+
Sein Einsatz ist so gut wie ausgeschlossen: Sebastian Rode zwickt die Wade.

FC Schalke 04 - Eintracht Frankfurt 

Eintracht Frankfurt will drei Punkte mit nach Hause nehmen

  • schließen

Eintracht Frankfurt muss auf Schalke bestehen und lässt die Champions League nicht aus den Augen.

Mit dem kleinen Dorfklub aus Grödig, 6982 Einwohner stark, stieg Adi Hütter einst in die österreichische Bundesliga auf und führte den Verein im Jahr darauf, 2014, schnurstracks in die Europa League. Das ist, zum Vergleich, in etwa so, als würde der FC Erzgebirge Aue in der Champions League antreten. 

Young Boys Bern bescherte der heutige Eintracht-Trainer im vergangenen Jahr den ersten Schweizer Meistertitel nach 32 Jahren, und in Frankfurt marschierte der 49-Jährige mit sechs Siegen aus sechs Spielen durch die Gruppenphase der Europa League. Das war noch keinem deutschen Verein auf internationaler Bühne jemals zuvor gelungen.

Adi Hütter weiß, wie man Außergewöhnliches vollbringen, wie man Unmögliches möglich machen kann. „Ich liebe solche historischen Sachen“, sagt der Frankfurter Coach. Und nun, Champions League mit der Eintracht? „Warum“, fragt der Fußballlehrer in die Runde, „sollten wir es nicht schaffen?“

Hütter mahnt und träumt

Was bei anderen vielleicht überheblich klingt, kommt bei Adi Hütter wie der normalste Satz der Welt daher. Er lehnt sich ja auch nicht aus dem Fenster oder haut auf den Putz, er fügt an, dass es „kein Selbstläufer“ werde und man solch ein großes Ziel gewiss „nicht im Vorbeigehen“ erreiche. Aber er befindet genauso: „Ich träume auf alle Fälle“, und die vielen Artikel über die Königsklassen-Ambitionen der Eintracht, na klar, „die lese ich mit Genuss“. Er sei bestimmt keiner, wiederholt er sein Credo, der „mutwillig auf die Euphoriebremse tritt, ich lasse es gerne laufen.“ Die Aussicht auf die Königsklasse müsse ein Ansporn sein. „Champions League spielt man nicht alle Tage, es ist was anderes, die Hymne im Fernsehen zu hören oder sie live zu erleben“.

Um Platz vier zu verteidigen, dürfen die Hessen nicht viele Zähler liegenlassen, das ist ja sonnenklar. Da wäre es ganz ratsam, wenn sie heute Nachmittag auf Schalke (15.30 Uhr) die volle Punktzahl einfahren würden. „Das wird kein Honiglecken“, sagt Hütter. Schalke 04 ist angeschlagen, hängt in den Seilen, solche Kontrahenten können schon mal gefährlich werden.

Pflichtgemäß warnt Hütter vor den ziemlich mausgrauen Königsblauen, aber letztlich interessiere ihn dann doch nicht so sehr, wer der Gegner und wie er gerade drauf ist. „Das ist wurscht.“ Er beschäftige sich da lieber mit seiner Mannschaft, sie müsse ans Limit gehen. „Wir wollen unser Spiel durchziehen.“ S04 habe binnen sechs Tagen drei Spiele zu bestreiten, „ich denke, wir haben hinten heraus mehr Substanz“.

Mit der Favoritenbürde, auch etwas Seltenes und Seltsames, wenn Frankfurter Fußballmannschaften in Gelsenkirchen antreten, kann der Trainer gut leben. „Aber das bedeutet auch, dass man an seine Grenzen gehen muss.“

Hasebe könnte Rode ersetzen

Das werden drei Stammspieler heute nicht tun können. Mijat Gacinovic (Ferse) und Sebastien Haller (Bauchmuskelzerrung) werden sicher ausfallen, Sebastian Rode mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit. Der 28-Jährige hat sich im Training eine nicht näher definierte Wadenblessur zugezogen, die ihn ausbremst. Alle drei sollen aber womöglich am Donnerstag in der Europa League in Lissabon mittun können, zumindest besteht die Hoffnung.

Gerade die Ausfälle von Rode und Haller sind für die Eintracht nicht so leicht zu verkraften, doch auch hier hat der Coach einen anderen Ansatz. Kein Gejammer, kein Wehklagen. Im Gegenteil. „Ich freue mich auf die Spieler, die sonst nicht so oft erste Wahl waren“, betont er. „Es ist schön, dass sie jetzt ihre Chance bekommen.“ Schließlich sei das Trainingsniveau auch deshalb so hoch, weil „sich keiner hängen lässt. Die, die hinten dran sind, bauen unglaublich viel Druck auf.“

Lesen Sie auch unsern Kommentar zu Eintracht Frankfurt: Hype ohne Ende

Wie er Stürmer Haller und Mittelfeldmann Rode ersetzen will, lässt Hütter offen. Eine (sehr wahrscheinliche) Variante ist, dass Goncalo Paciencia den angeschlagenen Franzosen im Angriff vertritt, da müsste der Coach seine Grundordnung nicht ändern. Und Paciencia hat ja bereits angedeutet, dass er Tore machen kann. Haller war zudem, vielleicht auch wegen seiner Bauchmuskelproblematik, zuletzt nicht in allerbester Form.

Im Mittelfeld könnte Jetro Willems mal wieder eine Chance bekommen oder auch Jonathan de Guzman. Oder aber Hütter zieht Makoto Hasebe von der zentralen Abwehrposition nach vorne. So verfuhr er auch, als Zerstörer Gelson Fernandes mal unpässlich war. Für den Japaner könnte dann Kapitän David Abraham seinen angestammten Platz als rechtes Glied der Dreierkette der Eintracht einnehmen. Martin Hinteregger würde dann den Mittelpart der Deckung geben. Das hat er in Frankfurt schon gespielt, zweimal, einmal in Hannover und einmal gegen die TSG Hoffenheim, beide Male ausnahmslos gut.

Hütter, der Lucas Torro erstmals nach seiner Leisten-OP wieder in den Kader berufen hat, wird mit seiner Mannschaft heute voll auf Siege gehen. Die Auswärtsbilanz, daran erinnert er, könne sich nämlich auch sehen lassen. Da rangiert die Eintracht mit 22 Zählern auf Rang fünf. „Und auf Schalke“, sagt Hütter, „liegen drei Punkte in der Luft.“

Zum Spiel

Schalke: Nübel – Bruma, Sané, Nastasic – Mascarell – Stambouli, Oczipka – Serdar, Rudy – Burgstaller, Embolo.

Frankfurt: Trapp – Abraham, Hinteregger, Ndicka – da Costa, Fernandes, Hasebe, Kostic – Rebic – Paciencia, Jovic.

Schiedsrichter: Stegemann (Niederkassel).

Der Eintracht fehlen: Rode (Wadenprobleme), Haller (Bauchmuskelzerrung), Gacinovic (Fersenprobleme), Russ (Achillessehnenreizung), Chandler (Aufbautraining), Tawatha (Knöchel-OP).

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare