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Ein wenig Frankfurter Glück war auch dabei: Bayer-Verteidiger Edmond Tapsoba (Mitte) grätscht den Ball ins eigene Tor.
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Ein wenig Frankfurter Glück war auch dabei: Bayer-Verteidiger Edmond Tapsoba (Mitte) grätscht den Ball ins eigene Tor.

Sieg gegen Bayer Leverkusen

Mit Spielwitz und Schärfe

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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  • Thomas Kilchenstein
    Thomas Kilchenstein
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2:1 gegen Bayer Leverkusen: Die Frankfurter Eintracht hat ihr inneres Gleichgewicht gefunden und besticht neuerdings auch durch spielerische Klasse – ein neuer Stürmer soll trotzdem verpflichtet werden.

Ist schon lustig, was so ein erstaunlich zackiger Auftritt nebst dreifacher Punktesicherung gegen einen Spitzenklub wie Bayer Leverkusen alles bewirken kann. Eintracht-Trainer Adi Hütter jedenfalls ist nach dem überzeugenden 2:1 (1:1 gegen die Werkself, nicht so ganz bierernst, gefragt worden, ob denn nun die Suche nach einem neuen Stürmer abgeblasen werden und die üppige Bas-Dost-Kohle auf dem nicht mehr ganz so prall gefüllten Festgeldkonto unangetastet bleiben könne.

Wenn man dieses Spiel zum Maßstab nehme, klar, dann könne man zu diesem Schluss kommen, hat er geantwortet, es aber auch nicht so ernst gemeint. Denn: Es seien noch viele Spiele, gerade im Januar, niemand wisse, wer sich noch so alles verletze, ob die Akteure ihre prima Form halten könnten und auch, ob André Silva als Alleinunterhalter dauerhaft auf diesem hohen Niveau weiterspielen werde. Ergo: „Das ist mir zu gefährlich, wir sind gut beraten, einen Stürmer zu holen.“ War ja klar.

Und doch hat dieser bemerkenswerte Dreier gegen den Topklub aus Leverkusen für Erleichterung und auch Genugtuung gesorgt. Denn endlich hat sich die Eintracht mal nicht um die Früchte ihrer Arbeit gebracht, endlich hat sie mal einen knappen Vorsprung ins Ziel gerettet und nicht, wie so häufig, noch einen Nackenschlag einstecken müssen. Dieses Spiel nach dieser astreinen Leistung nicht zu gewinnen, das wäre eine extrem bittere Pille gewesen.

So aber durfte Adi Hütter völlig zu Recht davon sprechen, „dass wir ein gutes Zeichen gesetzt haben. Wie wir aufgetreten sind, hat mir imponiert.“ Doch selbst jetzt könne er nicht sagen, wohin die Reise gehen wird, „doch wenn wir so spielen, sind wir in der Lage, noch einige Siege einzufahren“. 20 Punkte haben die Frankfurter zusammengeklaubt, sieben Zähler aus den letzten drei Begegnungen geholt, „wir haben Tuchfühlung hergestellt“, betont der Coach. Die Richtung stimmt, der Aufwärtstrend ist offenkundig. Nicht auszudenken, wo die Frankfurter stehen könnten, wenn sie auch die Punkte eingesammelt hätten, die sie leichtfertig hergeschenkt haben. Aber okay, Vergangenes lässt sich nun mal nicht in Gegenwärtiges umkehren.

Auffällig ist, dass sich die Hessen gegen Spitzenteams leichter tun. Gegen Dortmund (1:1) und Leipzig (1:1) wären schon Siege drin und nicht unverdient gewesen, gegen Gladbach ist der sicher geglaubte Dreier trotz 3:1-Führung in der Nachspielzeit auf törichte Weise verspielt worden. Im vierten Anlauf hat es jetzt geklappt. Darüber, dass die Frankfurter dieses Spiel gegen seltsam schlaffe und uninspirierte Leverkusener berechtigterweise gewannen, gibt es keine zwei Meinungen. Bayer-Coach Peter Bosz hatte einen dicken Hals: „Wir haben verdient verloren. Die Siegermentalität hat gefehlt. Frankfurt war die bessere Mannschaft. Bei uns war alles schlecht.“ Da gibt es wenig Interpretationsspielraum.

