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Jubel über einen Ausgleich ist bei der Eintracht fast schon zur Routine geworden, wie hier nach Sebastian Rodes 1:1 gegen Werder.

Ausblick für die SGE

Eintracht: Langweilige Saison droht - Wochen der Wahrheit stehen bevor

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Der SGE droht eine eher langweilige Bundesliga-Saison. Doch zunächst folgen die Wochen der wahrheit.

Nach dem langen freien Wochenende wird es ein bisschen dauern, ehe der Frankfurter Trainer Adi Hütter all seine Profis wieder komplett im Training beisammen hat. Daichi Kamada etwa spielt am Dienstag noch mit der japanischen Nationalmannschaft in Tadschikistan, das könnte mit der Rückkehr und dem Jetlag knapp werden mit dem Einsatz im nächsten Bundesligaspiel, das bereits am Freitagabend ist, um 20.30 Uhr stellt sich Bayer Leverkusen im Stadtwald vor. Ob Kamada da wieder alle Kräfte beisammen hat? Die frühe Terminierung ist für Eintracht Frankfurt nicht optimal, zumal die Hessen elf Nationalspieler abstellen mussten, einen Tag mehr Ruhe wäre nicht verkehrt gewesen.

Wochen der Wahrheit für die SGE

Aber es geht ohnehin Schlag auf Schlag, die Wochen der Wahrheit folgen. Am darauffolgenden Donnerstag empfangen die Frankfurter in der Europa League Standard Lüttich, Hauptgegner im Kampf um Gruppenplatz zwei, danach kommt es knüppeldick: Gladbach, Bayern, Freiburg, Wolfsburg, allesamt vor den Hessen platziert, dazwischen steht das Rückspiel in Lüttich an und das Pokalspiel bei St. Pauli.

Hütter hat schon Recht, als er den beiden verlorenen Punkten im Spiel gegen Werder Bremen (2:2) nachtrauerte, mit einem Sieg hätte man „sich den oberen Plätzen annähern können“, so ist man nach sieben Spieltagen genau in der Mitte, elf Punkte, Platz neun, 11:10 Tore, das ist Mittelmaß, Niemandsland, nicht schlecht, aber auch nicht top. Ein bisschen ahnt Hütter wohl, dass das in diesem Jahr noch ein wenig schwerer werden wird als es ohnehin ist für einen Klub wie Eintracht Frankfurt, unter die ersten Sechs zu kommen und erneut, dann zum dritten Mal in Folge, international spielen zu können. Selbst wenn man die „großen Ambitionen“ von Vorstand Fredi Bobic und Hütter kenne.

Seit Freitag halten sich 30 Fans von Eintracht Frankfurt im ehemaligen nationalsozialistischen Ghetto Theresienstadt auf. Dort werden sie bei mehreren organisierten Führungen und Gesprächsrunden das Ghetto, in das einst auch Vereinsmitglieder deportiert wurden, kennenlernen. Dabei ist auch Eintracht-Anhänger Helmut Sonneberg. Der heute 88-Jährige wurde als Kind noch 1945 ins Ghetto deportiert und soll den Teilnehmern seine Erinnerungen schildern. Die Busfahrt ist der Abschluss des Projekts „Frankfurt – Theresienstadt – Eine Spurensuche“ der Fanbetreuung und des Eintracht-Museums. (FR)

Dazu scheinen derzeit die acht weiter vorne platzierten Teams - mit Ausnahme des SC Freiburg - zu stabil und zu stark. Es sind ja im Grunde all jene Mannschaften vorne dabei, die alle Welt vor der Saison auch dort verortet hatten. Eintracht Frankfurt, Werder Bremen, Hertha BSC, TSG Hoffenheim schließen sich an, dahinter geht es gegen den Abstieg. 

SGE droht Langeweile

Es könnte aus Frankfurter Sicht eine eher langweilige Saison drohen, nach oben und nach unten ist der Weg zu weit: Nicht gut genug für die Spitze, zu stark für Abstiegskampf. Bliebe immerhin die Europa League, die ein paar Highlights böte. Selbstverständlich haben die sportlich Verantwortlichen ein ähnliches Szenario auf dem Schirm. Klar, sagt Vorstand Axel Hellmann, habe man sich „die Top Ten dauerhaft zum Ziel gesetzt“, aber: „Man kann auch mal Elfter oder Zwölfter werden.“ Derzeit tritt Eintracht Frankfurt nicht so gewachsen, so kompakt, so stark auf wie im vergangenen Jahr, Eintracht tritt eher auf der Stelle. Die Wucht der vergangenen Runde fehlt, die Gnadenlosigkeit im Strafraum, das aktive Pressen, es fehlt einer, der, wie im letzten Jahr, auch mal aus einer halben Chance ein Tor macht. 

Deswegen glaubt etwa Bobic, dass manches einfacher wäre, wäre Eintracht Frankfurt nur in Führung gegangen. Rückständen nachzulaufen kostet viel Kraft. Von ihren sieben Spielen in der Bundesliga lagen die Frankfurter fünfmal 0:1 hinten. „Wir kriegen zu viele Gegentore“, krittelt Hütter. Das fällt auch deshalb entscheidend ins Gewicht, weil sich die Hessen aktuell so viel schwerer tun mit dem Toreschießen.

Eintracht Frankfurt: Filip Kostic schwächelt

Ein Problem ist weiterhin die Besetzung des Mittelfeldes, wenn die Eintracht weiterhin mit ihrem bewährten System mit zwei Außen und drei Abwehrspielern agiert. Spielen Gelson Fernandes, Djibril Sow und Sebastian Rode, steht das Frankfurter Gebilde insgesamt sicherer und defensiv besser, nach vorne entwickelt sich aber zu wenig Druck - die Spitzen sind von brauchbaren Bällen abgeschnitten. Spielen hingegen Sow, Rode und Kamada, befeuert das unzweifelhaft die Offensive, dafür brechen die Gegner wiederum zu leicht durch die abwehrenden Reihen. Und wenn dann zusätzlich der linke Flügel mit Filip Kostic aktuell etwas lahmt, bleiben eben viele gute gemeinte Aktionen im Ungefähren stecken. Gerade Kostic war in der vergangenen Runde der überragende Mann auf links, er war derjenige, der - neben den Sturmtrio - den Unterschied ausmachte.

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Aber womöglich kommt doch alles ganz anders: In der vergangene Runde bedeutete auch der achte Spieltag eine Zäsur für die Eintracht - da schlug man Fortuna Düsseldorf 7:1 und marschierte fürderhin nach oben. Dieses Mal fehlt ein wenig der Glaube.

Von Thomas Kilchenstein 

Am Donnerstag, 24. Oktober 2019, muss Eintracht Frankfurt in der Europa-League-Gruppenphase im heimischen Stadtwald gegen Standard Lüttich ran. So sehen Sie das Spiel live im TV und im Live-Stream.

Nach dem Spiel in der Europa League gegen Standard Lüttich am Donnerstag, 24.10.2019, wartet am Sonntag, 27.10.2019, mit Borussia Mönchengladbach der nächste schwere Gegner in der Bundesliga auf Eintracht Frankfurt. Verfolgen Sie das Spiel in unserem Live-Ticker

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