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Pechvogel auf dem Hosenboden: Torwart Frederik Rönnow hat sich erneut verletzt und wird Eintracht Frankfurt viele Wochen nicht zur Verfügung stehen. 

Rönnow verletzt

Eintracht Frankfurt: Notstand unter der Latte

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Torwart Frederik Rönnow fällt bei Eintracht Frankfurt mehrere Wochen aus, dafür führt Trainer Adi Hütter ein „supertolles Gespräch“ mit Ante Rebic.

Beim Frankfurter Fußballlehrer Adi Hütter ist das Glas stets halbvoll. Er ist ein positiv denkender Mensch, zumindest öffentlich, und weil er weiß, dass Trübsal blasen in Krisenzeiten eher kontraproduktiv auf ein Kollektiv wirkt, sagt er tapfer: „Ich blicke grundsätzlich immer nach oben.“ Der Eintracht-Trainer sagt das unmittelbar nachdem er einen Tag vor dem Bundesligaspiel gegen den vom Abstieg bedrohten 1. FC Köln (20.30 Uhr, Eintracht Frankfurt gegen Köln im Liveticker) im eigenen Stadion gerade ein paar gravierende personelle Ausfälle an sensibler Stelle zu verkünden hatte: Für eine „längere Zeit“ wird Torwart Frederik Rönnow ausfallen, der sich am Sonntag beim Spiel auf Schalke (0:1) ohne Einwirkung des Gegners zu Beginn der zweiten Halbzeit bei einem Abstoß einen Sehnenanriss im Oberschenkel zugezogen hatte.

Nach dem Spiel klagte der Schlussmann, der ohnehin der Vertreter des verletzten Kevin Trapp ist, über Schmerzen, ein MRT ergab diese Diagnose, die den Dänen fürs Erste auf Eis legt. „Mehrere Wochen“ werde er ausfallen, sagt Hütter, vermutlich bis zu sechs.

Eintracht Frankfurt mit Felix Wiedwald im Tor

Heute Abend wird Felix Wiedwald das Frankfurter Allerheiligste hüten. Wiedwald, Torwart Nummer drei, musste zuletzt Ende November im Spiel gegen den VfL Wolfsburg (0:2) ins Tor und verschuldete prompt einen Treffer. Immerhin schreitet der Heilungsprozess bei Stammkraft Trapp schneller voran als geplant. Der Ballfänger, der sich Ende September einer komplizierten Schulteroperation hatte unterziehen müssen, trainiert seit Montag vorsichtig mit der Mannschaft. „Ich bin wieder auf dem Platz. Darauf habe ich lange gewartet“, jubelt Trapp, er fühlt sich bereit: „Ich bin in einer sehr guten Verfassung. Gefühlt war ich noch nie so fit wie jetzt.“ Womöglich muss der Nationaltorhüter früher wieder ran als geplant, das erste Spiel in der Rückrunde ist am 18. Januar bei der TSG Hoffenheim. Die Verletzung wirft Rönnow, der einen guten Job unter der Latte gemacht hatte, natürlich zurück; ohnehin scheint der dänische Nationaltorwart recht verletzungsanfällig zu sein. Kurz nach seiner Verpflichtung im Sommer 2018 verletzte er sich am Knie, Trapp wurde ausgeliehen. Dann, als Trapp zurück nach Paris musste, fiel Rönnow wegen Schulterproblemen aus, später zwickte der Rücken.

Eintracht Frankfurt muss lange auf Lucas Torro verzichten

Aber Rönnow ist nicht der einzige, der das Schalke-Spiel nicht unbeschadet überstanden hatte. Lucas Torro, der in den letzten Minuten kaum noch laufen konnte und deshalb unmittelbar vor Schluss auch die große Ausgleichschance nicht hatte nutzen können, hat sich einen Innenbandriss im Knie zugezogen. Er muss operiert werden und fällt drei Monate aus. Der Spanier war gerade dabei, sich mühsam wieder näher an die Mannschaft heran zu kämpfen, auf Schalke stand er erstmals in der Bundesligasaison in der Startformation.

