1. Startseite
  2. Eintracht

Eintracht Frankfurt: Ohne Rüstung und Extra-Booster in Köln

Erstellt:

Von: Ingo Durstewitz

Kommentare

Das Schlüsselduell in Köln: Hinteregger vs. Modeste. Foto: Imago images
Das Schlüsselduell in Köln: Hinteregger vs. Modeste. © imago images/Sven Simon

Der hessische Bundesligist will bei den brachialen Kölnern endlich den Trend umkehren und benötigt dazu allerdings einen Martin Hinteregger in seiner alten Verfassung.

Frankfurt - Dass der frühere Stürmer und heutige Trainer Steffen Baumgart kein gewöhnlicher Typ ist, dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben. Der etwas andere Bundesligacoach kommt laut, unverstellt und breitbeinig daher, trägt eine Kult gewordene Schirmmütze und lässt sich schon mal von der Tochter im Wohnzimmer filmen, wenn er aus der coronabedingten Isolation vor dem Fernseher derart exaltiert mit seiner Kölner Mannschaft fiebert, dass ihn nicht mal Familienhund Jory bremsen kann. Was den Frankfurter Kollegen Oliver Glasner aber am meisten beeindruckt? „Ich bewundere ihn, dass er bei minus fünf Grad mit einem kurzen Leibchen im Stadion steht“, verrät der Eintracht-Trainer schmunzelnd, vom Typ her eher Frostbeule. „Er muss mega-viel Energie von innen heraus haben.“

So spielt auch Baumgarts Mannschaft: Hauruck, Attacke – stets nach vorne. „Immer Druck auf den Gegner, immer Pressing“, zählt Glasner auf. „Sehr schnelles Spiel, mutiges Spiel von hinten heraus.“ Genau diese Spielweise falle den Rheinländern „ab und zu auf den Kopf“, wie der Fußballlehrer analysiert. Aber vom eingeschlagenen Weg lassen sich die Kölner durch ein paar vermeidbare Gegentore mehr oder weniger nicht abbringen.

Eintracht Frankfurt zu Gast beim 1. FC Köln

Glasner erwartet daher am Samstag (18.30 Uhr/Sky) in Müngersdorf ein rassiges Spiel ohne Atempausen. „Das wird Vollgasfußball von der ersten bis zur letzten Sekunde. Wir haben aber schon gezeigt, dass wir da Paroli bieten können.“ Die Trainingswoche sei, natürlich, „sehr intensiv und knackig“ gewesen.

Für die Eintracht, 31 Punkte, geht es darum, den Anschluss nach oben zu halten und den Trend der Rückserie umzukehren, denn einem Sieg aus fünf Spielen stehen drei Niederlagen gegenüber – das ist nicht das, was sich die Frankfurter nach dem starken Schlussspurt im alten Jahr ausgemalt hatten. Die Eintracht sollte die Partie also möglichst für sich entscheiden, will sie nicht im Niemandsland versinken – zumal in acht Tagen die Bayern kommen, und ewig werden die sich nicht in der Bochum-Salzburg-Form präsentieren.

Die Aufgabe in Köln wird schwierig genug, weil der FC mit 32 Zählern gut im Rennen liegt, Platz acht, Tuchfühlung nach oben. Andererseits tut sich die Eintracht auswärts leichter als zu Hause. Es liegt ihr mehr, wenn der Gegner mitspielt und nicht die ohnehin dichten Räume bis zur Unkenntlichkeit verengt.

Eintracht Frankfurt: Hasebe fraglich

In den letzten beiden Heimspielen, 0:2 gegen Bielefeld, 0:2 gegen Wolfsburg, kam das Team auf eine Ballbesitzquote von mehr als 60 Prozent. „Wir waren sehr dominant“, schlussfolgert der Trainer. Allerdings ohne Zielstrebigkeit und Effizienz im Strafraum. Insofern könnte die Auswärtspartie ein Vorteil sein – genauso wie der konsequent-brachiale Ansatz des 1.FC Köln.

Überraschenderweise ist Glasner mit den Auftritten in der Rückrunde gar nicht so unglücklich wie es die Punktausbeute glauben machen könnte. Der Coach zieht zur näheren Betrachtung die Partie in Mönchengladbach aus dem Dezember heran, als seine Mannschaft 44 Minuten quasi nicht stattgefunden, aber in den entscheidenden Augenblicken die Tore gemacht habe. „Das Spiel jetzt gegen Wolfsburg war besser als das in Mönchengladbach.“ Doch was nun mal zählt, ist das Resultat: Gladbach - Eintracht 2:3, Eintracht - Wolfsburg 0:2. Noch Fragen?

Und doch glaubt Glasner, dass die Richtung stimme. In der Hinrunde habe seine Elf einfach viele Situationen zu ihren Gunsten gedreht. „Wir haben diese Momente noch immer, aber wir können sie nicht so verwerten. Ich sehe uns aber besser als in vielen Spielen der Hinrunde.“ Das ist trotz allem eine kühne These: Gerade in den letzten Wochen des alten Jahres war die spielerische Weiterentwicklung evident. Mittlerweile wird erneut zu häufig zurück oder quer gespielt, auch Torchancen sind wieder Mangelware, gegen Wolfsburg kam nur Jesper Lindström zu einer guten Gelegenheit.

Vieles, findet Glasner, liege aber auch einfach am letzten Pass, den falschen Laufwegen und auch dem fehlenden „Punch im Strafraum“. Ein Patentrezept gebe es freilich nicht. „Wir haben keinen Turbo-Boost-Knopf.“

Eintracht Frankfurt: Glasner stärkt Hinteregger den Rücken

Den könnte Martin Hinteregger, die so schwer ins Wanken geratene Abwehrsäule, gut gebrauchen. Glasner stärkt ihm demonstrativ den Rücken. Der 29-Jährige sei ein „introvertierter, sensibler Spieler“, der sich viele Gedanken mache, gerade weil die Eintracht für ihn nicht irgendein Verein sei. „Er ist sehr verwurzelt mit dem Klub“, deshalb gehe die Situation nicht spurlos an ihm vorbei. „Sie setzt ihm zu.“

„Hinti“ habe aber im Training eine klare Reaktion gezeigt. „Er kämpft darum, zu alter Form zu finden. Das ist das Wichtigste.“ Vieles spricht also dafür, dass Hinteregger eine neue Chance bekommen wird, und auch vor einem Duell mit der Kölner Tormaschine Anthony Modeste habe er, Glasner, „null Bedenken“.

Zumal Makoto Hasebe womöglich noch kürzertreten wird. „Es wird ein intensives Spiel mit vielen Flanken und Luftduellen“, sagt Glasner. „Da ist es wichtig, nicht bei jedem Sprung oder Rempler Schmerzen zu verspüren.“ Klingt eher nicht nach einem Startelfplatz für Makoto Hasebe, der auch auf einen Brustpanzer verzichtet. „Mit einer Ritterrüstung laufen wir nicht auf.“ (Ingo Durstewitz)

Auch interessant

Kommentare