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Enthemmter Jubel: David Abraham. 

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Schlüsselspieler Hasebe geopfert

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  • Thomas Kilchenstein
    Thomas Kilchenstein
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Wie Frankfurter Verteidiger ihrer Kernkompetenz gerecht werden und dem Angriff Beine machen.

Wie ein Habicht auf die Beute hatte sich David Abraham auf den Ball gestürzt, den Nationalspieler Serge Gnabry leichtfertig vorm eigenen Strafraum hatte verspringen lassen, Sekunden später rutschte der Frankfurter Verteidiger freudestrahlend auf den Knien über den feuchten Rasen. Gerade hatte Abraham das 3:1 erzielt, ein Tor, das eminent wichtig war, so kurz nach der Pause, und das Trainer Adi Hütter hinterher als „Knackpunkt“ ausgemacht hatte; Niko Kovac, der Bayern-Coach, empfand ähnlich: „Mit dem 3:1 war alles gelaufen.“

David Abraham kann ja vieles bei Eintracht Frankfurt, aber das Toreschießen gehört eigentlich nicht zu seiner Kernkompetenz. In der Liga hat er zuvor erst einmal getroffen, 2016 in Ingolstadt war das, Versuche, das zu ändern, waren nicht von Erfolg gekrönt. Dann traf der mittlerweile 33 Jahre alte Argentinier erstaunlicherweise vor zehn Tagen in der Europa League gegen Standard Lüttich und jetzt wieder gegen die Bayern. Das Besondere an diesem Treffer: Abraham drehte nach Ballgewinn nicht ab und verkrümelte sich in seinen Abwehrbereich, sondern sprintete in bester Torjägermanier in den Münchner Fünfmeterraum, um gleich die perfekte Flanke von Danny da Costa über die Linie zu wuchten.

Eintracht Frankfurt konnte sich auf die Abwehr verlassen

Ohnehin hatte der Kapitän ein bärenstarkes Spiel abgeliefert, nicht nur wegen seines Tores, er war hellwach, zweikampfstark, vor allem war er mehrmals in brenzligen Situationen zur Stelle und blockte jeweils Schüsse von Robert Lewandowski im allerletzten Moment ab.

Hinterher, beim Jubeln mit den Fans, hat Abraham seinen kleinen Sohn an die Hand genommen, sein ganzer Stolz, und man hat dem Verteidiger richtig angesehen, wie glücklich er war über diesen Nachmittag. Denn es hat eine Weile gedauert, ehe David Abraham wieder zu seiner Form gefunden hat. Zuletzt war er in die Kritik geraten, er spielte verunsichert, was seinen kleineren Verletzung geschuldet sein dürfte, die ihn oft aus dem Rhythmus gebracht hatten. Seinen Stammplatz hatte er zeitweise an Almamy Touré verloren, der wiederum wegen eines Sehnenrisses derzeit unpässlich ist.

Trainer und Sportchef als Treiber: Die erstaunliche Entwicklung der SGE

An diesem Samstag jedenfalls war auf die Frankfurter Abwehr Verlass. Sie stand erstaunlich stabil, was nicht immer der Fall ist. Erst vor Wochenfrist hatte Trainer Hütter Klage darüber geführt, dass die Mannschaft viel zu leicht Gegentore bekomme, noch dazu solche, die leicht zu verteidigen waren. „Vier Gegentore sind zu viel“, hatte er etwa nach dem 2:4 bei Borussia Mönchengladbach noch geschimpft.

Eintracht Frankfurt: Stabil und torgefährlich

Dass die Frankfurter Hintermannschaft ausgerechnet gegen die Bayern so undurchlässig wirkte, hatte auch viel mit einem taktischen Winkelzug des Coaches zu tun gehabt. Hütter opferte in diesem spektakulären Spiel seinen „Schlüsselspieler“ Makoto Hasebe, seit Monaten in bestechender Form und der Stratege aus dem Hinterhalt. Hütter nannte diese Maßnahme selbst „mutig“, aber sie funktionierte. Statt des Japaners spielte Martin Hinteregger in der Zentrale, und das aus gutem Grund: Gegen Robert Lewandowski, den wuchtigen, antrittsschnellen Angreifer, hätte Hasebe einen deutlich schwereren Stand gehabt als ihn der ebenfalls kräftige Österreicher hatte. Und Hütter erinnerte sich dabei an das Halbfinale in der letztjährigen Europa-League-Saison, als er Hinteregger schon einmal zentral aufgeboten hatte - seinerzeit gegen Olivier Giroud, der besser gegen den Österreicher passte. Damals im April durfte Hasebe noch im defensiven Mittelfeld spielen, dieses Mal wurde er, der Immerspieler, geschont. „Hase“, sagte Hütter, „hat sich körperlich nicht so gut gefühlt“: Ohnehin stehen noch zwei wichtige Spiele in dieser Woche an, am Donnerstag (18.55 Uhr/live bei Dazn) will Eintracht Frankfurt bei Standard Lüttich (ohne Fans) die Weichen in Richtung Sechzehntelfinale stellen, am Sonntag beim Tabellennachbarn SC Freiburg bestehen. Und da bedarf es ausgeruhter Verteidiger, zumal die Eintracht auswärts bislang lediglich drei Zähler sammelte. „Zu Hause, mit den Fans im Rücken, ist es einfacher zu spielen“, sagt Hütter.

Eintracht Frankfurt schlägt Bayern München: Die Bilder vom Spiel

Schoss das 5:1: Goncalo Paciencia.
Schoss das 5:1: Goncalo Paciencia. © S. Krieger
Eintracht Frankfurt - Bayern München: Die Bilder vom Spiel
Eintracht Frankfurt - Bayern München: Die Bilder vom Spiel © E. Krieger
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Eintracht Frankfurt - Bayern München: Die Bilder vom Spiel © E. Krieger

Erstaunlicherweise entpuppen sich die Frankfurter Defensivstrategen zudem als ausgesprochen torgefährlich: Am Samstag traf auch Stopper Martin Hinteregger zum 4:1, fast eine Kopie seines Treffers gegen Gladbach, nur von der anderen Seite: Beide Male köpfte der Publikumsliebling eine Ecke direkt ins Tor. Es gebe Phasen, da gelängen diese Dinge eben, findet Hütter, Hinteregger gehe „mit einem guten Gefühl in die Standards“, weil sie zuletzt erfolgreich waren. Hinteregger hat in dieser Runde bereits drei Tore in der Liga und eines in der Europa League erzielt.

Auch Danny da Costa und Filip Kostic, die beiden Flügelspieler, haben sich schon in die Torschützenliste eingetragen. Evan Ndicka, der gegen die Bayern hinten links verteidigte und seine Sache prima erledigte, hat ferner schon entscheidend getroffen, im Auswärtsspiel bei Vitoria Guimaraes erzielte er per Kopf, auch nach einer Ecke, das siegbringende 1:0.

Dazu treffen die Stürmer sehr verlässlich, zwölfmal haben Bas Dost, André Silva und Goncalo Paciencia ihre Pflicht in der Liga erfüllt. Allein die Mittelfeldspieler tun sich mit dem Toreschießen noch schwer, von den 21 Treffern in der Liga, haben Sebastian Rode und jetzt Djibril Sow nur je einmal getroffen, Gelson Fernandes, Dominik Kohr oder Daichi Kamada noch gar nicht. Da ist Luft nach oben.

Von Thomas Kilchenstein und Ingo Durstewitz

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