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Verkaufskandidat: Steven Zuber (rechts) im Gespräch mit Trainer Oliver Glasner.
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Verkaufskandidat: Steven Zuber (rechts) im Gespräch mit Trainer Oliver Glasner.

SGE

Eintracht Frankfurt: Weitere Neuzugänge trotz angespannter Finanzlage

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Eintracht Frankfurt steht vor der Verpflichtung eines Mittelfeldakteurs und eines Stürmers – muss aber Spieler abgeben.

Frankfurt - Am Mittwochvormittag wuselte der abtrünnige Amin Younes noch munter über den Trainingsplatz am Frankfurter Stadion; fast so, als sei nichts gewesen, fast so, als stünde er nicht vor einer Übersiedlung ins Morgenland. Doch ein Dauerzustand wird der Präsenzunterricht nicht sein, Amin Younes, 28, vor einigen Monaten noch mal kurz deutscher Nationalspieler, sitzt auf gepackten Koffern. Sein Wechsel nach Saudi-Arabien zu Al Shabab ist ausverhandelt, aber noch nicht abgeschlossen. Lange wird die Finalisierung freilich nicht mehr auf sich warten lassen.

Eintracht Frankfurt wird einen Gewinn von rund zwei Millionen Euro machen und die Gehaltskosten (zwei Millionen per annum) sparen. Das ist in Anbetracht der völlig verfahrenen Situation um den auf eine Veränderung drängenden Spieler ein annehmbares Geschäft – alternativlos sowieso. Das Tischtuch zwischen dem Offensivakteur und den Verantwortlichen ist zerschnitten.

Ging es nach der Sportlichen Führung würde der Younes-Abgang aber kein singulärer bleiben, denn es ist kein Geheimnis, dass der Verein gerne noch den einen oder anderen Akteur abgeben würde. Steven Zuber, EM-Assist-König, oder Goncalo Paciencia, der schalkegeschädigte Mittelstürmer, sind solche Kandidaten. Beide standen beim Bundesligaauftakt in Dortmund nicht im Kader, und sie werden bei Trainer Oliver Glasner auch keine große Rolle mehr spielen.

Eintracht Frankfurt: Steven Zuber will weg, aber wohin?

Interessant daher, dass Zubers Berater Milos Malenovic nun im Schweizer „Blick“ frank und frei mitteilte: „Steven wird die Eintracht verlassen.“ Wohin es den 30-Jährigen ziehen wird, ließ der Agent jedoch offen. Vor einigen Wochen wurden als mögliche Abnehmer schon mal Norwich City, Olympique Marseille und Dynamo Moskau gehandelt. Doch konkret wurde nichts. Nun soll der FC Venedig seine Fühler ausgestreckt haben. „Die geflügelten Löwen“ sind nach 19 Jahren Abstinenz in die Serie A aufgestiegen. Angeblich sollen sie bereit sein, 2,5 Millionen Euro Ablöse für den Nationalspieler zu bezahlen. Das Seltsame: In Frankfurt wissen sie von gar nichts, es gibt weder ein Angebot noch eine Anfrage. Das kann aber noch kommen. Es ist Usus, dass Vereine erst einmal das Interesse und die Bedingungen des Spielers (und dessen Agentur) ausloten und dann an den Klub herantreten. Die Eintracht wäre gewiss gesprächsbereit, denn Zuber gehört zu den Besserverdienern im Kader. Die Eintracht wäre froh, den Schweizer abgeben und die Kosten drücken zu können.

Auch Angreifer Paciencia sitzt auf einem gut dotierten Vertrag, der vor den Corona-Einschnitten abgeschlossen wurde. In Zeiten wie diesen gibt es aufgrund des vergleichsweise hohen Verdiensts für Spieler dieses mittleren Niveaus kaum einen Markt, weil zu viele Vereine zu viele dieser Profis beschäftigen. Für die Fußballer ist das noch eine vergleichsweise komfortable Situation, weil sie, so lange sie vertraglich gebunden sind, sich zumindest wirtschaftlich abgesichert sehen.