Zufall war der Erfolg der Eintracht nicht, er war Ausdruck von Mentalität, Schärfe, Willen – und Zeugnis spielerischer Klasse. Gerade fußballerisch hat sich die Mannschaft entwickelt, seit der 1:2-Niederlage in Wolfsburg vor gut drei Wochen (1:2), als das Team tumb und hasenfüßig auftrat, ist sie kaum mehr wiederzuerkennen.

Das liegt auch daran, dass Hütter seitdem mehr fußballerisch bewanderte Akteure aufstellt. Am Samstag entschloss er sich dazu, anstelle des gesperrten Sebastian Rode nicht etwa den Zerstörer Stefan Ilsanker zu nominieren, sondern den intelligenten Strategen Makoto Hasebe. Ein Schachzug, der aufgehen sollte (siehe Bericht auf Seite 19).

Der Coach lässt sein Ensemble seither mit einer Spitze und zwei Spielmachern dahinter auflaufen, gegen Leverkusen Amin Younes und Daichi Kamada. „Ich habe ein gutes Gefühl in dieser Grundordnung“, sagt der Trainer, der erleichtert festgestellt hat, dass nun endlich „die Balance stimmt, das hat sehr gut funktioniert“. Das Offensivspiel ist auf mehrere Schultern verteilt, „wir waren schon sehr abhängig von Kamada auf der Zehn“, räumt Hütter ein. Nun gibt es drei Kreativköpfe als Bewerber für zwei vorhandene Positionen.

Die neue Konkurrenzsituation macht gerade Kamada Beine, gegen die Rheinländer zeigte er zwar eine Leistung mit Licht und Schatten, vergab eine Riesenchance (73.), bereitete aber den Siegtreffer durch das Eigentor von Edmond Tapsoba vor (54.). „Für Kamada ist es gut, dass er Konkurrenz bekommen hat“, urteilt auch Mitspieler Martin Hinteregger, der gerade im Einbau von Amin Younes und auch Aymen Barkok so etwas wie die Initialzündung sieht. „Das hat der ganzen Mannschaft einen Ruck und Mut gegeben“, findet der Abwehrchef. „Wir sind spielerisch viel besser, wir sind mutiger, das macht vieles einfacher.“ Das ungleich höhere fußballerische Niveau gepaart mit einem stimmigen Gleichgewicht ist zweifellos der Hauptgrund für den Aufschwung.

Gerade Younes’ Entwicklung ist erstaunlich. Der aus Neapel gekommene Ex-Nationalspieler hat nicht nur das 0:1 durch Nadiem Amiri (10.) egalisiert, sondern mit seinen kurzen Haken stets für Verwirrung gesorgt. Der 27-Jährige verliert kaum einen Ball, gewinnt Duelle, die er scheinbar schon verloren hat. „Er hat dem Spiel seine Note aufgedrückt“, lobt Hütter. „Er war ein absoluter Schlüsselspieler.“ Der aber besser zielen könnte: Eine Großchance vergab er kläglich.

Und was ist nun mit dem neuen Stürmer? „Wir wollen so schnell wie möglich Vollzug vermelden“, sagt Sportvorstand Fredi Bobic. Ob es sich beim potenziellen Zugang um Joshua Zirkzee vom FC Bayern handelt, ließ er offen. „Er hat unheimlich viel Potenzial. Es sind Spieler genau von diesem Profil, nach denen wir schauen“, bemerkt Bobic, der noch weitere heißen Eisen im Feuer hat. Klar ist nur: Kein Neuer ist keine Option.

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