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Kostic weg, Pellegrini da - und die Hertha vor der Brust

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Von: Daniel Schmitt

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Nach den zwei Pleiten gegen München und Madrid ist die Eintracht in Berlin der Favorit, der Filip-Kostic-Deal ist rund 18 Millionen Euro schwer - und Luca Pellegrini kommt obendrauf.

Frankfurt – Die Vorbereitung auf das Bundesligaspiel in Berlin, bei der Hertha an diesem Samstag (15.30 Uhr/Sky), schnurrte für Eintracht Frankfurt auf sage und schreibe 40 Minuten zusammen. Nach einer Lockerungseinheit am Donnerstag auf finnischem Boden in Helsinki, wo die Hessen tags zuvor den Supercup gegen Real Madrid verloren hatten (0:2), folgte am Freitag die kurze Übung im heimischen Stadtwald. „Die Körper aktivieren“, beschrieb Eintracht-Coach Oliver Glasner das Vollführte, „und ein, zwei Themen mit Blick aufs Hertha-Spiel.“ Das war‘s.

Besonders erfreut über die Mini-Pause zwischen den Partien war der Frankfurter Trainer nicht, das hatte er längst kundgetan. Ändern ließ sich die Situation aber eben nicht. Heißt: Kräfte sammeln, nicht lamentieren, aufrichten und gewinnen bei der Hertha. So zumindest der Frankfurter Plan. Körperlich, sagt Trainer Glasner, sehe er auf seine Mannschaft ohnehin keine Probleme zukommen, fit seien seine Jungs. Es gehe vielmehr um die mentale Frische. „Der Körper der Spieler sollte es gewohnt sein, alle drei Tage einen Peak zu erleben. Lange zu laufen ist nicht so schwierig, sondern richtig zu laufen.“ Der Funke, sagt Glasner und deutet mit der Hand in Richtung seines Kopfes, „geht immer von da oben aus.“

Könnte erstmals in der Frankfurter Startelf stehen: Angreifer Randal Kolo Muani.
Könnte erstmals in der Frankfurter Startelf stehen: Angreifer Randal Kolo Muani. © AFP

Eintracht Frankfurt: Neuzugänge könnten in die Startelf rücken

Durften in den bisherigen drei Pflichtpartien gegen Magdeburg, die Bayern und Real Madrid hauptsächlich die altbekannten Europa-League-Helden ran, deuten sich diesmal personelle Wechsel an. So empfahl sich der neue Angreifer Randal Kolo Muani mit gelungenen Kurzeinsätzen für mehr Minuten, er hat einen Platz in der Startelf verdient. Auch Mario Götze sollte gegen das eher unterdurchschnittliche Bundesligateam aus Berlin seine Qualitäten mehr zum Tragen bringen können als zuletzt gegen Bayern und Real - da zischten die Gegner nur so an ihm vorbei. Und ein Lucas Alario ist nicht aus Leverkusen gekommen, um auf der Bank zu versauern. „Es kann gut sein, dass der eine oder andere Neue in der Startelf steht“, sagt Glasner. Personelle Optionen, vor allem in der Offensive, bieten sich ihm genügend.

Andererseits ist der Trainer doch ein wenig gefangen, gefangen im 3-4-2-1-System, das im Grunde immer trainiert und gespielt wurde, das die vergangenen Jahre aber eben auf Filip Kostic zugeschnitten war, dessen Wechsel nach Turin am Freitag offiziell bestätigt wurde. Juventus überweist laut eigener Angaben eine Ablöse von zwölf Millionen Euro nach Frankfurt, die via Boni auf 15 Millionen ansteigen kann. Zudem übernehmen die Italiener weitere Nebenkosten, die eigentlich die Eintracht hätte zahlen müssen: die Anteile für den Hamburger SV, den Ex-Ex-Klub von Kostic (rund 600 000 Euro), sowie für den Spieler und dessen ehemaligen Berater (etwa 2,4 Millionen Euro). Alles in allem also ein Gesamtpaket von knapp 18 Millionen Euro. „Eine für alle Seiten zufriedenstellende Lösung“, sagt Eintracht-Sportvorstand Markus Krösche. Zumal die Hessen im Gegenzug den linken Außenverteidiger Luca Pellegrini quasi obendrauf bekommen. Der 23-Jährige ist ein Teil des Kostic-Pakets und schließt sich für ein Jahr auf Leihbasis den Hessen an.

