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Blieb am Donnerstag wegen einer Sturmwarnung leer: Das Salzburger Stadion.

Spielabsage in der Bundesliga

Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt abgesagt - Kritik aus Bremen

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    Thomas Kilchenstein
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Die Bundesligapartie zwischen Werder Bremen und Eintracht Frankfurt am kommenden Sonntag wurde abgesagt.

Update, 28.02.2020,16.00 Uhr:Nach der Verlegung der Bundesligapartie zwischen Werder Bremen und Eintracht Frankfurt dürfte sich die Suche nach einem neuen Termin schwierig gestalten. Weil beide Mannschaften am Mittwoch im Viertelfinale des DFB-Pokals in Frankfurt bereits aufeinandertreffen, war eine Verlegung auf diesen Montag nicht möglich. In den Wochen danach ist die Eintracht im Falle eines Weiterkommens in Salzburg erst einmal wieder in der Europa League beschäftigt.

Werder Bremens Geschäftsführer Frank Baumann hat die Deutsche Fußball Liga für die Verlegung des Spiels kritisiert. „Es wird mit der Wettbewerbsintegrität argumentiert. Aus meiner Sicht ist jetzt ein Wettbewerbsnachteil der einen Mannschaft zum Nachteil einer anderen geworden“, sagte Baumann am Freitag. „Wir hätten mit einem Heimspiel in eine sehr entscheidende Woche starten können. Dieser Vorteil wurde uns genommen“, sagte Baumann. Deshalb hätte sich die abstiegsbedrohten Bremer auch gegen eine Neuansetzung der Partie ausgesprochen. „Wir haben deutlich gemacht, dass wir gegen eine Verlegung sind, aber wir hatten keine Möglichkeit, ein Veto einzulegen. Die DFL ist für den Spielplan verantwortlich und hat das letzte Wort“, sagte Baumann.

Update, 28.02.2020, 13.30 Uhr: Die Bundesligapartie zwischen Werder Bremen und Eintracht Frankfurt, deren Anpfiff ursprünglich am Sonntag um 18 Uhr erfolgen sollte, wurde abgesagt. Ein Nachholtermin steht noch nicht fest.

„Das ist die einzig richtige Entscheidung im Sinne eines fairen und sauberen Wettbewerbs. Auch der Montag wäre nicht die richtige Lösung gewesen“, sagte Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic.

Die Mitteilung der DFL im Wortlaut:

„Nach der Verlegung des UEFA-Europa-League-Spiels von Eintracht Frankfurt in Salzburg von Donnerstag auf den heutigen Freitag wird die DFL Deutsche Fußball Liga die Bundesliga-Begegnung SV Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt (ursprünglich Sonntag, 18 Uhr) neu terminieren. Damit bekräftigt die DFL ihre Linie, Bundesliga-Clubs nach Einsätzen in der Europa League möglichst mindestens zwei volle Tage Regenerationszeit vor dem darauffolgenden Bundesliga-Spiel einzuräumen und damit auch die Integrität des eigenen Wettbewerbs zu schützen. Dies wurde zum Beispiel auch in der vergangenen Saison in Bezug auf die Halbfinal-Teilnahme in der Europa League von Eintracht Frankfurt und in der Saison 2018/19 in Bezug auf die seinerzeit mögliche Halbfinal-Teilnahme in der Europa League von Borussia Dortmund beziehungsweise RB Leipzig entsprechend gehandhabt.

Mit Blick auf ausreichende Regenerationszeit sind zudem mit Beginn der Saison 2017/18 insgesamt zehn Entlastungstermine pro Spielzeit eingeführt worden, fünf davon am Montagabend. In diesem Fall ist eine Verschiebung des Bundesliga-Spiels auf Montag allerdings nicht zielführend, da beiden Clubs ansonsten lediglich ein voller Regenerationstag vor ihrem Aufeinandertreffen im DFB-Pokal-Viertelfinale (Mittwoch, 20.45 Uhr) bleiben würde. Die DFL steht bezüglich des neuen Spieltermins mit beiden Clubs, der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) und dem übertragenden TV-Sender Sky in Kontakt.

Angesichts der Termin-Enge im Rahmenterminkalender ist der späteste mögliche Nachholtermin für die Begegnung die Kalenderwoche 20 zwischen den Bundesliga-Spieltagen 33 und 34. Mögliche frühere Ansetzungs-Optionen stehen im Zusammenhang mit dem Abschneiden von Eintracht Frankfurt in der Europa League.“

Eintracht Frankfurt darf erst am Freitag in Salzburg ran

Ursprüngliche Meldung

Salzburg - Schon Stunden vor dem dann letztlich abgesagten Europa-League-Spiel in Salzburg hatte sich der eine oder Frankfurter Fan über die allenthalben von diversen Wetterdiensten am Morgen verbreiteten Sturmwarnungen in Bayern und im Salzburger Land lustig gemacht. „Mit Sturmproblemen kennen wir uns bei Eintracht Frankfurt bestens aus. Das sollte uns zum Vorteil gereichen“, postete einer und spielte damit spöttisch auf die Schwierigkeiten der Hessen im Angriff an, wo der Portugiese Goncalo Paciencia in einer veritablen Krise steckt und der Niederländer Bas Dost ständig verletzt ist, dieses Mal an den Adduktoren.

