+
Dejan Jovelji nach dem Spiel gegen Tallinn.

Neuzugänge

Eintracht Frankfurt: Die neue Note der SGE

  • schließen

Die Eintracht-Zugänge Dejan Joveljic und Dominik Kohr wecken Hoffnungen.

Ziemlich genau sieben Minuten hat es gedauert, bis nicht nur der Ball im Netz zappelte, sondern auch Dejan Joveljic. Der 19 Jahre alte Angreifer von Eintracht Frankfurt war nach seinem entscheidenden Treffer zum 2:1 im Stadion von Flora Tallinn einfach durchmarschiert, hinter den Kasten, fast ungebremst der jubelnden Menge entgegen, direkt ins Fangnetz zwischen Spielfeld und Tribüne. Der Neuzugang ließ sich nach seinem Premierentor im Premierenspiel nach allen Regeln der Kunst abfeiern, inklusive intensiven Körperkontakts mit Teamkollegen und Fans. Da ist jemand richtig schnell angekommen bei der Eintracht.

Nachdem Joveljic in der 64. Minute zeitgleich mit Daichi Kamada aufs Feld geschickt wurde, um aus dem Unentschieden noch einen Sieg zu machen, bekam das Offensivspiel der Frankfurter eine neue Note. Es ist nicht so, dass die beiden Offensivakteure das Spielgeschehen nun an sich rissen, das wäre übertrieben, sie vermittelten aber doch ein wenig mehr Freude am Kicken als die zuvor enttäuschenden und zurecht ausgetauschten Goncalo Paciencia und Mijat Gacinovic. So hatte Joveljic auch in den Schlusssequenzen der Partie noch eine gute Möglichkeit, bei der er aber einen Tick zu lange verharrte und deshalb nicht noch einen zweiten Treffer beisteuerte. Ganz klar, das war ein Einstand nach Maß, der Hoffnung weckt.

Träumender Torro

„Wir müssen jetzt aufpassen mit dem jungen Burschen“, sprach Adi Hütter anschließend eine Warnung aus, nicht zu schnell zu viel vom Neuen aus Belgrad zu erwarten. Er könne zwar Tore machen, das habe er auch bei seinen vorherigen Stationen bewiesen. „Entweder hat man das Gefühl dafür oder man hat es nicht“, so der Trainer, „aber er ist sehr jung und wird seine Zeit brauchen.“ Vor allem ist er talentiert. Schon in den Trainingseinheiten hatte der serbische U21-Nationalspieler angedeutet, dass er reichlich fußballerisches Können mitbringt. Joveljic ist beweglich, technisch gut ausgebildet, und vor dem Tor ziemlich cool. Keine allzu schlechten Voraussetzungen für einen Angreifer, wenngleich ihm sicher noch das eine oder andere Muskelpolster am Körper fehlt.

Neben dem Moment des Tores, als natürlich auch Adi Hütter jubelte, bekam Joveljic bei einer zweiten, unscheinbareren Aktion ein Sonderlob vom Trainer übermittelt. In der finalen Minute des Spiels, als Tallinn auf den Ausgleich drückte und die Abwehr der Eintracht tief in den Sechzehner zurückdrängte, rannte Joveljic im Gegensatz zu Sturmkollege Ante Rebic von der Mittellinie im Vollsprint nach hinten, um die Zone vor dem Strafraum abzudecken. Hütters Reaktion: Daumen hoch.

Dominik Kohr - sofort integriert

Den gab es hinterher vermutlich auch für den zweiten Debütanten: Dominik Kohr. Der Ex-Leverkusener durfte von Beginn an ran. Er war sofort drin im Spiel – und offenbar schon jetzt voll akzeptiert von den Kollegen. Kohr dirigierte, fluchte auch mal laut, zog in den ersten fünf Minuten zweimal aufs gegnerische Tor ab. „Mit meiner Spielweise passe ich super rein“, sagte Kohr, der als Achter, also im zentralen Mittelfeld als Verbindungsspieler zwischen Defensive und Offensive, auch künftig viel Präsenz zeigen wolle. Er bringt vielleicht nicht die allerhöchste Fußballkunst mit, dafür Willen, Zweikampfstärke, auch eine hohe Schmerzgrenze, die ihm in manch deftigem Duell weiterhilft. Der 25-Jährige spielt in den Planungen von Hütter gewiss eine gewichtige Rolle, zumal der Schweizer Neuzugang Djibril Sow noch verletzt fehlt. „Dominik ist ein guter Junge mit dem Herz am richtigen Fleck“, sagte Hütter.

Lesen Sie auch: Eintracht Frankfurt in Tallinn - das Klassenbuch

Ein Position weiter hinten ist Lucas Torro anzutreffen – er ist nicht mehr ganz so neu und dennoch vor einem Neustart. Der Spanier hatte vergangene Runde wegen einer unangenehmen Adduktorenverletzung lange gefehlt, war erst im Saisonendspurt wieder dabei, da aber alles andere als topfit. Das hat sich mittlerweile geändert. Gegen Tallin spielte der 25-Jährige allein im defensiven Mittelfeld, und überzeugte. Nicht nur, dass Torro das sehenswerte 1:0 per Linksschuss erzielte und kurz vorher schon einmal einen satten Fernschuss abgesetzt hatte, er ging auch robust in die Zweikämpfe und zeigte ein sauberes Aufbauspiel. Etwas, das ihm manchmal gefehlt hatte in der Vergangenheit, einen groben Schnitzer schludert er ja meist in seine Spiele hinein.

Der Spielbericht: Joveljic köpft Eintracht Frankfurt zum Sieg

„Es ist ein Privileg, dass wir dieses Trikot überstreifen können“, sagte Torro, der von seinem Treffer gar nicht überrascht schien. Dabei war es nach dem Kopfballtor im Vorjahr bei Olympique Marseille erst der zweite im Frankfurter Dress. Aber, so Torro, „ich hatte vorher schon davon geträumt. Schön, dass das geklappt hat.“ Wie das nächtliche Kopfkino bei Dejan Joveljic verlaufen war, ist nicht übermittelt, nach seinem perfekten Einstand dürfte er jedenfalls hinterher ziemlich zufrieden eingeschlafen sein.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare