Hat bereits 100 Pflichtpartien für die Eintracht als Trainer absolviert, in nicht mal zwei Spielzeiten: Adi Hütter.
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Hat bereits 100 Pflichtpartien für die Eintracht als Trainer absolviert, in nicht mal zwei Spielzeiten: Adi Hütter.

Eintracht Frankfurt

Eintracht Frankfurt: Nicht safe, aber stolz

  • Daniel Schmitt
    vonDaniel Schmitt
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Die Frankfurter Eintracht will in Berlin einen Haken hinter ihre so wechselhaft verlaufene Saison machen. Derweil steht Adi Hütter vor seinem 500. Spiel als Trainer.

Während andernorts in Europa gerade erst wieder begonnen wird, sind in hiesigen Gefilden ja nur noch vier Spieltage zu spielen. Die Bundesliga nähert sich in riesengroßen Schritten ihrem Ende. Dennoch wird wohl kaum ein Trainer der deutschen Eliteklasse zweieinhalb Wochen vor dem finalen Kick schon so etwas wie ein Fazit ziehen, selbst wenn die sportliche Situation beruhigend erscheinen mag. Nein, das machen Fußballlehrer nicht, viel lieber denken sie bekanntlich von Spiel zu Spiel, von Gegner zu Gegner und im besten Fall auch von Sieg zu Sieg.

Eintracht Frankfurt muss kleinere Brötchen backen

Insofern sticht jene Wortmeldung, die Adi Hütter in dieser Woche wagte, tatsächlich heraus – selbst wenn sie nicht mehr und nicht weniger als realistisch war. „Wir haben jetzt fast zwei Jahre tolle Europa-Reisen hinter uns, wir spielen gerne international“, sagte der Trainer von Eintracht Frankfurt und fügte an: „In der nächsten Saison müssen wir aber wohl kleinere Brötchen backen.“ Die Aussage des 50-Jährigen implizierte gleich zwei Aspekte. Zum einen den nicht von der Hand zu weisenden Fakt, dass nach dem Aus im DFB-Pokal beim FC Bayern das Vordringen in die Europa League über den deutschen Cup-Wettbewerb nicht mehr möglich ist. Und zum anderen die Vermutung, dass das Erreichen von Rang sieben in der Liga für die Hessen nur noch rechnerisch möglich, aber nicht realistisch ist. Das hatte sich die Eintracht spätestens mit der unnötigen Niederlage gegen Mainz selbst eingebrockt.

So bleibt den Hütter-Schützlingen in den restlichen zwei Wochen eigentlich nur noch eines übrig: Sich irgendwie vernünftig aus dieser Saison zu verabschieden und nicht doch noch auf seltsamen Irrwegen in Abstiegsnöte zu geraten. Vor dem heutigen Auswärtsspiel bei der Berliner Hertha (15.30 Uhr) weist die Eintracht sieben Zähler Vorsprung auf den Relegationsrang und damit auf das alles andere als famos punktende Team von Fortuna Düsseldorf auf. Da sollte nichts mehr schiefgehen. Oder?

„Wir haben 35 Punkte und sind noch nicht safe. Es ist ganz wichtig, noch Siege einzufahren“, warnte Hütter gestern auf der Pressekonferenz, wenige Stunden bevor sein Team mit dem Flieger gen Hauptstadt abhob. „Es sind noch zweieinhalb Wochen, in denen wir alles raushauen müssen.“ In dieser Zeit stünden noch vier „unglaublich wichtige Bundesligaspiele“ auf dem Programm. „Wir nehmen diese Spiele sowas von ernst“, schob der Österreicher hinterher, um auch wirklich jeden Zweifel zu zerstreuen, seine Mannschaft könnte die Spielzeit womöglich in aller Ruhe ausklingen lassen.

Eintracht Frankfurt: Kostic zurück, Rode fehlt

Brunos Bilanz

Hertha-Trainer Bruno Labbadia will den Blick nicht auf die Europa-League-Ränge richten. Selbst nachdem die Teilnahme an der Qualifikation für den Wettbewerb bereits durch Platz sieben sicher wäre, übt sich der Coach in Zurückhaltung. „Ich bleibe dabei, wir machen uns wenig Gedanken, was in vier Spielen ist“, sagte Labbadia vor dem Duell gegen Eintracht Frankfurt. Auf Rang neun hat die Hertha fünf Punkte Rückstand auf die siebtplatzierte TSG Hoffenheim. „Wir lassen es auf uns zukommen“, betonte Labbadia. Die Bilanz des Trainers gegen die Eintracht kann sich mit elf Spielen ohne Niederlage sehen lassen, fünf davon gewann er. „Ich bin ja gebürtiger Hesse, vielleicht liegt es daran, dass ich ganz in der Nähe aufgewachsen bin“, sagte Labbadia, der aus Darmstadt stammt. (dpa)

