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Eintracht Frankfurt: Nur ein Stürmchen

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Von: Thomas Kilchenstein, Ingo Durstewitz

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Trifft vorne nicht, kommt hinten zu spät: Eintracht-Angreifer Paciencia (re.) verliert das Duell mit Freiburgs Matchwinner Petersen.
Trifft vorne nicht, kommt hinten zu spät: Eintracht-Angreifer Paciencia (re.) verliert das Duell mit Freiburgs Matchwinner Petersen. © AFP

Eintracht Frankfurt ist im Angriff einfach zu harmlos, um sich noch seriöse Chancen auf das internationale Geschäft auszurechnen.

Nach einer guten Stunde war der Arbeitstag von Rafael Borré an diesem Sonntag beendet, 63 Minuten lang rackerte und ackerte der Stürmer allein im Zentrum, wie so häufig: ohne Erfolg. Er war sauer über seine Auswechslung, da hatte der Kolumbianer wenig Interpretationsspielraum gelassen. Zornig stapfte er vom Feld, wütend zog er sich die Trainingsjacke an, unwillig nahm er auf der Bank Platz. Es war nicht so ganz klar, ob er wegen der Auswechselung angefressen war oder wegen seiner Leistung, die mal wieder allenfalls bemüht war. Aber am grundsätzlichen Problem ändert es ja nichts: Rafael Borré tut viel für die Mannschaft, das ist aller Ehren wert, er reibt sich auf und läuft von Pontius zu Pilatus, aber seiner Kernaufgabe als Stürmer kommt er zu selten nach: Tore schießen. Sein letztes Bundesligator erzielte er beim 4:1-Sieg bei Hertha BSC, das war Anfang März, davor hatte er Mitte Januar gegen Augsburg getroffen. Seine Ausbeute ist einfach zu schwach.

Dieses Thema zieht sich schon eine lange Weile durch Frankfurter Analysen: Die Angriffsreihe ist insgesamt zu harmlos vor dem gegnerischen Tor, es fehlen Stürmer, die zumindest eine gewisse Torgefahr ausstrahlen. Und da ist der Nationalspieler sogar noch die löbliche Ausnahme, immerhin hat er trotz akuter Ladehemmung in 29 Bundesligapartien sieben Treffer markiert und fünf vorbereitet.

Trotzdem hat auch die Partie gegen den SC Freiburg (1:2) erneut gezeigt, wie entscheidend Effizienz ist. Die Breisgauer hatten deutlich weniger Möglichkeiten als die Gastgeber, sie schlugen weniger Flanken in den Strafraum, aber eine gut getretene (von Christian Günter) reichte einem Vollblutstürmer wie Nils Petersen zum Siegtreffer. Borré schoss zweimal ans Außennetz - und das war schon besser als in den letzten Spielen. Da blieb er oft ganz ohne Abschluss.

Immerhin zwei Abseitstore

Kapitän Sebastian Rode hat dieses Defizit natürlich längst erkannt: „Das große Problem der Saison ist: Uns fehlt die Kaltschnäuzigkeit.“ Immerhin schafften die Frankfurter dieses Mal zwei Abseitstore, das erste von Jesper Lindström war unstrittig, beim zweiten (86.) stand der eingewechselte Daichi Kamada vielleicht fünf Zentimeter im Abseits. Auch der Japaner hat in dieser Runde nicht an seine letztjährige Torgefährlichkeit anknüpfen können: In der vergangenen Saison kam er auf fünf Tore und 15 Vorlagen, in dieser Runde stehen bislang drei Tore und zwei Assists in seiner Statistik.

Dazu kommt, dass die Konkurrenz im Sturm ebenfalls keinen Druck ausübt. Goncalo Paciencia konnte in seinem halbstündigen Auftritt nicht überzeugen, im Gegenteil. Er bestätigte, dass es besser ist, ihn nicht von Anfang an zu bringen. Sam Lammers, als Zielspieler von Atalanta Bergamo ausgeliehen, wird nicht einmal eingewechselt, wenn ein Rückstand aufgeholt werden muss, Ragnar Ache steht nicht mal im 20-Mann-Kader.

Immerhin war die Vorstellung von Jens Petter Hauge ein kleiner Hoffnungsschimmer. Der Norweger, bislang allenfalls als Einwechselspieler eingesetzt, vermochte sich im zweiten (besseren) Abschnitt deutlich zu steigern, nicht nur wegen seiner schönen Vorarbeit vor dem 1:1. Trainer Oliver Glasner bescheinigte ihm „ein sehr, sehr positives Startelf-Comeback“. Er habe vieles probiert, sei trotz fehlender Spielpraxis 13,2 Kilometer gelaufen. „Für mich kam das nicht überraschend“, lobte Glasner. Ein Knipser ist aber auch der Haaland-Freund nicht. Mit einem Torjäger, so viel steht fest, hätte Eintracht Frankfurt laut ans Tor nach Europa klopfen können.

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