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Herr der kalten Lüfte: der Österreicher Martin Hinteregger hinter Sportsfreund Evan Ndicka (rechts) im Anflug.

Eintracht Frankfurt

„Alles in die Tonne werfen“

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Martin Hinteregger erzielt in der Ukraine sein erstes Tor für die Hessen und fiebert auf das Spiel gegen Borussia Mönchengladbach hin.

Es hat ein bisschen gedauert, ehe Martin Hinteregger sich so richtig freuen konnte über seinen allerersten Treffer für Eintracht Frankfurt. Der Mann ist ja erst gut zwei Wochen hier, er wusste zunächst nicht, ob er bei seinem Treffer womöglich im Abseits gestanden hatte, dazu schien es so, als pariere der ukrainische Torwart die Kugel noch, doch er rutschte dann mit ihr hinter die Linie. „Dann war es ein richtig gutes Gefühl. Es war Wahnsinn, vor allem auswärts so ein wichtiges Tor gleich am Anfang erzielt zu haben.“ Hinteregger, der österreichische linke Verteidiger, hätte sich keinen besseren Zeitpunkt aussuchen können für sein erstes Tor, als in dieser sehr schwierigen Begegnung gegen Schachtjor Donezk, auch wenn das frühe 1:0 der Mannschaft nicht die gewünschte Ruhe gebracht hatte.

Der 26-jährige Kärntener gehörte zu den ganz wenigen Spielern, die dieses 2:2 rundweg gut fanden. „Wir haben eine sehr gute Ausgangsposition“, sagte er. Auch er war angetan von der offensiven Kraft, die die brasilianischen Angriffsspieler von Schachtjor zu entwickeln in der Lage waren. „Natürlich waren sie eiskalt und haben aus drei Chancen zwei Tore gemacht. Sie haben brutale Qualität vorne. Das wird ein interessantes Rückspiel, da müssen wir auch eiskalt sein, unsere Chancen werden wir bekommen.“

Er hat aber auch gespürt, dass sie „hinten anfällig sind“. Er selbst war oft dabei, wenn es brenzlig wurde für den Kontrahenten, gerade bei Standards, die dieses Mal erstaunlich gefährlich geschlagen wurden. „Ich hätte noch das eine oder andere Tor machen müssen“, sagte er selbstkritisch, doch seine Kopfbälle strichen jeweils am Tor vorbei.

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Seine ureigensten Aufgaben erfüllte der kantige Abwehrspieler gewohnt unaufgeregt, er stellte sich mit Macht den flinken Stürmern in den Weg, ab und an geriet aber auch er ins Schwimmen. Vor dem 2:2 etwa sah er nicht gut aus, erst landete sein zu kurzer Befreiungsschlag postwendend beim Gegner, dann konnte er in der Zentrale den Raum nicht schließen. Das räumte er freimütig ein: „Natürlich muss auch ich beim 2:2 cleverer agieren und ihn irgendwie blocken.“ Hat nicht geklappt.

Freilich ist er es auch, der gerne mit langen Schlägen operiert. Und das ist eigentlich nicht die Art, wie Eintracht Frankfurt Fußball spielen will, zumindest in der Regel nicht. Doch das ist sicherlich auch dem Fakt geschuldet, dass Linksfuß Hinteregger auf der rechten Seite spielen muss.

Drei Spiele hat er nun für seinen neuen Arbeitgeber bestritten, dreimal blieb er ungeschlagen, er hat kaum Anpassungsprobleme gehabt und wird auch am morgigen Sonntag (15.30 Uhr) gegen Borussia Mönchengladbach wieder hinten rechts verteidigen – es sei denn, Kapitän David Abraham gelingt eine Blitzheilung, wovon jedoch nicht auszugehen ist.

Das Spiel gegen Mönchengladbach ist für Hinteregger gleich aus zweierlei Hinsicht ein besonderes: Zum einen hat er dort, vor seiner Station beim FC Augsburg, 2016 ein halbes Jahr gespielt und zehn Spiele bestritten. Zum anderen hat er sein letztes Spiel mit den FC Augsburg just gegen Mönchengladbach bestritten, damals am 19. Spieltag unterlagen die Schwaben mit Hinteregger sehr unglücklich 0:2 bei der Borussia. Im Nachgang dieser Partie war es dann zu der despektierlichen Aussage Hintereggers gekommen, er könne „nichts Positives“ über FCA-Trainer Manuel Baum sagen, aber „auch nichts Negatives“. Daraufhin wurde der österreichische Nationalspieler suspendiert, Eintracht Frankfurt griff zu und lieh ihn erst mal für ein halbes Jahr aus.

Insofern sind die Eindrücke Hintereggers vom kommenden Gegner noch frisch. „Sie sind zu schlagen“, glaubt er. Dazu freilich müsse man, nach der Energieleistung in Charkiw, noch einmal „alles in die Tonne werfen“. Immerhin sei das bereits das „vierte Top-Spiel“ binnen zwei Wochen. Aber wenn man den Anspruch erheben wolle, den Anschluss nach ganz oben zu halten, sagt Martin Hinteregger, dann „ist ein Sieg beinahe Pflicht“. Da hat einer die Latte aber ganz schön hochgelegt.

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