Wenn Europa nicht geht, dann ist Platz acht auch okay: Findet Martin Hinteregger (Mitte), der eigenwillige Eintracht-Verteidiger.
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Wenn Europa nicht geht, dann ist Platz acht auch okay: Findet Martin Hinteregger (Mitte), der eigenwillige Eintracht-Verteidiger.

Nach Mittelfeldplatz

Eintracht Frankfurt plant den neuen Angriff

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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Das Team von Adi Hütter wird diese Saison unter ferner liefen beenden. Das entspricht nicht den Vereinsansprüchen. Und könnte doch sehr hilfreich sein für nächste Saison.

In grauer Vorzeit, der Trainer hieß Friedhelm Funkel, dümpelte die Eintracht nicht selten im grauen Mittelfeld dem Saisonfinale entgegen. Irgendwo zwischen Baum und Borke platziert, zu gut, um abzusteigen, zu schwach, um oben anzugreifen. Das rief nicht selten Axel Hellmann auf den Plan, der eindringlich an die Mannschaft appellierte, nur ja nicht abzuschenken und die Runde austrudeln zu lassen, schließlich gehe es ja auch noch um wichtige Plätze in der TV-Tabelle und also einige Millionen Euro. Fast immer verhallten Hellmanns Worte ungehört im Niemandsland, fast immer vergeigte die Eintracht den Schlussspurt.

In diesem Jahr hat der Marketingvorstand darauf verzichtet, das Team auf die Dringlichkeit hinzuweisen, und er wird es auch vor dem letzten und doch nicht mehr ganz so bedeutendem Finale am Samstag gegen den Absteiger SC Paderborn nicht tun. Das ist bei dieser Mannschaft nicht nötig, zumal sie bis zum vorletzten Spieltag ja noch die klitzekleine Chance hatte, an einen europäischen Startplatz heranzurobben. Diese Möglichkeit gibt es nach den Resultaten vom Samstag nicht mehr.

Eintracht Frankfurt macht im Fernsehranking Boden gut

In besagter Fernsehgeldtabelle ist es für die Eintracht aufgrund der jüngsten Ergebnisse gut gelaufen: Die Frankfurter liegen in diesem Ranking auf Rang acht, generieren fast 75 Millionen Euro, weshalb es diesen Platz zu verteidigen gilt, gegen das direkt dahinter liegende Hertha BSC etwa. Genau deshalb wäre es wichtig, auch in der richtigen Tabelle vor den einen Punkt zurückliegenden Berlinern zu bleiben.

Zugleich rücken die Hessen den so brachial abgestürzten Schalkern auf die Pelle, die Gelsenkirchener liegen im TV-Ranking nur noch hauchzart vor den Hessen. Da geht es pro Platz um mehr als zwei Millionen Euro.

Die sportliche Motivation bezieht das Ensemble nicht aus dem TV-Tableau, damals nicht und heute nicht, aber nachdem das letzte Fünkchen Hoffnung auf eine erneute Teilnahme am Europacup endgültig erloschen ist, hat der eigenwillige Verteidiger Martin Hinteregger der Einfachheit halber gleich mal ein neues Ziel ausgegeben: „Jetzt wollen wir Platz acht erreichen.“ Der ist zwar genauso gut (oder eben mittelmäßig) wie Rang neun, aber ein Sportler sollte ja stets nach dem Bestmöglichen streben, und das wäre eben der achte Rang. Mehr ist nicht mehr drin.

Eintracht Frankfurt: Mittelfeld entspricht der Leistungsfähigkeit 

Eintracht Frankfurt, das steht nach dem 1:1 (1:0) beim 1.FC Köln und den klaren Erfolgen des VfL Wolfsburg und der TSG Hoffenheim fest, wird diese wechselhafte Spielzeit im Mittelfeld abschließen. Eine Platzierung, die letztlich völlig in Ordnung ist und die Leistungsfähigkeit widerspiegelt, aber nicht den eigenen Ansprüchen entspricht.

Die Eintracht stand niemals besser als Platz sieben (letztmals am 10. Spieltag nach dem 5:1 gegen die Bayern) und nie schlechter als Rang 13 (nach dem 1:2 zum Vorrundenausklang in Paderborn), das klingt nicht nur nach einer Saison im Mittelfeld, es ist eine Saison im Mittelfeld. Natürlich kann man darüber spekulieren, was drin gewesen wäre, wenn die Mannschaft zu mehr Konstanz gefunden hätte und nicht so stark belastet gewesen wäre. Doch das ist Kaffeesatzleserei. Letztlich können die Frankfurter mit dem Abschneiden zufrieden sein, zumal sie noch im Achtelfinale der Europa League stehen und ins DFB-Pokalhalbfinale eingezogen waren.

Vielleicht ist es gar nicht so schlecht, dass die Mannschaft erstmals nach zwei Jahren und 104 Pflichtspielen in der neuen Runde ohne die Mehrfachbelastung antreten kann. „Eintracht Frankfurt kann International“, wirft Sportdirektor Bruno Hübner ein, gibt aber zu bedenken, dass „wir nun die Gelegenheit haben, uns in Ruhe auf die Bundesliga vorzubereiten und die Mannschaft gezielt weiterzuentwickeln, ohne dauernd auf Reisen zu sein“.

Eintracht Frankfurt wird wohl mit Adi Hütter verlängern

Es war eine irgendwie mühsame Spielzeit, die Leichtigkeit und der große Enthusiasmus waren im Jahr eins nach der Büffelherde und dem Triumphzug durch Europa verflogen, vieles wirkte schwergängig. Die Eintracht wirkte wie eine Suchende, auf der Pirsch nach einer neuen Identität und einem Spielstil mit Wiedererkennungswert. Das fiel ihr erwartungsgemäß schwer, die Zugänge brauchten (oder brauchen) Zeit oder waren nicht gut genug, die Mannschaft wirkte hinten anfällig und generell nicht schnell und dynamisch genug. Das ist ein Ansatzpunkt für die kommende Saison.

Trainer Adi Hütter musste unmittelbar vor und nach der Corona-Krise erst wieder zu sich finden und einige getroffene Entscheidungen revidieren. Der 50 Jahre alte Österreicher ist ein absoluter Fachmann, der sehr gut zur Eintracht passt. Einer Vertragsverlängerung dürfte nicht viel im Wege stehen. Und doch muss er in der neuen Spielzeit wieder den Weg mitgehen, junge Spieler zu entwickeln und sie aufs nächste Level zu hieven. Dass er das kann, hat er bewiesen. Etwas mehr Mut und Unbekümmertheit würde dem Eintracht-Spiel gut tun. Hütter muss zudem auf eine gewisse Balance innerhalb des Gefüges achten, es war offensichtlich, dass einige Spieler mehr spielten oder Chancen bekamen als andere.

Im vorletzten Saisonspiel in Köln überraschte Hütter mit einer doch eher defensiven Aufstellung, ließ die zuletzt starken Makoto Hasebe, David Abraham, Danny da Costa und Dominik Kohr auf der Bank. Die Eintracht war dennoch die reifere und klar bessere Mannschaft, selbst ein von Sebastian Rode tölpelhaft verursachter und von Florian Kainz mit Hilfe des Innenpfostens verwandelter Strafstoß konnte sie nicht zu Fall bringen. Mittelstürmer Bas Dost glich auf Vorlage von Djibril Sow aus (72.), doch letztlich klappte es nicht mit dem vierten Auswärtssieg in Serie und dem neuen Vereinsrekord. „Schade“, sagte Coach Adi Hütter und meinte auch die verpasste Europa-League-Qualifikation. „Insgesamt“, fand er dennoch, „können wir stolz auf die bisherige Saison sein.“ Die wird, ob acht, neun oder zehn, mit einem soliden Mittelfeldplatz enden. In der neuen Runde soll weiter oben wieder angegriffen werden.

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