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Auf dem Vormarsch: Mijat Gacinovic.

Eintracht Frankfurt

Eintracht Frankfurts Mijat Gacinovic nutzt die Chance

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Der umtriebige Mijat Gacinovic (SGE) hat sich auf einmal wieder einen Platz im Eintracht-Team erkämpft - doch wie lange kann er das in Hoffenheim gezeigte Niveau halten?

  • Eintracht Frankfurt: Mijat Gacinovic ist zurück
  • Gacinovic ist ein Teamplayer
  • Mijat Gacinovic körperlich wieder fit

Beim nächsten Mal dringt er in die Top drei ein, dann verdrängt er einen Mann, den man mit Fug und Recht als Legende von Eintracht Frankfurt bezeichnen kann, nämlich den berühmt-berüchtigten Bernd Nickel alias Dr. Hammer. Der Scharfschütze mit der mordsmäßigen linken Klebe ist im Laufe seiner langen Bundesligakarriere 44-mal ausgewechselt worden, in stolzen 426 Partien. Mijat Gacinovic wird diese Marke brechen, er hat dafür sehr viel weniger Spiele in der Beletage benötigt, nur 104. Am Samstag beim 2:1-Erfolg in Hoffenheim ist der schmächtige Serbe zum 43. Mal vorzeitig vom Platz geholt worden, Takashi Inui, der bei SD Eibar in Spanien spielt, hat er eingeholt, jetzt liegen nur noch Nickel, Alex Meier (47 Auswechslungen in 270 Spielen) und Wechselkönig Stefan Aigner (57 in 121 Partien) vor ihm. Von den aktuellen Eintracht-Profis rangiert Gacinovic in dieser Kategorie schon jetzt an der Spitze, vor Sebastian Rode (37) und Marco Russ (23).

Eintracht Frankfurt: Mijat Gacinovic von großem Wert

Diese statistische Spielerei sagt natürlich nichts über den Wert des Frankfurter Spielers aus, oder vielleicht doch: Die vielen Auswechslungen sind durchaus Zeugnis dessen, dass der fast 25-Jährige immer so viel aus sich herausholt, bis der Akku irgendwann ratzeputz leer gelaufen ist und der Körper in den roten Bereich kommt. Gacinovic ist ganz sicher kein Fußballer, der sich schont oder zurücksteckt, er neigt zwar zu einer gewissen Theatralik und übertriebener Fallsucht bei geringstem Körperkontakt, aber ängstlich ist der serbische Nationalspieler beileibe nicht und auch durchaus hart im Nehmen – erinnert sei nur an die üble Attacke des Schalker Torwarts Alexander Nübel, der das Leichtgewicht vor Weihnachten mit einem rücksichtslosen Kung-Fu-Tritt ins Krankenhaus befördert hatte. Glück im Unglück hat er da gehabt, der tapfere Mijat Gacinovic.

Eintracht Frankfurt: Gacinovic ist Stehaufmännchen

Gacinovic ist ein Teamplayer par excellence, einer, der das Kollektiv über das eigene Ego stellt, der alles gibt, was in ihm steckt und für den Nebenmann schuftet. Das macht ihn so wertvoll, und das ist der Grund, weshalb das Stehaufmännchen fast immer spielt, ob der Trainer nun Niko Kovac hieß oder Adi Hütter heißt.

Gacinovic steht oftmals so ein bisschen im Schatten seiner Kollegen, den drei Büffeln etwa, die in vergangenen Saison in aller Munde waren. Und doch hat der bis 2022 gebundenen Akteur oft gespielt, sehr oft sogar, am Ende kam er auf satte 45 Pflichtspiele. Die Trainer schätzen ihn, weil er nie mosert und seinen Dienst aufrichtig und nach bestem Wissen verrichtet, weil er Bälle erkämpft, Räume zuläuft, ein guter Pressingspieler ist, ein Piesacker, ein Störenfried, einer, der dem Gegner den Nerv raubt, weil er nie locker lässt und fortwährend nachsetzt.

Eintracht Frankfurt: Gacinovic ist ein Grübler am Ball

Ex-Trainer Kovac ließ den eigentlich offensiv ausgerichteten Mittelfeldspieler sogar ein halbes Jahr auf der sogenannten Sechser-Position spielen, denn er ist fleißig und wuselig und nimmermüd’. Genau das ist auch sein Problem, vor lauter Umtriebigkeit fehlt dem Mann aus Novi Sad die Ruhe am Ball und die Übersicht, nicht selten verhaspelt er sich. Kaum hat er den Ball mit Höchsteinsatz erkämpft, schenkt er ihn wieder her. Auf der Tribüne ist zuweilen schon von einem typischen Gacinovic-Pass die Rede, wenn er mal wieder einen Ball spielt, der zwar irgendwie überraschend und raffiniert erscheint, in der praktischen Umsetzung aber eigentlich nicht klappen kann und zumeist auch nicht klappt. Da ist viel Unbedarftheit im Spiel, zu oft trifft er die falschen Entscheidungen.

Dieser Wankelmut hängt mit seinem Charakter zusammen, der aus einem guten Elternhaus stammende Profi ist sensibel, ein Grübler, der zu wenig Unbekümmertheit ins Spiel bringt. Im Fußball ist das kein Vorteil. Diese Kopflastigkeit ist auch ein Grund, weshalb er so torungefährlich ist. In 104 Bundesligaspielen hat er als offensiver Mittelfeldmann ganze drei Tore gemacht, das ist verdammt wenig. Am Samstag in Hoffenheim zeigte er wieder einmal eindrucksvoll, warum er so wenige Treffer erzielt: Als er alleine vor dem Tor auftauchte, entschied er sich dazu, den mitgelaufenen Bas Dost zu bedienen und spielte prompt wieder so einen Pass, der nie ankommen konnte und auch nicht ankam. „Ich wollte kein Egoist sein“, begründete er anschließend treuherzig und ergänzte ganz leutselig: „Ich will, das unsere Stürmer Tore machen, ich selbst mache ja eh nicht so viele.“ Dann lächelte er.

SGE: Adi Hütter zufrieden: Gacinovic zeigt sich verbessert

Dessen ungeachtet hat der leichtfüßige Wusler in Sinsheim gewiss eines seiner besseren Spiele gemacht, er leistete sich weniger Ballverluste, verteilte die Kugel geschickt. Es war kein Zufall, dass er die Führung durch Bas Dost mit einem langen Sprint nebst perfektem Zuspiel vorbereitete. „Ich bin ganz zufrieden“, sagte er zu seiner eigenen Leistung, über die der bescheidene Familienvater keine großen Worte verlieren wollte: „Es war wichtig, dass wir wieder als Mannschaft und als Einheit aufgetreten sind und das Spiel gewonnen haben. Diesen Schwung müssen wir mitnehmen.“

Sein Trainer hat schon länger mit Wohlwollen registriert, dass sich Gacinovic stark formverbessert zeigt. Bereits im Trainingslager in Florida habe er auf sich aufmerksam gemacht, im Testspiel gegen Hertha BSC sogar eine „überragende Leistung“ gezeigt. Seine Aufstellung habe er sich auf allen Fälle „verdient“, im Kraichgau nahm er obendrein noch den „Hoffenheimer Quarterback Florian Grillitsch“ (Hütter) aus dem Spiel. „Das hat er super gemacht“, lobte der Coach.

Filip Kostic will zurück in die serbische Nationalmannschaft

Gacinovic ist auch deshalb auf dem aufsteigenden Ast, weil er sich körperlicher Unversehrtheit erfreut. Das war in der Hinrunde nicht so, als er sich von einer Verletzung zur nächsten schleppte, nur auf zehn Einsätze und vier Startelfnominierungen kam. „Ich hatte Pech“, sagte er. „Aber jetzt bin ich superfit.“

Seinen Platz im Team hat er sich erst einmal gesichert, und irgendwie gehört er auch schon so ein bisschen zum Eintracht-Inventar, nach Marco Russ, Timothy Chandler und Makoto Hasebe ist er der dienstälteste Spieler, der in Frankfurt schon große Momente erlebt und sogar einzelne Abschnitte der Vereinshistorie geprägt hat. In den beiden Relegationsspielen gegen den 1. FC Nürnberg 2016 etwa war er der entscheidende Mann, im Hinspiel machte er den wichtigen 1:1-Ausgleich, in Nürnberg bereitete er den erlösenden Treffer durch Haris Seferovic zum 1:0-Sieg und der damit verbundenen Rettung vor. Unvergessen und längst legendär ist zudem sein Lauf ins Glück und in die Geschichtsbücher beim Pokalsieg gegen die Bayern 2018. Der nette Herr Gacinovic, kein Mann für viele, aber für ganz, ganz wichtige Tore.

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