Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Begehrt, aber nicht nur bei Eintracht Frankfurt: Kolo Muani, Stürmer vom FC Nantes.
+
Begehrt, aber nicht nur bei Eintracht Frankfurt: Kolo Muani, Stürmer vom FC Nantes.

SGE

Eintracht Frankfurt buhlt um Stürmer – das Budget ist jedoch begrenzt

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
    schließen

Die SGE hat verhältnismäßig wenig Spielraum für Neuverpflichtungen und muss deshalb mit Fantasie agieren.

Frankfurt - Es ist eher unüblich, dass die Vorstellungsrunde eines neuen Vorstands der Eintracht Frankfurt Fußball-AG auch dazu genutzt wird, kurzzeitig mal einen Spieler zu streifen, der am Main noch so eine Art Phantom ist. Doch der Aufsichtsratsvorsitzende Philip Holzer ließ es sich während der offiziellen Präsentation von Sportchef Markus Krösche nicht nehmen, einen jungen Mann zu erwähnen, der mit Vorschusslorbeeren quasi zugeschüttet wird: Fabio Blanco, 17 Jahre alt, Rohdiamant oder vielleicht sogar Wunderknabe. So genau weiß man das (noch) nicht.

Philip Holzer also war ganz aus dem Häuschen, dass gerade die Eintracht den vom Fußballhochadel gejagten Spanier verpflichten konnte, ablösefrei. „Diese Personalie ist für mich wegweisend“, sagte der 55-Jährige. Für den Klub sei es von herausragender Bedeutung, „solch einen Spieler für uns gewinnen zu können“.

Fabio Blanco, der Rechtsaußen vom FC Valencia, hat sich ganz bewusst für die Eintracht und gegen die ganzen Topklubs wie Barcelona, Manchester City oder Real Madrid entschieden. Das hat viel mit der Ausrichtung des Vereins zu tun, der jungen Leute eine gute Plattform und Entwicklungsmöglichkeiten bietet und dessen Philosophie es grundsätzlich ist, Talente zu entdecken, sie besser zu machen und dann gegebenenfalls in den Markt zurückzugeben. Das ist ein Geschäftsmodell, was freilich nur funktioniert, wenn man mehr sieht, schneller und überzeugender ist als die Konkurrenz. Eine Aufgabe für Ben Manga und den neuen Sportboss Krösche, der bestätigt: „Wir wollen Werte schaffen.“ Durch Transfers mit Fantasie.

Fabio Blanco, trickreich und schnell, soll der neue Luka Jovic werden, ein Paradebeispiel für diese Strategie also. Der wuselige Lockenkopf sagte auch deshalb der Eintracht zu, weil Kaderplaner Ben Manga ihm das Gefühl gab, ein wichtiger Bestandteil des Frankfurter Projekts zu sein, er holte ihn und seine Familie ab, nahm sie mit auf die Reise. Vertrauen ist elementar. Krösche ist schon jetzt begeistert von Trüffelsucher Manga. „Er hat unheimliches Knowhow, ein sehr gutes Auge, er ist ein wichtiger Ansprechpartner.“ In der Kürze der Zeit sei „ein sehr enges Verhältnis“ aufgebaut worden.

Dass es nicht nur mit begabten Jungprofis gehen wird, ist klar, die Mischung macht’s, und doch bietet diese Ausrichtung die Chance, der bestehenden Mannschaft frisches Blut zuzuführen, eine gewisse Unbekümmertheit und die von Krösche geforderte Unberechenbarkeit zu implementieren.

Eintracht Frankfurt: Stürmer Kolo Muani begehrt

Denn viel Geld, um in den Kader zu investieren, haben die Frankfurter nicht beisammen, weshalb der Umbruch möglichst gering ausfallen soll. Die Zeiten, da man mal eben einen vielversprechenden, aber unfertigen Spieler wie Stürmer Dejan Joveljic für fünf Millionen Euro dazu geholt hat, um ihn quasi zu testen, sind vorbei. Gerade mal das Doppelte hat die Eintracht jetzt insgesamt zur Verfügung – das ist immer noch mehr als viele andere Klubs, denen das Wasser bis zur Unterlippe steht, aber auch deutlich weniger als vor zwei Jahren noch.

