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Muss sich erheblich steigern: Sieben-Millionen-Mann Sebastien Haller.

Vorbereitung

Eintracht Frankfurt im luftleeren Raum

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Eine Frage treibt ganz Frankfurt um: Wie gut ist die Eintracht wirklich?

Vor gut einem Jahr mühte sich die Frankfurter Eintracht im Osten der Republik mit Ach und Krach und einem fürwahr gruseligen Auftritt in die zweite Runde des DFB-Pokals. Die Hessen benötigten dazu 120 Minuten und sogar einige Schüsse vom Kreidepunkt (was sich durch die gesamte Pokalsaison ziehen sollte), in das Elfmeterschießen hatten sie sich mit einer gehörigen Portion Dusel hinein gerettet.

Der drittklassige 1. FC Magdeburg stellte die klar bessere Mannschaft, hatte mehr Ballbesitz (54:46 Prozent), mehr Torschüsse (19:6) und deutlich mehr Chancen. Der Frankfurter Auftritt in Sachsen-Anhalt war ein bedenklicher, für die vor der Eintracht liegende Bundesligaspielzeit ließ diese Darbietung nichts Gutes erahnen. Nun ja. Das Ende ist bekannt: Die Eintracht rockte zumindest ein halbes Jahr die Liga und zog im DFB-Pokal gar ins Endspiel ein. So kann man sich täuschen.

Eine ganz neue Mannschaft

Nun steht das nächste Pokalspiel an, dieses Mal verschlägt es die Eintracht ins nahe Siegen, der Gegner, der TuS Erndtebrück, ist in der Regionalliga West beheimatet. Die Eintracht geht, selbstredend, als turmhoher Favorit ins Rennen – und mit einer abermals runderneuerten Mannschaft. Stand jetzt werden nur drei, höchstens vier Spieler in der Formation stehen, die auch im vergangenen Jahr für die Anfangself nominiert wurden: Lukas Hradecky, David Abraham und Mijat Gacinovic, vielleicht noch Branimir Hrgota, wenn sich Trainer Niko Kovac für ihn und gegen Luka Jovic oder sogar den bisher auf ganzer Linie enttäuschenden Millionentransfer Sebastien Haller entscheidet.

Die anderen Akteure haben entweder das Weite gesucht (Bastian Oczipka, Guillermo Varela, Michael Hector, Szabolcs Huszti und Luc Castaignos) oder sind verletzt (Alex Meier, Omar Mascarell). Der Umbruch ist gewaltig ausgefallen. Und keiner vermag seriös zu beantworten, was in der Wundertüte Eintracht steckt.

Selbst Trainer Niko Kovac tut sich schwer. „Wir wissen nicht genau, wo wir stehen“, berichtet er. Aber das gehe allen Bundesligisten so, die Ungewissheit sei ein ständiger Begleiter in dieser präsaisonalen Phase, man schwebt im luftleeren Raum. „Wenn man die Ergebnisse der Freundschaftsspiele als Maßstab nimmt, könnte man ja denken, alle Bundesligavereine seien in der Krise“, sagte Kovac grinsend. Man werde ein paar Partien abwarten müssen, ehe man ein Gefühl dafür bekomme, wie stark die eigenen Spieler und wie stark die der anderen Teams seien.

Und man wird sehen müssen, wie schnell sich die Neuzugänge akklimatisieren und wie gut sie wirklich sind. Noch ist es viel zu früh, ein Urteil zu fällen, erst nach der Vorbereitung und den ersten Partien unter Wettkampfbedingungen wird man etwas schlauer sein. Dennoch: Nach dem bisherigen Stand der Vorbereitung kann man sagen, dass Rechtsverteidiger Danny da Costa, Mittelfeldabräumer Gelson Fernandes und Sturmtank Sebastien Haller so ein bisschen hinter den Erwartungen zurückbleiben. Gerade bei Haller hofft die Eintracht, dass der bullige Angreifer noch Anpassungsschwierigkeiten hat und er körperlich so ein bisschen im Loch steckt. Denn der teuerste Einkauf der Vereinsgeschichte muss eigentlich funktionieren, auch weil Kapitän Alexander Meier noch auf unbestimmte Zeit ausfällt.

Stürmer Luka Jovic indes machte seine Sache überraschend gut, auf den zurzeit noch angeschlagenen Jonathan de Guzman hält der Coach große Stücke. Linksverteidiger und Oczipka-Nachfolger Jetro Willems wird seinen Mann stehen, er hat Potenzial, das ist klar zu erkennen. Kovac bremst aber, körperlich müsse der Niederländer noch nachlegen. „Wir müssen ihn noch aufpäppeln.“

Das gilt auch für den Japaner Daichi Kamada, den schmächtigen Mittelfeldspieler. Der 21-Jährige kann am Ball ziemlich viel, hat auch einen Blick für die Tiefe. Doch in der Defensive muss er noch einiges lernen. „Das aggressive nach vorne Verteidigen fehlt ihm noch ein bisschen“, moniert der Trainer. Für die Anfangself scheint es noch nicht zu reichen.

Die Nachwuchskräfte aus den eigenen Reihen spielen bisher kaum eine Rolle: Nelson Mandela wurde wieder zur A-Jugend zurückgeschickt, Renat Dadashov und Noel Knothe sind auch noch keine Alternativen. Überraschend gut präsentiert sich indessen der erst 16 Jahre alte Sahverdi Cetin im defensiven Mittelfeld. Er wird sicher auch keine kurzfristige Lösung sein, aber mit welch Ruhe und Übersicht der Bursche in diesen jungen Jahre auftritt, ist schlichtweg beeindruckend. Da könnte demnächst ein Profivertrag winken.

Möglichst kein Elfmeterschießen

Mit dem heutigen Nachmittagstraining biegt die Eintracht auf die Zielgerade ein, am Samstag steht das erste Pflichtspiel auf dem Programm. Im Elfmeterschießen, das die Eintracht in der vergangenen Runde dreimal benötigte und dreimal überstand, soll die Sache gegen Erndtebrück nicht entschieden werden. „Wir wollen das vorher regeln“, sagt Kovac energisch. „Fußballerisch sind wir besser, wir werden das Tempo hochhalten müssen. Nur wenn man sich dem Gegner anpasst, bekommt man Probleme.“

Die kurze Dienstreise nach Siegen wird Rechtsverteidiger Yanni Regäsel nicht antreten. Dem in Ungnade gefallenen 21-Jährigen wurde von der Sportlichen Leitung klipp und klar mitgeteilt, dass er in den Planungen keine Rolle spiele, nicht mehr zum Einsatz kommen werde und sich einen neuen Verein suchen solle.

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