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Gut gemacht: Adi Hüter (li.), Kevin Trapp.
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Gut gemacht: Adi Hüter (li.), Kevin Trapp.

SGE

Eintracht Frankfurt macht großen Schritt Richtung Champions League - Trapp übt Kritik

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Der Griff in die Trickkiste gelingt und Eintracht Frankfurt macht einen großen Schritt in Richtung Champions League. Kevin Trapp übt Kritik.

Frankfurt – Seinen energischsten Auftritt hatte der für gewöhnlich besonnene Eintracht-Torwart Kevin Trapp, als er schon lange keine Bälle mehr halten musste. Es brodelte etwas in ihm, da musste etwas raus, dringend, der Schlussmann musste sich Luft verschaffen. Also sprach der 30-Jährige nach dem sperrigen, aber bedeutsamen 2:0-Arbeitssieg gegen den FC Augsburg: „Ich hoffe, dass die regionalen Medien sich so langsam wieder für uns freuen und darüber, in der nächsten Saison hoffentlich über die Champions League berichten zu dürfen. Und nicht schreiben, dass nach einer Niederlage alles schlecht ist und alles am Trainer liegt. Das fand ich sehr traurig.“

Eintracht Frankfurt: Kevin Trapp übt Kritik

Trapp, einmal in kontrollierter Rage, legte mit leiser Stimme messerscharf nach: „Wir haben von 30 Spielen vier verloren und den Punkterekord des Vereins geknackt. Und dann alles schlechtzureden, das ist schon, würde ich fast sagen, eine Frechheit.“ Und weiter im Text: „Es sollten sich alle über uns freuen, mit uns mitfiebern und uns anfeuern.“ Das, zur besseren Einordnung, gehört vielleicht zur Kernkompetenz der 150 Fans, die sich mal wieder vor dem Stadion versammelt hatten, aber ist ganz sicher nicht die Aufgabe unabhängiger Medien. Sollte auch Herr Trapp wissen.

Doch offensichtlich hat die öffentliche Nachbearbeitung der 0:4-Klatsche in Mönchengladbach tiefe Spuren hinterlassen, selbst Gute-Laune-Monolith Timothy Chandler, seit einer ganzen Ewigkeit mal wieder in der Startformation, war ein wenig sauer ob der Berichterstattung. „Da wird so geschrieben, als würden wir gegen den Abstieg spielen und nix mehr können. Aber wir haben jetzt gezeigt, dass wir als Mannschaft da sind und uns nichts schocken kann.“

Und Trainer Adi Hütter betonte stolz, dass zwischen ihm und der Mannschaft „kein Blatt Papier“ passe und man sich gemeinsam „nicht aus der Ruhe bringen“ lasse. Eintracht Frankfurt spiele eine Saison, die jeden nur „schwärmen“ lassen könne, und daher sei es „absurd, dass man nach einer Niederlage so eine Kritik üben kann.“

Eintracht Frankfurt: Schritt Richtung Champions League

Man muss nicht die Deutungshoheit haben, um zu erkennen, dass die Sportliche Leitung in der Vorbereitung des Augsburg-Spiels die veröffentlichte Meinung potenziert, pauschalisiert und dazu genutzt hat, um ein Schutzschild um sich und die Mannschaft zu bauen, eine Art Wagenburgmentalität zu erschaffen, nach dem Motto: „Wir hier drinnen zeigen es Euch da draußen allen.“ Ein Feindbild kann in heiklen Zeiten durchaus ein probates Mittel sein, um die Reihen zu schließen und eine klare Einheit zu formen. Für einen externen Schub Motivation greift man halt auch mal in die Trickkiste.

Denn klar ist, dass niemand die erstaunliche Gesamtleistung der Eintracht infrage gestellt hat, sondern lediglich einen zulässigen Zusammenhang zwischen der 0:4-Packung von Gladbach und dem angekündigten Abschied des Trainers Richtung Niederrhein hergestellt hat. Kurioserweise ging ja die Mannschaft selbst hart mit sich ins Gericht, und Coach Hütter fand die Vorstellung in Gladbach gar „fürchterlich“ und räumte ein, dass der Fokus vielleicht etwas verrutscht sein könnte. Bei ihm persönlich womöglich auch.

Die Eintracht, das war jedem bewusst, war gegen Augsburg gefordert, eine Reaktion zu zeigen. Es stand eine ganze Menge auf dem Spiel, nicht weniger als die ganze Saison, der Auftritt war ein Wegweiser für den Endspurt, der Druck immens. Entsprechend erleichtert waren die Protagonisten nach dem „schmutzigen Sieg“ (Sportvorstand Fredi Bobic), der dazu führte, dass die Eintracht ihren Vorsprung verteidigte und der sie psychologisch in eine gute Ausgangslage bringt.

„Der Dreier war unheimlich wichtig, um Druck aus dem Kessel zu nehmen“, sagte der gute, aber am Samstag in Leverkusen ob seiner zehnten gelben Karte gesperrte Kapitän Sebastian Rode. Er war deshalb von Bedeutung, um die Unruhe zu dimmen und die allgemeine Verunsicherung zu bekämpfen. Viele hatten nach der Gladbach-Pleite inklusive Nebengeräuschen einen Knacks befürchtet, eine (mentale) Schaffenskrise zur absoluten Unzeit, einen Trend, der kurz vor Schluss in die falsche Richtung gezeigt und sich vielleicht nicht mehr hätte umkehren lassen. Umso größer ist nun die kollektive Erlösung nach dem erzwungenen Sieg.

Eintracht Frankfurt: Der Erfolg gibt Stabilität

Im Normalfall sollte dieser Erfolg der Mannschaft Auftrieb und die nötige Stabilität geben. Da ist es auch von untergeordneter Bedeutung, dass die Leistung alles andere als prickelnd und die Leichtigkeit verflogen war, aber unter diese Umständen zählte etwas ganz anderes, das primitive Ergebnis: Die Mannschaft war gefordert, einen Sieg einzufahren, und die Mannschaft hat geliefert. Auf diese simple Formel lässt es sich in diesem Fall reduzieren.

Die Eintracht ist nun voll im Soll, hat seit 17 Heimspielen nicht mehr verloren, stellt die zweitbeste Mannschaft der Rückrunde und des Kalenderjahres, sie hat mehr Punkte gesammelt denn je, satte 56, und nach Leverkusen drei machbare Gegner (Mainz, Schalke, Freiburg). Zudem haben die Konkurrenten ungleich schwerere Restprogramme. „Jetzt zählt jeder Punkt“, sagt Sportchef Bobic. „Aber wir sind auf einem richtig guten Weg.“ Nicht alles, aber vieles spricht fürwahr für die Königsklasse.

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