Der neue Eintracht Stürmer Ragnar Ache in einem U-21 Länderspiel gegen Belgien.
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Der neue Eintracht Stürmer Ragnar Ache in einem U-21 Länderspiel gegen Belgien.

SGE

Neuzugang Ragnar Ache hat klare Ziele bei Eintracht Frankfurt

  • Thomas Kilchenstein
    vonThomas Kilchenstein
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Der scheue Frankfurter Stürmer Ragnar Ache will vor allem eines: lernen und schlau sein.

  • Ragnar Ache mit seinem ersten öffentlichen Auftritt bei Eintracht Frankfurt
  • Neuzugang kommt von Sparta Rotterdam zur SGE
  • Ache begann mit dem Fußball in Neu-Isenburg

Sein letztes Spiel unter ernsthaften Wettkampfbedingungen hat Ragnar Ache am 11. Februar dieses Jahres gemacht, gegen ADO Den Haag. Sein Klub, Sparta Rotterdam, hatte 4:2 gewonnen, Ragnar Ache konnte sich kaum in Szene setzen, nach 55 Minuten war Feierabend, eine Oberschenkelverletzung zwang ihn zur Aufgabe. Bis zum coronabedingten Abbruch der Eredivisie machte der deutsche U21-Nationalspieler kein Spiel mehr. Bald sechs Monate also hat der erste und bislang einzige Neuzugang von Eintracht Frankfurt kein ordentliches Spiel mehr bestritten, nur trainiert, alleine, mit einem Trainer, gleichzeitig sein Berater, irgendwann auch wieder mit Sparta. Zum Schluss hat er sich auch mit Kickboxen fit gehalten. Vom Kickboxen lerne man, trotz Müdigkeit nie aufzugeben. „Du darfst nie aufhören.“

Eintracht Frankfurt: Erster öffentlicher Auftritt von Ache

Ragnar Ache sagt das jetzt auf dem Podium im Bauch der imposanten Arena im Stadtwald. Es ist sein erster öffentlicher Auftritt, und man merkt ihm an, dass er aufgeregt ist, fast schüchtern und sehr zurückhaltend, dass ihm das Frage- und Antwortspiel der Reporter nicht so zusagt. Seine Antworten sind kurz, fast spröde, dazu fühlt er sich, obzwar er in Frankfurt geboren ist und er mehr als zehn Jahre in Neu-Isenburg gelebt hat, in der holländischen Sprache sicherer. Er hat natürlich auch einen leichten Akzent. Also war es auch kein Wunder, dass sein erster Ansprechpartner in seinem neuen Klub der Riese Bas Dost war, ein Niederländer, mit dem konnte er auf holländisch reden. „Das ist einfacher für mich.“ Aber in den vier Tagen, in denen er bei seinem Lieblingsverein spielen darf, hat er schon gemerkt, dass das eine „gute Gruppe“ sei, die jeden Neuen unkompliziert integriere.

Das so scheue Auftreten des seit Dienstag 22 Jahre alten Angreifers mit ghanaischen Wurzeln passt so gar nicht zu den Sprüchen, die sein Berater Godwin Falix über seinen Schützling absondert. Er, Falix, hätte allen, die an den Fähigkeiten des Ragnar Ache gezweifelt hätten nur eines gesagt: „Er wird ein europäischer Starspieler. Ich habe Ragnar mit 15 Jahren das erste Mal gesehen und ich dachte mir: Das ist beispiellos.“ Ganz im Gegensatz zu Ache neigt Berater Falix nicht zum Understatement, sein Auftreten bei Eintracht Frankfurt hat auch bei Fredi Bobic zumindest eine gewisse Verwunderung hervorgerufen. Falix hatte den Sport-Vorstand unangebracht jovial nach der 1:3-Heim-Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach und den beiden sehr frühen Toren gefragt, was denn da los gewesen sei „in den sieben Minuten“.

Eintracht Frankfurt: Ache begann mit dem Fußball in Neu-Isenburg

Zumindest im öffentlichen Auftreten ist Ache, der einst bei der Spielvereinigung Neu-Isenburg von der G- bis zur E-Jugend kickte und im Alter von zehn Jahre mit Mutter und Schwester nach Rotterdam umzog, deutlich zurückhaltender. Sprüche haut er keine raus, das wäre auch nicht sonderlich schlau. Und schlau zu sein, das wolle er sich abgucken von den neuen Kollegen auch. Etwa von Bas Dost, der, wie er findet, nicht nur „stark spielt, sondern auch schlau ist“.

Ragnar Ache will in Frankfurt zunächst eines: lernen. Und sich an das andere Tempo, das andere Niveau erst einmal gewöhnen. Im Augenblick tastet sich der junge Mann vorsichtig heran, will nichts falsch machen. Er wolle noch keine persönlichen Ziele formulieren, sagt er. Aber am Samstag, gegen den AS Monaco, beim Testspiel gegen die vom früheren Eintracht-Coach Niko Kovac trainierten Franzosen, würde er schon furchtbar gerne spielen. „Ich habe die ganze Zeit trainiert, weil sie in Holland früh aufgehört haben zu spielen. Ich will gucken wie fit ich bin und wie gut ich bin“, sagt Ache. Zwei komplette Teams jeweils 45 Minuten will Trainer Adi Hütter da spielen lassen. Und wie gesagt: Ein halbes Jahr ohne Spielpraxis ist viel, da dürstet es einen nach dem Ball. Und Niko Kovac kennt Ache natürlich aus dem Fernsehen, der Pokaltriumph 2018, den hat er im TV verfolgt. Wie er ohnehin ziemlich viele Spiele von den Hessen gesehen hat: „Ich bin immer Eintracht-Fan gewesen“, erzählt er, seit frühester Kindheit, sogar auf einem Bild mit Alex Meier ist er drauf. Und als Fredi Bobic im Winter anrief und den Stürmer für zwei Millionen Euro aus Rotterdam lotste, „ist mein Traum in Erfüllung gegangen.“

Eintracht Frankfurt: Ache weiß, wo das Tor steht

Ob Ragnar Ache tatsächlich eine Rolle spielen kann im Konzept von Trainer Hütter, ist noch offen. „Die Verteidiger in der Bundesliga sind stärker als die in den Niederlanden“, weiß er, der bis 2025 unter Vertrag steht. Der muskuläre Mann, 1,87 Meter groß, hat seine Stärken im Kopfballspiel, er kann hoch springen, ist dazu schnell. In seiner letzten Saison, seiner ersten in der ersten Mannschaft des Tabellensechsten Sparta, hat er in 19 Spielen fünf Tore erzielt und drei aufgelegt, in seinem bislang einzigen Auftritt im DFB-Dress bei der U21 hat er gegen Belgien (2:3) ebenfalls gleich getroffen. Er weiß also, wo das Tor steht.

Andererseits ist die Konkurrenz mit Dost, André Silva, Goncalo Paciencia groß, auch Dejan Joveljic, zurückgekommener Leihspieler, will das Feld nicht kampflos räumen. Bei der Eintracht erhält Ragner Ache die Nummer 21 - die trug früher einmal Marc Stendera.

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