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David Abraham (r-l), Timothy Chandler und Torwart Kevin Trapp sind auf dem Weg zum Trainingsplatz.

Das Coronavirus und die Eintracht

Eintracht Frankfurt ohne Fans gegen Basel: Jetzt doch Geisterspiele

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Das Frankfurter Gesundheitsamt entscheidet spät: Zur Eintracht-Partie gegen Basel dürfen keine Fans kommen.

Abends um halb sieben gab es endlich Gewissheit. Nach langem Hin und Her, nach Gerüchten, Halbwahrheiten und einer morgendlichen Pressekonferenz, die wenige Stunden später in weiten Teilen überholt war, verkündete der Frankfurter Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne): Das Europapokalspiel der Eintracht wird heute (18.55 Uhr/live auf Dazn) wegen des Corona-Virus Sars-CoV-2 ohne Zuschauer ausgetragen. Also doch ein Geisterspiel, so wie es viele seit dem Wochenende befürchtet hatten, als Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) empfohlen hatte, alle Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern abzusagen.

Eintracht Frankfurt: Alles kam ganz anders

Noch am Morgen wollte die Stadt Frankfurt dieser Empfehlung ausdrücklich nicht folgen. Angesichts der vergleichsweise geringen Zahlen von Corona-Infizierten in Frankfurt und in Basel sei die statistische Wahrscheinlichkeit, sich im Stadion zu infizieren, „gleich Null“, hatte der Virologe und Leiter des Frankfurter Gesundheitsamtes, René Gottschalk, gesagt. Diese Einschätzung sei für ihn Grundlage für die Entscheidung, dass das Spiel mit Zuschauern stattfinden kann, teilte Stefan Majer mit. Gottschalk hatte am Morgen in seiner ersten Pressekonferenz zudem noch von „einem nicht gefährlichen Virus für junge Leute“ gesprochen. Diese Auffassung vertrat er am Abend weiterhin.

Doch dann kam alles ganz anders. Zwar sei die Infektionslage mit 48 Fällen in Hessen (Stand: Mittwochabend) immer noch sehr überschaubar, sagte der hessische Sozialminister Kai Klose (Grüne). In der Schweiz und vor allem im südlichen Elsass in der unmittelbaren Nähe zu Basel sehe das aber ganz anders aus. So vermeldete die Schweiz einen Anstieg der Infektionen um 35 Prozent, und das Robert-Koch-Institut stufte Teile des östlichen Frankreichs als Risikogebiet ein. Zudem habe die Weltgesundheitsorganisation WHO die Corona-Epidemie zur Pandemie hochgestuft. Auf diese Neubewertung habe die Stadt Frankfurt reagieren müssen, sagte Majer.

Zudem habe es vom Robert-Koch-Institut erstmals eine konkrete Handlungsempfehlungen für den Umgang mit Großveranstaltungen gegeben, sagte Majer. Danach sollen Zusammenkünfte von mehr als 1000 Personen abgesagt werden.

Eintracht Frankfurt reagiert gefasst

Bei Eintracht Frankfurt reagierte man gefasst auf die Entscheidung. „Das Gesundheitsamt ist nun zu einer anderen Einschätzung der Gefährdungslage als noch heute Morgen gekommen. Wir bedauern das sehr, aber wir haben auch stets betont, dass wir jede behördliche Anordnung auf Grund veränderter Voraussetzungen akzeptieren“, sagte Vorstand Axel Hellmann und betonte: „Die Gesundheit unserer Fans und Besucher hat absolute Priorität.“ Noch am Vormittag hatte Hellmann zahlreiche Auflagen vorgestellt, unter denen Fans das Spiel hätten besuchen dürfen. So forderte Hellmann Risikopatienten auf, nicht ins Stadion zu gehen. An den Eingängen sollte medizinisches Personal stehen, um Menschen, die Grippesymptome zeigen, anzusprechen und bei Bedarf zu untersuchen.

Viele Fans reagierten in den sozialen Medien sogar erleichtert auf den Ausschluss. In den vergangenen Tagen hatte es emotional geführte Debatten darüber gegeben, ob ein Stadionbesuch überhaupt zu verantworten wäre. Vermutlich wären heute Abend ohnehin zahlreiche Plätze im Stadion frei geblieben. Einen Tag vor der Partie hatte es noch etwa 1000 Tickets im freien Verkauf gegeben - eigentlich unüblich bei internationalen Auftritten der Eintracht. Derweil müssen einige Baseler Anhänger, die bereits am Mittwoch angereist waren, heute unverrichteter Dinge die Heimreise antreten.

Kein Bundesligaspiel vor Publikum

Keine Verwirrung gab es bezüglich des Bundesliga-Spiels der Eintracht gegen Borussia Mönchengladbach am Sonntag um 15.30 Uhr. Bereits am Vormittag stand fest, dass diese Partie ohne Zuschauer stattfinden würde. Auch das liegt in erster Linie an den Anhängern der Gastmannschaft, wie René Gottschalk erläuterte. So grenzt Mönchengladbach direkt an den Landkreis Heinsberg, der besonders von Corona betroffen ist. Am Mittwoch hatte es dort einen weiteren Todesfall gegeben.

Damit steht fest, dass am Wochenende kein Bundesligaspiel vor Publikum ausgetragen wird – auch nicht die Partie Union Berlin gegen Bayern München, über die es am Dienstag noch hieß, es gebe keine Einschränkungen.

Wie es nach dem Spiel gegen Gladbach weitergeht, sei völlig offen, sagte Hellmann und verwies auf das für den kommenden Montag geplante Treffen von Vertretern der 36 Vereine der ersten und zweiten Liga. Dabei soll es auch um die anstehenden Länderspiele gehen. Hellmann sagte, er würde es „gerne vermeiden“, Eintracht-Spieler auf Reisen zu schicken.

Als der Abend schon einigermaßen fortgeschritten und die Pressekonferenz im Gesundheitsamt fast beendet war, wurde René Gottschalk dann noch gefragt, ob auch nach den neuen Erkenntnissen die Ansteckungsgefahr im Stadion „gleich Null“ gewesen wäre. Groß wäre die Wahrscheinlichkeit nicht gewesen, „aber sie wäre doch vorhanden gewesen“.

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