In dieser schwierigen Phase, da die Pandemie viele Klubs an den Rand des Abgrunds gedrückt hat, würden „normale“ Bundesligaspieler bei neuen Vereinen nicht mehr diese Konditionen aushandeln können. Daher ist der Wunsch nach Veränderung bei ihnen oftmals nicht besonders ausgeprägt. Im Fall Paciencia hat Werder Bremen Interesse bekundet, doch ob der absolut klamme Absteiger die wirtschaftlichen Voraussetzungen schaffen kann, ist zweifelhaft.

Ein klassischer Mittelstürmer soll noch zu Eintracht Frankfurt kommen

Zudem ist Eintracht Frankfurt dafür bekannt, ihre Angestellten gut zu behandeln, es herrscht im Team und um das Team herum ein gutes Klima, gerade erst ist der topmoderne Proficampus bezogen worden – da fehlt es an nichts. Und: In Frankfurt, der internationalen Stadt im Herzen von Europa, lässt es sich gut leben.

Eintracht Frankfurt wird ungeachtet möglicher Abgänge ihrerseits noch mal auf dem Transfermarkt zuschlagen, mit einem defensiven Mittelfeldspieler ist Einigkeit erzielt worden, der Neue wird dieser Tage vorgestellt. Eine notwendige Verpflichtung, weil dort das Personal sowohl nominell als auch qualitativ zu dünn besetzt ist. Verschärft wird die Situation durch die Knieblessur von Kapitän Sebastian Rode. Die Verletzungshistorie des 30-Jährigen ist bekannt und besorgniserregend.

Auch ein klassischer Mittelstürmer soll kommen. Mit dem 26 Jahre alten Brasilianer Carlos Vinicius von Benfica Lissabon ist die Eintracht recht weit, da geht es um eine Leihe mit anschließender Kaufoption. Und womöglich soll auch noch ein gestandener Mann für die Abwehr anheuern. Das ist eine Frage der Alternativen und des Geldes.

Eintracht Frankfurt erhält deutlich weniger TV-Geld

Ein gewisser Spielraum ist vorhanden, der soll ausgereizt werden, um die sportlichen Ambitionen nicht zu untergraben. Es ist ja nicht so, dass Finanzvorstand Oliver Frankenbach und der Aufsichtsrat auf Teufel komm raus einen rigiden Sparkurs fahren würden, aber Corona hat den Verein in die Defensive gedrängt und zu einem satten Verlust in Höhe von 45 Millionen Euro geführt. Da ist seriöses Wirtschaften und eine kaufmännische Betrachtungsweise angeraten und richtig. Die erfahrenen Funktionäre müssen abwägen, wie viel Risiko vertretbar und was möglich ist.

Reserven sind aufgebaut, das Eigenkapital ist durch eine Kapitalmaßnahme um 22 Millionen auf rund 30 Millionen aufgestockt sowie Transfererlöse für Spieler und Trainer erzielt worden.

Erschwert wird das Ganze aber durch die fehlende Planbarkeit der Einnahmen: Niemand kann vorhersagen, inwieweit die Stadien in dieser Saison ausgelastet werden dürfen. Damit steht und fällt aber eine klare Budgetierung. Es ist ein Spiel mit Unwägbarkeiten. Auch der neue, durch Corona geschrumpfte Fernsehvertrag ist für die Vereine eine Herausforderung. Die Eintracht etwa hat in der TV-Tabelle einen Platz gut gemacht und liegt auf Rang sechs. Das ist das beste Ergebnis aller Zeiten, doch sie wird nicht, wie zuletzt, knapp 80 Millionen Euro einstreichen, sondern deutlich weniger – weit mehr als zehn Millionen Euro. (Ingo Durstewitz)

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