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Philip Holzer – Der Weichensteller im Hintergrund

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Von: Ingo Durstewitz

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FR-Serie, 15. Teil: Aufsichtsratschef Philip Holzer bringt die Eintracht heimlich und leise voran.

Frankfurt – Selten hat man den stets um Contenance bemühten Philip Holzer so ausgelassen gesehen wie an jenem Abend im Mai in der Frankfurter Innenstadt. Da saß der Aufsichtsratschef der Eintracht in einem der vielen Cabrios, die sich im Schneckentempo durch die City wälzten, und es trug ihn einfach davon, die Gefühle galoppierten los und waren nicht mehr einzufangen. Dieser monumentale Titelgewinn von Sevilla, diese Emotionen, eine ganze Stadt im Ausnahmezustand, ein Meer voller Eintracht-Fans. Und er, Philip Holzer, mittendrin.

In einem TV-Interview sprudelte es aus dem früheren Investmentbanker heraus, und es gibt nicht wenige, die der Meinung sind, er würde heute noch reden, wenn das Gespräch nicht irgendwann abgebrochen worden wäre. Nein, so überschwänglich und glückstrunken hatte man den so beherrscht und kontrolliert daherkommenden 56-Jährigen noch nicht gesehen: „Mir stehen die Tränen in den Augen, wenn ich sehe, wie viel Freude wir den Menschen bereiten“, sagte er: „Das Wichtigste ist: Wir müssen die Menschen immer mitnehmen.“

Philip Holzer, in Frankfurt sesshaft, in der Welt zu Hause, hat viel dafür getan, dass die Eintracht dort steht, wo sie steht: ziemlich weit oben, für ihre Verhältnisse hat sie mit dem Europa-League-Triumph das Gipfelkreuz erreicht. Er wird alles dafür tun, um den Klub nahe an der Spitze zu halten. Leicht wird das nicht, aber leicht kann jeder und leicht war es für Philip Holzer nicht, seit er den Vorsitz des Kontrollgremiums übernahm.

Philip Holzer, Aufsichtsratschef, ist mehr als zufrieden mit seiner Frankfurter Eintracht.
Philip Holzer, Aufsichtsratschef, ist mehr als zufrieden mit seiner Frankfurter Eintracht. © Hartenfelser/Imago

Eintracht Frankfurt: Holzer hat in seiner Zeit bei der Eintracht schon viel erlebt

Eigentlich hat der frühere Oberligatorwart in seiner zweijährigen Amtszeit mehr erlebt als andere in zwei Dekaden; es ist ein Fulltimejob, der Stressresistenz erfordert, Selbstbewusstsein, Haltung und Stehvermögen. All das bringt Holzer mit. Gerade die Phase vor einem Jahr, als die komplette Führungsmannschaft im Sport von der Brücke ging, war die härteste im Eintracht-Leben von Philip Holzer, dem Sohn des früheren FR-Chefredakteurs Werner Holzer. „Das war nicht vergnügungssteuerpflichtig.“

Der Funktionär hat bei der Suche nach einem Nachfolger für Fredi Bobic die Nerven bewahrt und sich nicht treiben lassen, auch wenn einige ihm Zögerlichkeit vorwarfen und unkten, der Vereine stünde vor dem Kollaps. Da braucht man einen kühlen Kopf und Vertrauen in das eigene Tun. „Es ging darum, keine schnellen, sondern die richtigen Entscheidungen zu treffen“, sagt Holzer, der Diskretion und Loyalität über die Maßen schätzt.

Geschwätzigkeit und Unverbindlichkeit sind ihm ein Dorn im Auge. Das Fußballgeschäft mit all seinen Sonderheiten und Verdrehtheiten hat er längst durchdrungen; anfangs hat er sich über die Eigentümlichkeiten der Branche gewundert, über die windigen Typen, die Durchstechereien, über Tricks und Kniffs, über viele Millionen für wenig Gegenleistung. Heute findet er immer noch manches seltsam, doch er versteht alles, er kennt sich aus.

Eintracht Frankfurt: Krösche ist „Glücksfall“

Vor einem Jahr entschied er sich nach unzähligen Gesprächen für Markus Krösche als Sportvorstand. „Ein Glücksfall für uns“, jubilierte er. Genauso wie Oliver Frankenbach auf dem Feld der Finanzen. Auf ihn könne man sich blind verlassen, Frankenbach sei eine Koryphäe auf seinem Gebiet. „Auch wenn die Zahlen nicht immer gut sein können, stimmen sie zu 100 Prozent“, sagt Holzer lachend.

Das war erst vor kurzem, als er die Vertragsverlängerung des Finanzvorstands bis 2026 bekanntgab und auch den bisherigen Prokuristen Philipp Reschke in den Vorstand mit einem Vertrag bis 2025 beförderte. Eine kluge Entscheidung. „Philip ist ein Eigengewächs, ihn zeichnet eine hohe emotionale Intelligenz aus. Wir sind eine Familie, und er hat die Eintracht-DNA in sich. Er ist eine Bereicherung für uns.“

Genauso wie Axel Hellmann, den Holzer mal „Rakete“, mal „Tausendsassa“ nennt und ihm bescheinigt, „Meilensteine“ für die Eintracht gesetzt zu haben. Auch den Vertrag des 50-Jährigen hat er verlängert, bis 2027. Alle Leistungsträger auf Vorstandsebene sind ergo langfristig gebunden. Diese Weichen hat Holzer gestellt, heimlich, still und leise, im Hintergrund, wie es seine Art ist. Er hat für Stabilität auf der Kommandobrücke gesorgt und für eine Festigkeit von innen – das größte Pfund im Fußballgeschäft. (Ingo Durstewitz)

Hier geht es zum 14. Teil der FR-Serie.

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