Eintracht Frankfurts Neuzugang Pellegrini ist Teil des Kostic-Deals

Der gebürtige Römer hat schon eine Menge Schmerz erlebt in seiner Karriere: Kreuzbandriss, Kniescheibenbruch, etliche muskuläre Verletzungen. Noch im Frühjahr, als er gerade von einer Knöchelblessur genesen war, bekräftigte er den Wunsch, sich bei Juve unbedingt durchsetzen zu wollen. Er, der einmalige Nationalspieler, der im November 2020 in einem Test gegen Estland für einige Minuten spielen durfte, fühle sich nämlich reifer als noch vor ein paar Jahren. Als ihn damals der Turiner Vorzeigeklub mit 20 Jahren für satte 22 Millionen Euro von der AS Roma verpflichtete, um ihn dann zweimal zu verleihen.

mögliche Aufstellungen

Berlin: Christensen – Kenny, Uremovic, Kempf, Plattenhardt – Sunjic – Boetius, Serdar – Lukebakio, Kanga, Ejuke.

Frankfurt: Trapp - Touré, Tuta, Ndicka - Knauff, Sow, Kamada, Lenz - Kolo Muani, Götze - Borré.

Der Eintracht fehlen: Buta (Aufbautraining), Onguene (Oberschenkelzerrung).

Eintracht Frankfurt: Pellegrini bei der Hertha (noch) nicht dabei

„Es ging darum, Spielpraxis zu sammeln und kontinuierlich auf dem Platz zu stehen“, so Pellegrini im Frühjahr, der aber den Wunsch habe, „bei Juve zu spielen.“ Wird wieder nichts. Die nächste Leihe, die dritte bereits. Nach den Stationen in Calgiari und Genua geht’s nun erstmals ins Ausland, nach Frankfurt. Bei Juventus kam er hinten links nicht am Brasilianer Alex Sandro vorbei, spielte vergangene Saison nur viermal über die vollen 90 Minuten. Und vorne links wurde ihm ja dieser Tage Kostic vor die Nase gesetzt. Bei der Eintracht dagegen wird er im Konkurrenzkampf mit Christopher Lenz stehen - ein anderes Kaliber, ein deutlich kleineres, versteht sich. Sollte er packen können, der Italiener.

Dabei ist die Offensive eher nicht die Stärke von Pellegrini, der zwar Biss im Zweikampf besitzt, auch manierlich Flanken schlagen und Kurzpässe spielen kann, der aber vorwiegend absichert und verteidigt. Pellegrini wird kein Eins-zu-eins-Ersatz für Kostic sein, er ist auch kein Typ wie etwa Angelino, Borna Sosa oder Robin Gosens, die defensiv wie offensiv auf gehobenem Niveau agieren. Nein, er wetzt deutlich seltener die linke Seite auf und ab. In 132 Einsätzen als Profi erzielte Pellegrini bislang – man lese und staune – zwei Törchen. Dazu gesellen sich 18 Vorlagen. Immerhin. Für das Eintracht-Spiel in Berlin ist er jedoch noch kein Kandidat. Zu kurzfristig. Stattdessen bekam Christopher Lenz in dessen Geburtsstadt von seinem Coach eine Einsatzgarantie in der Startelf.

Eintracht Frankfurts Trainer Glasner bescheinigt der Hertha „viel Qualität“

Die strauchelnde Hertha, die erst im Pokal ausschied und dann auch noch das Stadtderby gegen den FC Union versemmelte, hält der Frankfurter Fußballlehrer dennoch für eine „sehr gute Mannschaft“. Viel Tempo in der Offensive, gute Fußballer im Mittelfeld, alles in allem, so der Österreicher: „Viel Qualität.“ Ließe sich freilich auch etwas verhaltener analysieren. Sei’s drum.

Oliver Glasner rechnet im Berliner Olympiastadion aber auch mit „Räumen“ in der Hintermannschaft der Hausherren, „die uns Möglichkeiten geben werden.“ Die im Vergleich zu den Niederlagen gegen München und Madrid diesmal konsequenter genutzt werden sollen. „Wenn du einen Doppelfehler gemacht hast“, führte Glasner einen Vergleich zum Tennis an, „machen die besten Spieler danach ein Ass.“ (Daniel Schmitt)

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