Adi Hütter
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Ihm steht eine komplizierte Saisonvorbereitung bevor: Eintracht-Trainer Adi Hütter.

Vorbereitung

Eintracht Frankfurt: Nur zwei Wochen Volldampf

  • Daniel Schmitt
    vonDaniel Schmitt
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Am kommenden Montag steigen die Profis wieder in die Saisonvorbereitung ein, knapp fünf Wochen vor dem Bundesligastart. Eigentlich genug Zeit, sich einzugrooven. Doch der Schein trügt.

Während die Frankfurter Fußballer in dieser Woche noch mal an ihrem sommerlichen Teint arbeiten konnten – beispielsweise gemeinsam mit der Verlobten auf Mykonos (Kevin Trapp) oder den kickenden Kameraden auf Ibiza (David Abraham, Goncalo Paciencia, Timothy Chandler) – ist ein Ehemaliger längst raus aus dem Durchschnaufmodus: Mijat Gacinovic, jener Mittzwanziger, dessen Abschied aus Frankfurt nicht nur beim Spieler selbst, sondern auch bei vielen im Eintracht-Umfeld einiges Unbehagen hervorgerufen hatte, verließ da doch nicht nur ein netter Kerl, sondern auch ein fußballerischer Held aus näherer Vergangenheit den Klub gen Kraichgau.

Dieser Mijat Gacinovic also, innerhalb der vergangenen fünf Spielzeiten in 157 Pflichtspielen lediglich zehnmal als Torschütze für die Frankfurter auffällig geworden, erzielte tatsächlich während seines ersten Auftritts im Trikot der TSG Hoffenheim einen Treffer, einen wunderbaren noch dazu. Beim lockeren 7:1-Testspielerfolg des Bundesligisten gegen den Zweitligaabsteiger SV Wehen Wiesbaden beförderte er zum zwischenzeitlichen 5:0 eine scharfe Hereingabe per Hacke über die Linie. Nett gemacht. Für die Hoffenheimer war das Duell gegen den hessischen Drittligisten der Abschluss des ersten Vorbereitungsabschnitts, zuvor hatte das Team des neuen Trainer Sebastian Hoeneß bereits knappe zwei Wochen an der Form gearbeitet, ab Sonntag steht in Phase zwei ein einwöchiges Trainingslager am Tegernsee an.

Gacinovics Ex- und Herzensverein, die Eintracht aus Frankfurt, verzichtet dagegen wegen des Sonderspiels Anfang August in der Europa League beim FC Basel diesmal auf ein Übungscamp in der Fremde; zu viel Aufwand in Corona-Zeiten. Sie wird sich stattdessen ab Montag – und nicht wie von Trainer Adi Hütter ursprünglich angekündigt schon ab dem heutigen Samstag – an der eigenen Arena im Stadtwald auf die am 19. September mit dem Heimspiel gegen Bielefeld beginnende Bundesligarunde vorbereiten. Es bleiben rund vier Wochen bis zum Auftakt, vermeintlich genug Zeit für einen körperlichen Formaufbau samt Renovierung des Spielstils – und doch auch wieder nicht. Denn zum einen steht eine knappe Woche vor dem Ligaspiel gegen die Arminia noch das Erstrundenduell im DFB-Pokal auf dem Plan, zum anderen sprengt ein Länderspiel-Slot Anfang September jegliche bisher bekannten Vorbereitungs-Mechanismen.

Länderspiele im September

In zwei Wochen nämlich, kurz nach dem Frankfurter Testkick am 29. August bei Ajax Amsterdam, reisen die Nationalspieler zu ihren jeweiligen Teams. Die einen sind dann in der Nations League gefordert: Kevin Trapp mit Deutschland, Djibril Sow und Steven Zuber mit der Schweiz, Martin Hinteregger und Stefan Ilsanker mit Österreich, Filip Kostic mit Serbien, Frederik Rönnow mit Dänemark, André Silva und Goncalo Paciencia mit Portugal. Die anderen vertreten ihre Nachwuchsländerauswahlen in EM-Qualifikationspartien: Ragnar Ache die deutsche, Dejan Joveljic die serbische, Evan Ndicka die französische Auswahl.

Sollten tatsächlich all diese Spieler, zwölf an der Zahl, von ihren Nationaltrainern auch nominiert werden, bleibt Eintracht-Coach Hütter kaum Personal übrig, mit dem sich in dieser Zeit ein konstruktives Training gestalten ließe – ganz zu schweigen vom Üben taktischer Varianten. Dafür sollten schließlich die Stammkräfte anwesend sein. Dabei hatte Adi Hütter nach dem Europapokal-Aus in Basel verheißungsvoll verkündet: „Wir haben nun die Möglichkeit, uns ein bisschen anders auf die Saison vorzubereiten.“ Anders schon, aber auch ausreichend?

Klar ist, dass die Eintracht nach der Tingeltour durch Europa im vergangenen Sommer auch diesmal wieder mitten in einer komplizierten Vorbereitung steckt. Knappe zwei Wochen Volldampf bis Anfang September stehen den Spielern nun bevor, allzu spektakuläre Veränderungen dürfen jedoch nicht erwartet werden. Die zerstückelte Vorbereitung (Europa-League-Spiel, Sondersommerurlaub und Länderspielpause) wird vielmehr dazu führen, dass sich die Mannschaft erst während des laufenden Spielbetriebs so richtig eingrooven kann. Adi Hütter wird geduldig bleiben müssen und nur Stück für Stück seine fußballerischen Vorstellungen implementieren können.

Bis Weihnachten stehen den Frankfurtern 13 Ligaspiele bevor, zudem sind zwei Pokalpartien möglich sowie zusätzlich bis zu acht Begegnungen für die Nationalspieler. Ein sattes Programm, zumal es im kommenden Jahr quasi ohne Winterpause ab dem 2. Januar wieder weitergeht. Maximal sind für die Frankfurter Profis in der anstehenden Saison (ohne Länderspiele) immerhin 40 Pflichtpartien möglich.

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