Times Mager zur Nübel-Attacke: Ariel Nübel

Dagegen hat Mijat Gacinovic das „fürchterliche Foul“ (Hütter) von Torwart Alexander Nübel, der dafür für vier Spiele gesperrt wurde, erstaunlich gut weggesteckt, eine Schramme quer über der Brust und eine Rippenprellung hat er davongetragen. „Eigentlich fast ein Wunder, dass er ein Thema sein könnte. Er will unbedingt dabei sein“, sagt Hütter, der auch weiter mit Stürmer Bas Dost rechnen kann, der die Partie in Gelsenkirchen „sehr gut überstanden“ habe. „Er sprüht vor Ehrgeiz und Optimismus“, sagt der Österreicher, Schmerzen an der Leiste verspüre Dost nicht.

Eintracht Frankfurt gegen Köln ist wieder einmal ein Schlüsselspiel

Die Partie heute Abend im bislang noch nicht ausverkauften Stadion hat für Hütter „eine unglaublich große Bedeutung.“ Im letzten Heimspiel nach einem „sehr schönen und sehr langen Jahr 2019“ wolle man endlich „zurück auf die Siegerstraße kommen“. Das ist angesichts von lediglich einem Sieg aus den letzten acht Begegnungen bei sechs Niederlagen auch zwingend erforderlich, selbst wenn die Aufgaben in den letzten beiden Spielen der Hinserie gegen den Tabellenvorletzten (Köln) und am Sonntag gegen den Letzten (SC Paderborn) gerade für die Hessen arg kniffelig zu werden drohen. „Wir müssen nicht um den heißen Brei herum reden: Wir haben zu wenig Punkte geholt und befinden uns in einer sehr unangenehmen Phase“, sagt Hütter und will „die Drucksituation“ gar nicht klein reden. „Wir nehmen sie an“. Einfach werde es nicht, sich aus der misslichen Lage zu befreien, „wir werden 90 Minuten Kampf anbieten müssen“ und eine „Europacup-Stimmung“ benötigen.

Ante Rebic „nicht im Bösen gegangen“

Dass die Mannschaft aber trotz des Sturzes auf Tabellenplatz zwölf weiterhin intakt und „eine tolle Truppe“ sei, lasse sich auch daran ableiten, dass sich elf Spieler in dieser Woche gemeinsam beim Nobelasiaten in der Frankfurter Innenstadt zum Essen trafen - mit dabei in trauter Runde: Ante Rebic. Der Stürmer, glücklos beim AC Mailand, nährte damit Gerüchte um eine mögliche Rückkehr nach Frankfurt. Zumal Trainer Adi Hütter „zufällig“ an diesem Tag im gleichen Restaurant weilte und die Gelegenheit nutzte, 20 Minuten mit ihm zu reden. „Es war ein supertolles Gespräch“, berichtet der 49 Jahre alte Fußballlehrer, „der Kontakt ist ja nie abgerissen“. Hütter habe Rebic in diesem Gespräch als „sehr geerdet, sehr ruhig und sehr klar im Kopf“ empfunden. Er sei nicht „im Bösen gegangen“. Rebic habe sich „gefreut, seine ehemaligen Jungs zu sehen“. Außerordentlich „harmonisch“ habe er, Hütter, das Spielertreffen erlebt.

Natürlich stellt sich da die Frage, ob Ante Rebic in der Tat wieder ein Thema werden könnte bei Eintracht Frankfurt. Dass er sich in Mailand nicht wohl fühlt, ist ein offenes Geheimnis, dass die Eintracht ihn gut gebrauchen könnte, ebenfalls. Ohnehin kann er in dieser Saison im Winter nur an die Hessen und an keinen anderen Klub verliehen werden. „Ante Rebic wird zurückkommen“, sagte Hütter grinsend, „nur wann, weiß ich nicht.“

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