Zehn Siege, fünf Unentschieden und 15 Niederlagen stehen in der bisherigen Bundesligasaison für die Eintracht zu Buche. Fast wöchentlich wechselten sich gute und schlechte Leistungen ab. Und teils nicht mal das: Selbst innerhalb der Spiele schafften es die Frankfurter nur selten, konstant zu agieren – auch jüngst in München folgte auf die schlechte erste Hälfte eine viel, viel bessere zweite. Woran diese wechselhaften Auftritte liegen? Mangelnder Wille sei es jedenfalls nicht, antwortete Hütter gestern in aller Deutlichkeit. „Das würde ich meiner Mannschaft nie absprechen, die Einstellung stimmt immer.“ Vielmehr sei es schlicht nicht einfach, stets über die vollen 90 Minuten Topspiele abzuliefern. „Auch die Bayern hatten am Mittwoch gegen uns eine schlechte zweite Hälfte“, erklärte Hütter.

Kaum schlechte Phasen hat zurzeit der kommende Gegner. Seitdem Bruno Labbadia in der Corona-Pause den Trainerposten bei der Hertha übernommen hat, spielen und punkten die Gastgeber konstant. Zehn Zähler aus fünf Partien sind eine erstaunliche Bilanz, plötzlich ist Ruhe eingekehrt in Berlin. „Bruno macht das absolut top“, lobte auch Hütter. Die Hertha habe unter Labbadia einen Schritt nach vorne gemacht. Vor allem sei sie taktisch „sehr diszipliniert“. Daher erwartet der Frankfurter Coach ein forderndes Spiel für seine Mannschaft, vor allem körperlich.

Eintracht Frankfurt: Nur zwei Tage Vorbereitung

Denn natürlich werden die Berliner frischer sein, hatten sie doch eine Woche Vorbereitungszeit, die Eintracht schlappe zweieinhalb Tage. „Das ist sicher ein Vorteil für die Hertha. Sie werden versuchen, uns physisch zuzusetzen“, sagte Hütter: „Diesen Kampf müssen wir annehmen.“

Ziemlich sicher wird der Coach deshalb personell auch rotieren und mehr oder weniger ausgeruhte Kräfte auf den Rasen schicken. Der im Pokal noch gesperrte Filip Kostic kehrt ohne Zweifel auf seinen angestammten Posten auf der linken Außenbahn zurück, ebenso ist ein Startelfeinsatz für den Ausgleichsschützen von München, Danny da Costa, auf der rechten Seite wahrscheinlich. „Danny hat sich nicht nur wegen des Tores in den Vordergrund gespielt. Es war auch sehr wichtig, dass er gut trainiert hat. Er hat seine Chance genutzt“, sagte Hütter, der dies auch vor der gesamten Truppe lobend kundgetan habe.

Kostic und da Costa also werden spielen, zudem haben die beiden Japaner Daichi Kamada und Makoto Hasebe große Chancen auf einen Einsatz von Beginn an. Schließlich erhöhen sie die spielerische Komponente im Eintracht-Spiel wesentlich, was zwingend notwendig erscheint, fehlt doch Mittelfeldgestalter Sebastian Rode gelbgesperrt. Zudem steht der nach seiner Oberschenkelblessur genesene Goncalo Paciencia nach einer Trainingswoche als Alternative für den Angriff zur Verfügung.

Für Adi Hütter ist das Spiel bereits sein 500. als Trainer (270 Siege, 95 Remis, 134 Niederlagen), zudem das 101. als Coach der Eintracht (47 Siege,18 Remis, 35 Niederlagen). Beachtliche Zahlen, die weitestgehend von Erfolg flankiert werden. Sowohl in Österreich als auch der Schweiz holte Hütter mit seinem Mannschaften die Meisterschaft, vergangenen Saison rauschte er schließlich mit der Eintracht furios über Europas Fußballplätze. „Es geht immer um Erfolg, deswegen darf man auch stolz sein, 100 Pflichtspiele für diesen tollen Verein gemacht zu haben“, sagte er gestern und schob noch hinterher: „Ich bin megastolz.“ Auch wenn die Brötchen bald ein wenig kleiner sein werden.

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