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Dietrich Weise gewann mit Eintracht Frankfurt zwei Mal den DFB-Pokal. Am Sonntag verstarb er im Alter von 86 Jahren verstorben.
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Dietrich Weise gewann mit Eintracht Frankfurt zwei Mal den DFB-Pokal. Am Sonntag verstarb er im Alter von 86 Jahren verstorben.

Nachruf

Ex-Eintracht-Trainer Dietrich Weise: Der ewige Pädagoge – Erinnerungen eines Wegbegleiters

Erinnerungen eines langjährigen Wegbegleiters an den außergewöhnlichen Ex-Trainer von Eintracht Frankfurt Dietrich Weise.

Frankfurt - Mag sein, dass es etliche Trainer wie Dietrich Weise im deutschen Spitzenfußball gab und noch gibt. Wenn überhaupt, dann waren und sind die im Ruhm- und Reichtum lockenden Feld äußerst rar. Keine Frage, dass auch Weise, der am Sonntag im Alter von 86 Jahren gestorben ist, eine Dosis Ego in seine Arbeit mitbrachte und einsetzte, um optimalen Erfolg zu erreichen. Doch die Art, wie er das tat und wie er damit umging, machte einen deutlichen Unterschied.

Es war 1974, als der Trainer mit der Frankfurter Eintracht in Düsseldorf im Finale gegen den Hamburger SV den DFB-Pokal gewann und am Abend im Hotel eine heftige Feier lief. Dietrich Weise huschte am Gewimmel der Euphorie fast fliehend vorbei. Ich fragte ihn: „Na, sind Sie jetzt glücklich?“ Er sah mich eher gereizt an: „Ach, lassen Sie mich doch in Ruhe!“ Dann verdrückte er sich in eine Ecke ganz weit hinten. Viel später, als ich ihm bei einem unserer vielen Kaffeetreffs das erzählte, schmunzelte er: „Ich habe darüber nachgedacht, was es nun zu bewältigen gab.“ Und das brachte dann im nächsten Jahr den nächsten Pokalsieg.

Dietrich Weise, Ex-Trainer von Eintracht Frankfurt, konnte seine Emotionen meist gut verbergen

Den Weg zum Erfolg zu suchen und ihn nach seinen Vorstellungen auch unerschütterlich zu gehen, war sein ganzes Ziel. Die Show für das Gelungene zu genießen, war sein Ding nicht. Selbst seine Emotionen wusste er meist gut zu verbergen. Wer in kritischen Momenten während eines Spiels Einblick hin zur Trainerbank hatte, durfte bestenfalls das leichte Trommeln mit der Hand auf Holz oder Stahl erwarten. Wenn das Team seine Wünsche erfüllte, blieb er visuell fast immer cool. Zu einer der wenigen „Freudensünden“ wurde nach dem ersten Pokalgewinn der Eintracht Besonderes geliefert: Hochgesprungen war der Trainer, die Arme triumphierend über Kopf und den Mund weit aufgerissen. „Ach. Bin ich das wirklich?“, lautete seine kopfschüttelnde Reaktion und es war, als würde ihn eine gewisse Scham durchlaufen.

Er wurde 1934 in Gröben (Sachsen-Anhalt) geboren und wusste wohl schon früh und genau was er wollte. Jedenfalls wurden diejenigen, die ihn kennenlernten, mit ruhiger aber harter Überzeugungskraft in seine Richtung gelenkt. Das galt zumindest in allen Fällen, wenn es um Fußball ging. Bei BSG Traktor Teuchern und BSG Fortschritt Weißenfels versuchte er (und konnte das auch) mit dem Ball erste Früchte ernten. Seinen „Umzug“ von der DDR über Berlin in die Bundesrepublik wagte er 1958, ohne seine später nachkommende Frau und seinem Sohn, arbeitete dann im Büro eines großen Industriebetriebs in Neckarsulm, wo man den 24-jährigen Mann bereits als talentierten Fußball-Mittelfeldspieler kannte. Weise spielte sodann bei der Spielvereinigung Neckarsulm und war dabei, als der Verein 1964 den Verbandspokal des Württembergischen Fußball-Verbandes gewann.

Eintracht Frankfurt: Dietrich Weise war ein nicht alltäglicher Fußball-Trainer

Was folgte, war die Tätigkeit als Spielertrainer bei VfR Heilbronn und dann die Ausbildung zur B- und A-Trainerlizenz in der Sportschule Köln. Hier traf er den bereits bekannten Trainer Otto Knefler, den er aus Halle kannte. Mit ihm ging er als dessen Assistent zum 1. FC Kaiserslautern und arbeitete hier von 1967 bis 1973. In der Bundesliga begann die Ära eines neuen Trainers mit neuer Aura. Den Pfälzern 1. FCK folgten Eintracht Frankfurt (1973 bis 76 und 1983-1986) sowie Fortuna Düsseldorf (1976 bis 1978). Alle samt mit stolzem Erfolg. Dazwischen (1978 bis 83) der Deutsche Fußball-Bund (DFB), mit dessen U-18- und U-20-Teams er die Europameisterschaft und in Australien die Junioren-WM gewann. Vereins-Titel in Ägypten und der Aufbau einer Nationalmannschaft in Liechtenstein bildeten 1996 den Abschied einer nicht alltäglichen Karriere eines nicht alltäglichen Fußball-Trainers.

Oft saßen wir zusammen. Ob in Argentinien, wo Dietrich Weise für den DFB die WM beobachtete, oder im Café an der Frankfurter Hauptwache und sonstwo in Europa. Immer diskutierten wir, der Trainer mit dem Journalisten, über aktuelle Entwicklungen des modernen Fußballs. Die Kritik war oft deutlich, für uns Journalisten im Sinne der Verbesserung auch notwendig. Das Pädagogische am Trainer war nicht zu überhören. Dass er und wie er seine Spieler behandelte, war deutlich. Selbst Weltmeister wie Bernd Hölzenbein und der mit den meisten Bundesligaspielen geadelte Karl-Heinz Körbel lobten Weises Erziehungsstil. „In persönlichen Gesprächen hat er mein Selbstvertrauen gestärkt und mich mental sehr weit gebracht“, sagte beispielsweise der oft launische Hölzenbein.

Dietrich Weise brachte sich überall im Fußball ein

Auch ein Spieler, der vor Abitur oder in der Uni-Prüfung stand, war dankbar, dass er von Weise für eine Weile trainingsfrei erhielt. Andererseits gab es Spieler, meist junge, die sich großartig fanden und als solche auf der Bühne auch gefeiert wurden, die locker rausposaunten: „Ich kann dem seine Reden nicht mehr hören!“ Das waren meist solche, die vom harten, peniblen Training nicht viel hielten, sondern eher mit ihrem Geld heftig pokerten.

Dietrich Weise war sich nicht zu stolz, seine Gedanken und Taten im Fußball nur ganz oben einzubringen. Einige Male hatte ich ihn zum Training mit Jungs in kleinen Klubs. Dann zu einer längeren Spielersitzung im Frauenfußball. Und als die Frauen der SG Praunheim ihr entscheidendes Spiel zur Aufnahme in die vom DFB 1990 gegründete neue Bundesliga hatten, stand er unter den Zuschauern und lobte den Erfolg.

Die letzte Zeit war weder leicht noch kurz für ihn. Als ich ihn vor einem Jahr zur Weihnachtsfeier des FR-„Schlappekickers“ abholen wollte, ging es ihm schon nicht mehr gut. Die Fahrt fiel aus. In einer Seniorenpflege kämpfte er lange, am Ende vergebens. (Von Dieter Hochgesand)

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