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Die Aufforderung der Eintracht-Fans aus dem Hinspiel hat weiter Gültigkeit.

Europa League

Mission Impossible im Joggeli

  • Thomas Kilchenstein
    VonThomas Kilchenstein
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Die Frankfurter müssen im Achtelfinalrückspiel beim FC Basel ein 0:3 wettmachen und bleiben selbstbewusst: „Wir haben immer eine Chance“, behauptet Stürmer Goncalo Paciencia.

Es ist jetzt nicht bekannt, ob die Sportliche Führung der Frankfurter Eintracht dieser Tage Kontakt zum FC Valencia aufgenommen hat und auch eher unwahrscheinlich. Aber man hätte dort vielleicht in Erfahrung bringen können, wie das so geht - einen Drei-Tore-Rückstand aufzuholen und eine Runde weiterzukommen. Genau dieses kleine Kunststück war den Spaniern in der Saison 2013/14 gelungen: Sie drehten die Partie nach einer 0:3-Hinspielniederlage noch mit einem spektakulären 5:0-Sieg nach Verlängerung und zogen ins Halbfinale ein. Allerdings fand das Rückspiel im vollbesetzten Stadion in Valencia statt, Stürmer Paco Alcacer, später bei Borussia Dortmund am Ball, hatte dreimal getroffen. Seitdem hat es kein Klub in der Europa League mehr geschafft, eine derart hohe Hypothek ausgleichen zu können. Eine deutsche Mannschaft hat unter solchen Vorzeichen in diesem Wettbewerb noch nie ein Happy End gefeiert - allerdings hatte die Eintracht in der vorherigen Saison auch geschafft, was bis dato ebenfalls keinem deutschen Team vergönnt war, nämlich alle sechs Gruppenspiele zu gewinnen.

Und für Eintracht Frankfurt wird es – 147 Tage nach der 0:3-Hinspielniederlage – noch einen Ticken schwerer: Die Hessen müssen im „Joggeli“ antreten, wie der Schweizer den St.-Jakob-Park in Basel nennt, allerdings ohne Zuschauer, und dort zum Weiterkommen ohne Elfmeterschießen wenigstens vier Tore schießen. Dummerweise gilt Basel als ziemlich abwehrstark, in ihren vier Heimspielen in der Europa League blieben die Schweizer stets siegreich, sie kassierten sogar nur einen Treffer, sind international seit 378 Minuten ohne Gegentor. Ein Einzug der Frankfurter ins Viertelfinale, das ab dem 13. August in Nordrhein-Westfalen gespielt wird, würde laut Torwart Kevin Trapp „einer Sensation“ gleichkommen.

Trotzdem verbreitet der Bundesligist, der gestern mit 19 Mann, unter anderem mit Elias Bördner, dem A-Jugendtorwart, aber natürlich ohne die Neuzugänge Steven Zuber und Ragnar Ache, in die 300 Kilometer entfernte Stadt am Rhein geflogen ist, durchweg Zuversicht. „Wir haben immer eine Chance“, behauptet Angreifer Goncalo Paciencia selbstbewusst, Mittelfeldspieler Sebastian Rode versichert: „Es wird spannend.“ Er fühle sich bestens vorbereitet für die heutige Mammutaufgabe.

„Wenn alles nach Plan läuft, dann können wir in der Lage sein, das noch zu drehen“, sagt auch der Trainer Adi Hütter, einen „guten Spielverlauf“ natürlich vorausgesetzt. Ein wenig ruht die Frankfurter Hoffnung auf einem möglichen Kräfteverschleiß der Eidgenossen, die nach sechs Englischen Wochen erst am Sonntag ihre Meisterschaft beendet hatten. „Wir wissen selbst, wie kräftezehrend das sein kann“, sagt Hütter. Sportvorstand Fredi Bobic pflichtet dem Österreicher bei: „Im Europapokal habe ich schon alles miterlebt.“ Die Eintracht bräuchte allerdings eine magische Nacht, „aber wenn einer solch ein Spiel drehen kann, dann wir“, sagt Kevin Trapp, der heute sein 24. internationales Spiel bestreitet. Mehr haben bei Eintracht Frankfurt nur Karl-Heinz Körbel, Manfred Binz und Willy Neuberger (je 25). Die Partie heute Abend (21 Uhr/live in RTL und DAZN) ist im übrigen das 55. Pflichtspiel der Hessen in der Saison 2019/20. Und es könnten noch mehr werden.

Eintracht Frankfurt hat eine lange Reise durch Europa hinter sich gebracht. Die Reise begann exakt vor 378 Tagen am 25. Juli 2019 mit einem 2:1-Erfolg beim estnischen Klub Flora Tallinn, führte weiter über den FC Vaduz und Racing Straßburg in die Gruppenphase, die die Hessen mit drei Siegen und drei Niederlagen als Zweite beendeten. Im Sechzehntelfinale wurde der FC Salzburg sehr souverän ausgeschaltet, durch ein 4:1 und ein 2:2, ehe am 12. März der FC Basel kam. Es war das erste Spiel, das wegen der Corona-Pandemie unter Ausschluss von Fans absolviert werden musste, noch am Tag vor der Begegnung durften alle Beteiligten davon ausgehen, mit Zuschauern zu spielen. Prompt gab es eine nie erwartete 0:3-Niederlage.

Was ein mögliches Weiterkommen finanziell für die Hessen bedeuten würde, kann momentan nicht gesagt werden. Wegen der unklaren Lage und fehlenden Einnahmen auch bei der Uefa ist die genaue Summe noch nicht bekannt. Normalerweise gäbe es an Uefa-Prämien für die Viertelfinal-Qualifikation 1,5 Millionen Euro. Auch die Zahlungen etwa aus dem Marketingpool und ähnlichen Töpfen sind aktuell nicht genau bezifferbar. Bisher hat Eintracht Frankfurt in der Europa League an Prämien rund 6,7 Millionen Euro erspielt, allein 2,92 Millionen gab es an Startgeld, für die Qualifikation für die K.o.-Runde strichen die Hessen weitere 2,7 Millionen Euro ein, der Erfolg über Salzburg war 1,1 Millionen an Prämien wert.

Die Hessen, so viel steht fest, nehmen das Spiel ernst, wollen weiter im Wettbewerb bleiben. „Das ist unser Wunsch und unsere Verpflichtung“, betont Adi Hütter. Eine Welt würde zumindest für den 50-Jährigen nicht zusammenbrechen, wenn es ab Freitag erstmal ohne Europapokal weitergehen sollte. „Es war nicht immer einfach, die Mannschaft in der Bundesliga auf den nächsten Gegner einzustellen, wenn man drei Tage davor noch in der Europa League ran musste.,

Trotzdem: Man wolle „das Unmögliche möglich machen“, gibt der österreichische Fußballlehrer die Losung aus. Und will sich am FC Valencia orientieren, der aus einem 0:3 noch ein 5:3 in der Gesamtwertung machten. Der Gegner damals übrigens - FC Basel.

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