Doch die Eintracht-Fans hatten ihre Rechnung ohne den Wirt gemacht, ohne „Bianca“, das Orkantief, das am Donnerstagnachmittag von Osten her erst über Bayern hinwegzog und dann auch später am Abend im Salzburger Land wütete. Mit gravierenden Folgen: Weil eine „sichere Abreise und ein sicherer Aufenthalt am Stadiongelände im Großraum Salzburg“ nicht mehr gewährleistet wäre, hatten die örtlichen Sicherheitsbehörde die für gestern um 21 Uhr angesetzte Partie zwischen FC Salzburg und Eintracht Frankfurt abgesagt und auf den nächsten Tag verschoben, Anstoß ist nun am Freitag um 18 Uhr. Die Eintrittskarten behalten ihre Gültigkeit.

Eintracht Frankfurt: Orkanwarnung verhindert Spiel

Für den Donnerstagabend hatten die Wetterdienste eine Orkanwarnung herausgegeben und Böen mit Spitzenwerten von 120 Kilometern in der Stunde vorausgesagt. Das Tief „Bianca“ war in Salzburg bereits der vierte schwere Sturm in diesem Februar. Zudem solle es auch am Freitag noch Regen und Schneefall geben, im Laufe des Tages soll sich der Orkan aber wieder verziehen.

„Diese Entscheidung musste im Rahmen einer Krisensitzung, bei der neben der Uefa auch Vertreter der beiden Klubs, die lokalen Behörden sowie die Polizei Salzburg dabei waren, durch die örtlichen Sicherheitsbehörden getroffen werden“, teilte die Eintracht am Donnerstag gegen 14.30 Uhr mit. Zu diesem frühen Zeitpunkt freilich war der Sturm noch weit weg, nichts deutete auf extreme Wetterbedingungen hin. Für Sportvorstand Fredi Bobic stand jedoch am Abend fest: „Die Gesundheit der Fans und Spieler geht immer vor. Das ist höhere Gewalt, auch wenn es für unsere Planungen und die der Fans mehr Aufwand bedeutet. Sportlich bedeutet es für beide Teams am Freitag dasselbe.“ Die Mannschaft hatte zuvor noch eine lockere, einstündige Übungseinheit in Salzburg absolviert.

Der heutige Nachholtermin ist also das kleinste Übel, weil es ohnehin enorme Terminprobleme gibt, denn der Zeitplan von Eintracht Frankfurt ist extrem eng getaktet. Am Sonntag sollen die Hessen um 18 Uhr bereits in der Bundesliga bei Werder Bremen spielen. Die Deutsche Fußball-Liga denkt daher über eine mögliche Verlegung der Ligapartie nach. „Die DFL steht diesbezüglich in Kontakt mit beiden Klubs“, teilte der Verband gestern Abend mit. „Über eine mögliche Neuansetzung wird die DFL am Freitag entscheiden.“

Am kommenden Mittwoch müssen die Frankfurter im eigenen Stadion zudem das DFB-Pokalspiel im Viertelfinale bestreiten, ebenfalls gegen Werder Bremen, am 12. März ist die nächste Runde in der Europa League geplant. Angesichts eines 4:1 im Hinspiel ein durchaus erreichbares Ziel für die Eintracht.

Am Donnerstag, direkt nach der Absage, sickerten schon erste Gerüchte durch, dass die Partie nur um einen Tag, genauer um 21 Stunden, verschoben wird. Vor Jahren hatte die Uefa ähnlich verfahren, als die Partie in der Champions League zwischen Galatasaray Istanbul und Juventus Turin, das nach 31 Minuten wegen starken Schneefalls und eines vereisten Spielfeldes abgebrochen wurde, anderntags zur Mittagszeit (um 14 Uhr) neu angesetzt wurde. Allerdings kamen dann deutlich weniger Zuschauer in die Arena als noch am Abend zuvor.

Eintracht Frankfurt: Uefa setzt Spiel neu an

Die Uefa ist als Ausrichter jedenfalls das Organ, das über die Neuansetzung befindet, in ihrer Spielordnung steht: „Kann ein Spiel nicht wie geplant beginnen oder nicht zu Ende gespielt werden, wird das vollständige Spiel grundsätzlich am folgenden Tag ausgetragen.“ Weiter heißt es: „Kann das Spiel nicht am nächsten Tag neu angesetzt werden, legt die Uefa-Administration einen neuen Termin an einem Ausweich- oder anderen Datum fest. Die Neuansetzung kann Abweichungen vom regulären Spielkalender nach sich ziehen.“ So weit kam es nicht.

Die Auslosung für das Achtelfinale in der Europa League findet im Übrigen am Freitag (13 Uhr) im Schweizerischen Nyon statt, da werden die Eintracht und Salzburg noch beide im Lostopf liegen und einen Kontrahenten zugelost bekommen, gegen den dann der Sieger aus den beiden K.o.-Duellen antreten wird.

Die Verlegung der Partie passt Eintracht-Trainer Adi Hütter überhaupt nicht in den Kram, denn die Frankfurter sind mit vielen Spielen in den nächsten Wochen ohnehin bis an die Grenzen belastet, nun ist die Zeit bis zum nächsten Bundesligaspiel in Bremen noch mal verkürzt, die Regenerationszeit leidet, bis zum Anpfiff an der Weser hat die Eintracht nur 46 Stunden Zeit. Eine gute Vorbereitung sieht anders, ganz anders aus.

Die rund 5000 Frankfurter Fans, die mit dem Auto, dem Zug oder dem Flugzeug nach Salzburg gekommen waren, sind von der Absage komplett überrascht worden. Auch auf viele von ihnen wartet nun das eine oder andere logistische Problem.

Von Ingo Durstewitz und Thomas Kilchenstein

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