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Jede Minute, jedes Spiel, jede Grätsche genießen: Marco Russ.

Marco Russ

Der Mann für alle Fälle

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Marco Russ gehört bei Eintracht Frankfurt noch nicht zum alten Eisen.

Die reine Statistik des Marco Russ liest sich jetzt nicht so, als spiele der Eintracht-Verteidiger eine Saison, die ihn zufriedenstellen kann. Fünf Einsätze in der Bundesliga stehen zu Buche, dreimal stand er in der Startelf, zweimal wurde er eingewechselt, in Augsburg nach vier Minuten, weil sich David Abraham mal wieder verletzt hatte, da kam er kalt ins Spiel, und ein zweites Mal am vergangenen Wochenende in Bremen, als, man ahnt es dunkel, Mitspieler Abraham wieder raus musste. In der Europa League kommt der Routinier, 33, auf drei Startelfeinsätze und einen Kurzeinsatz.

Für Marco Russ, der kürzlich seinen Vertrag bis 2020 verlängerte, ist das kein Problem, im Gegenteil, im Spätherbst seiner Karriere genießt er jede Minute, jedes Spiel, jede Grätsche. „Nach meiner Krankheit ist viel passiert, es sind viele tolle Erlebnisse dazugekommen, zweimal hintereinander im Pokalfinale gewesen zu sein etwa, den Pokal gewonnen zu haben. Auch die Europapokalspiele sind Highlights für uns alle“, hat er unlängst gesagt. Da ist kein Platz für Enttäuschung, wenn er, wie oft, auf der Bank Platz nehmen muss.

Russ ist sowieso in eine andere Rolle geschlüpft, er ist so etwas wie der Vater der Kompanie, hat ein offenes Ohr für alle, sorgt dafür, dass keiner aus der Reihe tanzt, dass die Stimmung gut bleibt. Er hat sich zurückgenommen, sein Ego zurückgestellt, das hat natürlich auch mit seiner Erfahrung, seiner Geschichte und seiner schweren Krebserkrankung zu tun, nach der er die Welt mit anderen Augen sieht. Für die Eintracht war es wichtig, die Identifikationsfigur zu halten.

„Marco ist ein Frankfurter Urgestein. Für viele junge Spieler ist er mit seinem großen Erfahrungsschatz ein wichtiger Bezugspunkt“, sagte Sportvorstand Fredi Bobic. Und was man nicht vergessen darf: Marco Russ steht noch immer seinen Mann, es ist keineswegs eine Art Gnadenbrot, wenn er reinkommt. Am Samstag in Bremen etwa gehörte er nach seiner Einwechslung zu den Stabilisatoren, rettete einige Mal in hoher Not, auch kurz vor Schluss mit einem Sprung in den Schuss von Maximilian Eggestein. Da sicherte er den Punkt. Marco Russ, der Mann für alle Fälle, gehört sicher nicht zum alten Eisen.

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