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Reise der Eintracht durch Europa geht weiter

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Von: Thomas Kilchenstein, Ingo Durstewitz

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Eintracht Frankfurt zieht in einem dramatischen Finish in der letzten Minute der Verlängerung ins Viertelfinale der Europa League ein.

Frankfurt –Als um 23.30 Uhr an diesem Donnerstagabend dann endlich klar war, dass das Abenteuer Europa League weitergehen wird, gab es allenthalben glückliche und zufriedene Gesichter im Stadtwald, auf dem Rasen bei den Profis und auf den Tribünen bei den Fans sowieso. Eintracht Frankfurt hatte ein 1:1 (0:0, 0:1)-Remis nach Verlängerung gegen Betis Sevilla gereicht, ein Ergebnis, das das Spiel widerspiegelte und reichte, um weiter im so beliebten Wettbewerb eine Rolle spielen zu dürfen. Erst in der allerletzten, der 120. Minute, war der Ausgleich gefallen – ein Eigentor aus dem Gewühl.

„Es ist eine riesige Erleichterung“, sagte Trainer Oliver Glasner in einer ersten Reaktion. Was für eine Dramatik, was für ein Ende. Die meisten hatten sich schon auf ein Elfmeterschießen eingestellt. Sevilla war in der letzten Minute der regulären Spielzeit durch Borja Iglesias in Führung gegangen. Schon am Freitagmittag (13.30 Uhr) wird in Nyon ausgelost, wer im Viertelfinale (7. und 14. April) der Gegner ist, zudem werden ebenfalls die möglichen Halbfinal-Paarungen (28. 4. Und 5.5.) ausgelost.

Europa League: Eintracht Frankfurt ringt Betis Sevilla nieder

Ab dem Viertelfinale gibt es keine Setzlisten mehr, die Eintracht könnte also auch auf den zweiten verbliebenen deutschen Vertreter, RB Leipzig, treffen. Oder den FC Barcelona oder Atalanta Bergamo. Das verdiente Weiterkommen spült weitere 1,8 Millionen Euro an Uefa-Prämien in die Frankfurter Kassen, ohnehin hat die Europa League den Hessen bislang etwa 8,5 Millionen Euro an Mehreinnahmen beschert, Gelder aus dem Marktpool noch nicht einmal berücksichtigt.

Frankfurter Jubelhaufen - in der Mitte der Matchwinner: Martin Hinteregger.
Frankfurter Jubelhaufen – in der Mitte der Matchwinner: Martin Hinteregger. © HMB-Media/Imago Images

Die Eintracht profitierte natürlich auch davon, dass sie im Hinspiel einen nicht erwarteten 2:1-Sieg herausgeschossen hatte, ein Sieg, der um einiges hätte höher ausfallen können – unter anderem hatte Rafael Borré einen Handelfmeter vergeben. Nicht auszudenken, wenn die Hessen das Rückspiel noch in den Sand gesetzt hätten. Taten sie aber nicht.

Mit diesem Erfolg vor den 25.000 erlaubten Fans, darunter auch der frühere Kapitän, David Abraham, finden die magischen Nächte für die Frankfurter eine Fortsetzung. Und sie sollen am besten erst in Sevilla enden, dem Ort des Finales am 18. Mai. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. „Wir lechzen danach, die Fans, die Stadt und den Klub emotional zu berühren“, hatte Trainer Oliver Glasner tags zuvor gesagt. Und das hatte er mit dem Einzug ins Viertelfinale dann geschafft. „Ein unglaubliches Spiel und eine Riesenerleichterung“, sagte Glasner direkt nach dem Abpfiff sichtlich gezeichnet von den 120 Minuten.

Eintracht Frankfurt: Glasner mit unveränderter Startelf gegen Betis Sevilla

Erwartungsgemäß hatte der Trainer jener Elf erneut das Vertrauen geschenkt, die zuletzt dreimal am Stück erfolgreich war. Sein Gegenüber Manuel Pellegrini hatte sein Team auf vier Positionen gegenüber dem Hinspiel verändert, deutlich offensiver agierten die Spanier. Auf der anderen Seite hatte der Frankfurter Coach noch einmal kurz vor dem Anpfiff betont, auf alle Fälle auf Sieg spielen zu wollen und den knappen Vorsprung nicht im Verwaltungsmodus über die Zeit retten zu wollen. „Wir wollen immer den schnellen, direkten Weg nach vorne suchen“, sagte der Österreicher, vielleicht könne das eine Facette sein, „die uns das Weiterkommen bringen könnte“.