Die Eintracht ist gut durch die Pandemie gekommen, ohne nun aber große Sätze machen zu können. Sie kalkuliert mit einem Verlust von 45 Millionen Euro, muss zudem 20 Millionen Euro an Krediten zurückführen. Der Umsatz ist eingebrochen, es sind rund 130 Millionen Euro weniger als in der Rekordsaison 2019/20 (280 Millionen) im Umlauf.

Nichtsdestotrotz sieht Finanzvorstand Oliver Frankenbach entspannt in die Zukunft, das Eigenkapital beträgt 33 Millionen Euro, vor einigen Wochen wurden 22 Millionen durch eine clevere Aktionärsmaßnahme eingespült. „Wir hatten diese Option für den Fall der Fälle in der Schublade“, sagt Frankenbach und folgert: „Wir sind wirtschaftlich sehr gut gewappnet.“

Spieler müssen nicht verkauft werden, nicht zwingend zumindest, dann aber ist die Marge für Zugänge eben auch begrenzt. Eine zweistellige Millionensumme wie sie Werder Bremen gerne für Angreifer Milot Rashica erzielen würde (und auch muss), ist da utopisch, selbst wenn die Sportliche Führung samt Coach Oliver Glasner den 24 Jahre alten Kosovaren schätzt. Kein Geheimnis ist, dass die Frankfurter Stürmer Randal Kolo Muani vom FC Nantes auf dem Zettel haben. Der 22-Jährige ist aber höchst begehrt. Immer wieder gehandelt werden auch Abwehrspieler Garcia McNulty (VfL Wolfsburg), Offensivkraft Zeljko Gavric (Roter Stern Belgrad) und Regisseur Lovro Majer (Dinamo Zagreb).

Bewegung würde jedoch erst dann in das Eintracht-Aufgebot kommen, wenn ein Klub unmoralische Angebote für ihre Topspieler unterbreiten würde, also für André Silva, Filip Kostic, Daichi Kamada oder auch Evan Ndicka. Das kann dauern.

Eintracht Frankfurt: Nicht so wie Schalke 04

Und doch muss die Sportliche Leitung die Mannschaft so präparieren, um die europäische Belastung abfedern und in der Liga trotzdem oben mitspielen zu können. Eine ähnliche Platzierung wie in der abgelaufenen Saison streben die Hessen wieder an, aber sie geben sie sinnigerweise nicht als Zielsetzung aus. „Wir orientieren uns an unserem Sportetat“, sagt Aufsichtsrat Holzer. Da liegt die Eintracht „zwischen sieben und acht“. Dass sportlicher Erfolg und eine entsprechende finanzielle Ausstattung zusammenhängen, ist keine bahnbrechend neue Erkenntnis, selbst wenn der Chef des Kontrollorgans süffisant anfügt: „Auch ein Etat von 95 Millionen, wie ihn Schalke hatte, kann zu nicht so erfolgreichen Ergebnissen führen.“ Wenn zu viele falsche Entscheidungen getroffen und Geld verbrannt wird.

Alles in allem müsse das Budget jenseits der 100-Millionen-Euro-Grenze liegen, um die Königsklasse angreifen zu können. „Wir sind da sicher nicht auf Champions-League-Niveau.“ Und mittlerweile wieder weit weg von der Rekordmarke aus dem Jahr 2019 (92,9 Millionen).

Trotzdem ist die Eintracht bekannt dafür, viel aus vergleichsweise geringen Möglichkeiten zu machen. „In den letzten Jahren ist es uns herausragend gelungen, unsere finanziellen Möglichkeiten sportlich zu übertreffen“, sagt Philip Holzer. Das ist auch der Wunsch für die Zukunft – selbst mit neuer Sport-Führung.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare