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Auch seine beiden Tore reichten nicht: Alex Meier.

Europa League im Februar 2014

Das rauschende, bittere Aus

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Eintracht Frankfurt verliert nach tollem Spiel 3:3 gegen den FC Porto.

Das am häufigsten gebrauchte Wort nach diesem dramatischen und enttäuschenden 3:3 gegen die portugiesische Spitzenmannschaft des FC Porto war an diesem Donnerstag im Februar 2014: bitter. Jeder, der nach den 90 Minuten plus fünf Minuten Nachspielzeit in den Katakomben des Stadions im Stadtwald zu einem Kommentar gebeten wurde, brachte es in seiner Stellungnahme unter. Bitter. So unfassbar bitter. Denn dieses Unentschieden war eine Niederlage, nach dem 2:2 im Hinspiel musste Eintracht Frankfurt im Sechzehntelfinale die Segel streichen - ohne verloren zu haben. Die Auswärtstorregel will es so. „Es schmerzt sehr“, sagte Mittelfeldrenner Tranquillo Barnetta damals in einer ersten Reaktion.

Das Ausscheiden aus dem Wettbewerb war auch deswegen so niederschmetternd, weil ja eigentlich alles für das Weiterkommen bereitet war. Nach dem 2:2 im Hinspiel führte Eintracht Frankfurt vor ausverkauftem und wie immer euphorischem Hause bereits mit 2:0. Erst hatte Stefan Aigner sehr raffiniert mit der Sohle für das 1:0 gesorgt, dann Alex Meier nach der Pause und nach feiner Vorarbeit von Barnetta sogar das 2:0 erzielt. Das schien eine Vorentscheidung, zumal die Eintracht ihr bestes Saisonspiel ablieferte. Es war ein spannendes, extrem intensives Spiel, es wogte hin und her, Torraumszenen gab es am laufenden Band. An diesem ganz speziellen Abend schien alles möglich.

Doch der französische Nationalverteidiger Eliaquim Mangala, mittlerweile bei Manchester City unter Vertrag, glich zwei Mal per Kopf aus. Zwischen den beiden Toren hatten die Hessen nach einem sensationellen Konter über Meier und Barnetta durch den über das ganze Feld gesprinteten Rechtsverteidiger Sebastian Jung die große Chance, auf 3:1 zu erhöhen. Doch der allerletzte Pass auf Jung geriet ein bisschen ungenau, er konnte die Kugel mit der Hacke aufs Tor schießen, Torhüter Helton schaffte es gerade noch, den Ball von der Linie zu kratzen.

Die Enttäuschung überwog

Selbst das 3:2, das wieder Alex Meier eine Viertelstunde vor Schluss schaffte, reichte nicht aus. Der FC Porto drehte danach richtig auf, entwickelte einen unglaublichen Druck, und als Kevin Trapp einen fulminanten Schuss des eingewechselten Lica nur abklatschen konnte, war der ebenfalls eingewechselte Nabil Ghilas zur Stelle und drückte den Abpraller über die Linie. Die Eintracht war ausgeschieden.

Es dauerte hinterher eine Weile, bis die Eintracht-Entourage das gerade Erlebte richtig einordnen konnten. Die Enttäuschung überwog erst, dann, ganz langsam, kam der Stolz auf das Gezeigte: „Ich bin stolz auf diese Mannschaft“, sagte Vorstand Axel Hellmann. „Und ich bin stolz darauf, wie sich Eintracht Frankfurt in diesem Wettbewerb präsentiert hat.“ Anderntags sollte Trainer Armin Veh das Positive herausstellen: „Diese Leistung gibt uns Kraft für die Liga. Ich glaube nicht, dass uns das runterziehen wird.“ Im Gegenteil: „Die Europa League hat den Spielern unheimlich viel gebracht.“ Die Auftritte auf Europas Bühnen hätten der Eintracht allemal einen „enormen Imagegewinn“ verschafft, sagte der damalige Klubchef Heribert Bruchhagen.

Torwart Kevin Trapp fand: „Es war eine überragende Leistung und nichts für schwache Nerven. Wir sind nicht ausgeschieden, weil wir schlecht waren.“ Und Kapitän Pirmin Schwegler lobte, dass man zwei Mal einer Top-Mannschaft in Europa Paroli hatte bieten können. „Wir haben gezeigt, dass wir Qualität haben.“ Widerspruch gab es darauf nicht.

„Wenn man so eine große Mannschaft am Rande einer Niederlage hat, wenn man deren finanzielle Möglichkeiten sieht und unsere, wenn man gegen sie fünf Tore erzielt und kein Spiel verliert und trotzdem ausscheidet, dann ist das einfach nur extrem bitter“, sagte Hellmann. Da war es wieder, das an diesem Abend am häufigsten gebrauchte Wort.

Klar war auch: Es war auf nicht absehbare Zeit der letzte europäische Auftritt, allerdings war es ein Abgang mit Ausrufezeichen. Denn die Eintracht spielte 2013/2014, anders als heute, keine besonders gute Rolle in der Bundesliga, sie steckte zeitweise im Abstiegskampf. Und drei Tage nach dem rauschenden Ausscheiden gab es zu Hause gegen den VfB Stuttgart einen 2:1-Erfolg, Jan Rosenthal schaffte in der Schlussminute den Siegtreffer. Immerhin.

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