Das klang vernünftig, doch die Realität sah anders aus, zumindest in der Anfangsphase. Denn da gab eindeutig der Gast aus Südspanien das Kommando vor, war klar feldüberlegen und hinterließ einen komplett anderen Eindruck als noch vor Wochenfrist. Sehr fokussiert, sehr konzentriert gingen da die Spanier zu Werke, waren feldüberlegen und drängten die Frankfurter tief in deren eigenen Hälfte. Und die waren sichtlich überrascht von der Wucht aus Sevilla, so leistete sich etwa Tuta, zuletzt allenthalben gelobt, einen bösen Patzer im eigenen Strafraum, der ums Haar zu einem frühen Rückstand geführt hätte. Die Dominanz der Spanier währte freilich knappe 20 Minuten, aber es bedurfte schon einer besonderen Aktion, die die Eintracht ins Spiel zurückbrachte. Nach einer Viertelstunde spielte der ohnehin bärenstarke Djibril Sow einen Traumpass direkt in den Lauf von Ansgar Knauff, der - alleine vor Torhüter Rui Silva - aber nur die Latte traf.

Danach bekamen die Hessen die bisweilen arg wilde Partie besser in den Griff. Unter Kontrolle noch nicht, dazu waren die Spanier zu ballsicher, zu stark, doch die Begegnung konnte jeder Zeit auf die eine oder die andere Seite kippen. Der Eintracht gelang es indes zu selten, ihre Angriffe vernünftig zu Ende zu spielen, oft blieb schon der vorletzte Pass stecken. Bisweilen schlossen sie auch zu überhastet ab, Knauff etwa verzettelte sich manches Mal. Und dass Stürmer Borré bei allem lobenswerten Einsatz weiterhin kaum Zweikämpfe gewinnt und viel zu viele Chancen benötigt, ist schon ein kleines Ärgernis. Kurz vor der Pause schoss er mutterseelenallein vor dem Tor einen halben Meter neben das Tor - dass er da bereits im Abseits stand, hatte er beim Schuss nicht wissen können.

Auch in der zweiten Halbzeit hatte die Andalusier zunächst einen besseren Zugriff aufs Spiel. Da mussten die Hausherren ganz schön ackern und schaffen, um ihr Tor sauber zu halten. Und wie in der ersten Halbzeit konterten die Hessen diese Drangphase mit einem Aluminiumtreffer, Filip Kostic war es der einen Freistoß (62.) an den Pfosten zirkelte. Auf der Gegenseite musste sich Kevin Trapp bei einem Kopfball von Juanmi lang machen. Mit zunehmender Spieldauer verstärkten die Spanier ihre Angriffsbemühungen, Trainer Pellegrini brachte alle seine Offensiven. Das Spiel wurde immer mehr zu einem Abnutzungskampf, zu vernünftigen Angriffen kamen die Hausherren kaum noch. allenfalls zu einigen Eckstößen, die aber ebenfalls weitgehend verpufften.

Last-Minute-Sieg gegen Sevilla

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Doch einmal kam Betis noch gefährlich vor das Frankfurter Tor, Nabil Fekir passte scharf in die Mitte und der zuvor eingewechselte Borja Iglesias (90.) spritzte in diesen Pass - 1:1. Verlängerung. Hätte die alte Regel noch gezählt, wonach die auswärts mehr erzielten Tore den Ausschlag geben, wäre die Eintracht weitergekommen. Künstlerpech.

In der Verlängerung passierte bis zur letzten Minute nicht mehr viel. Dann fiel in der 120, Minute doch noch das nicht mehr erwartete 1:1 – Martin Hinteregger war dabei, auch eine Menge Gegenspieler. Der Jubel war riesig. (Thomas Kilchenstein, Ingo Durstewitz)

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