, sagt Marco Gebhardt, gehörte die Frankfurter Zeit - er spielte von 1997 bis 2002 - zu den schönsten Stationen seiner langen Karriere. „Wir hatten eine unheimlich gute Kameradschaft im Team.“ Trainer war seinerzeit Horst Ehrmantraut, der ihn auch vom damaligen Drittligisten SC Verl geholt hatte. Damals war er bereits 24 Jahre alt, „ein Spätstarter“, wie er selbst sagt. „Wir waren eine bunt zusammengewürfelte Truppe und haben den Aufstieg in die Bundesliga geschafft.“ In seinem allerersten Spiel für die Eintracht, Ende August 1997 in der zweiten Liga, erzielte er, gerade eingewechselt, das 3:2-Siegtor gegen Fortuna Düsseldorf. Es war eines von zehn Treffern in 110 Spielen für die Hessen.

Nach den fünf Jahren bei der Eintracht ging Gebhardt auf Wanderschaft; er spielte bei Energie Cottbus, 1860 München, 1. FC Saarbrücken, Union Berlin und beendete erst mit knapp 39 Jahren seine Laufbahn beim Berliner Klub Germania Schöneiche. Danach stieg er nahtlos ins Trainergeschäft ein, die A-Lizenz hatte er. Zwei Jahre arbeitete er als Jugendtrainer bei Dynamo Dresden, übernahm gar zeitweise als Co-Trainer gemeinsam mit Stefan Böger - ja, jenem Stefan Böger, der 1992 in Rostock das 2:1 für Hansa erzielt hatte - die erste Mannschaft von Dynamo.

Marco Gebhardt, der in Zehlendorf lebt, spielt noch mit 46 Jahren einen feinen Ball, wenn auch nur noch in der Traditionsmannschaft von Union Berlin. Ein Techniker war er ja ohnehin, zudem hat er neben 82 Bundes- und 141 Zweitligaspielen auch eine Einladungen für die A2-Auswahl des DFB gehabt. Und ein feiner Kicker wie er einer war, findet den momentanen Auftritt der Eintracht natürlich außergewöhnlich gut. „Was die fußballerisch abliefern, ist sehenswert.“

Sein Tipp: 3:1

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