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Machte im Hinspiel gegen Fortuna Düsseldorf die Partie seines jungen Lebens: Luka Jovic (rechts), der Torwart Michael Rensing beim 7:1-Sieg fünf Bälle ins Tor schoss.

Montagsspiel gegen Düsseldorf

Puzzlearbeit vor dem Sandwichspiel

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Vor dem Showdown in Mailand muss Eintracht Frankfurt bei Fortuna Düsseldorf bestehen.

Der Frankfurter Trainer Adi Hütter wird am heutigen Abend in Düsseldorf den Kollegen Friedhelm Funkel ganz besonders herzlich begrüßen, er mag ihn nämlich, selbst „wenn ich ihn nicht so gut kenne“. Aber Hütter hegt „großen Respekt“ für Funkels Arbeit, der Erfolg der Düsseldorfer Aufsteiger „ist ihm zu gönnen“. Dazu hat Adi Hütter nicht vergessen, welche Lanze der dienstälteste Bundesligatrainer einst auch für den österreichischen Novizen gebrochen hat. In der Vorrunde hatte sich Funkel grundsätzlich über die allgemein grassierende Trainerschelte so geäußert: „Der Umgang mit Trainern ist mittlerweile unsäglich. In Frankfurt haben die ersten ja auch schon nach wenigen Spielen nach einer Ablösung meines Kollegen geschrien. Das ist lächerlich.“ Diese Replik hat Hütter imponiert, er hat das nicht vergessen. „Ich freue mich auf das Treffen mit Friedhelm Funkel.“ Immerhin kann er seinen Vorvorvorvorvorgänger noch im Innenraum begrüßen, am Donnerstag in Mailand ist ihm das Betreten des Spielfeldes ja verboten (siehe auch obenstehenden Bericht).

Fortuna Düsseldorf? Da war doch was! Das 7:1 aus dem Hinspiel Mitte Oktober hat jeder noch in Erinnerung. Vor allem die fünf Tore von Luka Jovic, der erste Eintracht-Spieler in der Geschichte des Klubs, dem dieses Kunststück gelungen ist, werden für ewig bleiben. Aber natürlich hat die Fortuna von damals mit der aktuellen Fortuna nichts, aber auch gar nichts gemeinsam. „Meine Mannschaft ist nicht mehr die Mannschaft aus dem Hinspiel“, sagt Funkel. Der Aufsteiger hat in der Rückrunde genauso viele Punkte geholt wie die Eintracht, nämlich 13, er steht vor dem 25. Spieltag auf Platz fünf der Rückrundentabelle, die Eintracht auf vier. Und dass ein Fortuna-Präsident ernsthaft die Absicht gehabt hatte, Friedhelm Funkel in der Winterpause vor die Tür zu setzen, wirkt angesichts der Düsseldorfer Ausbeute mittlerweile als mieser Scherz.

Die Rheinländer stehen so gut da wie seit Jahrzehnten nicht, mit den Abstieg haben sie definitiv nichts zu tun, insofern wird dieses Sandwichspiel zwischen zwei Höhepunkten in der Europa League für die Hessen sicherlich kein Zuckerschlecken. „Das wird ein sehr interessantes Spiel. Wir werden den Kampf annehmen müssen“, sagt Hütter. Er sagt aber auch: „Wenn wir weiter oben bleiben wollen, müssen wir gewinnen.“ Denn das wollen die Frankfurter auf jeden Fall: Auch im nächsten Jahr europäisch unterwegs sein. Dieser Tage hat Hütter gesagt, was er unter Erfolg versteht: Zwei Dinge hat er sehr konkret genannt, nämlich das Weiterkommen in der Europa League und ein Platz unter den ersten Sechs.

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Deutlicher kann man seine Ambitionen nicht formulieren. Dazu verlangt er von seiner Mannschaft, in jedem Spiel „eine Topleistung“ abzuliefern. Und: „Wir haben hohe Ziele in der Meisterschaft.“ Die Eintracht ist in diesem Jahr noch ungeschlagen, seit zehn Spielen (vier Siege, sechs Unentschieden). Die Partie am heutigen Montagabend (20.30 Uhr), die die Frankfurter Fans in der ersten Halbzeit boykottieren wollen (siehe nebenstehendes Interview), ist natürlich nicht einfach nur eine schnöde Bundesligapartie: Es ist die Partie vor dem alles entscheidenden Rückspiel gegen Inter Mailand, diesem „Showdown“ in San Siro, wie Vorstand Axel Hellmann es formuliert hat. Was also ist wichtiger? Die Bundesliga? Oder die Europa League? „Das nächste Spiel ist immer das allerwichtigste“, sagte Hütter am Freitag diplomatisch, erst wenn die Begegnung in Düsseldorf abgepfiffen sei, kümmere er sich um Mailand, „schnellstmöglichst“ dann aber.

Und der Fußballlehrer steckt ein bisschen in der Zwickmühle: Wie sehr soll er rotieren? Wie dringend braucht der eine oder andere Spieler eine Ruhepause? Adi Hütter lässt sich diesbezüglich nicht in die Karten schauen. Sehr wahrscheinlich ist aber, dass Makoto Hasebe nicht spielen wird, zum einen wegen seiner gebrochenen Nase, zum anderen will der Fußballlehrer nicht noch einmal das Risiko einer Verletzung eingehen. Es ärgert ihn noch heute, dass der überragende Japaner im Dezember im unbedeutenden Spiel gegen Lazio Rom mitgetan und sich prompt einen Muskelfaserriss zugezogen hatte. Martin Hinteregger kann seinen Part mühelos übernehmen, für rechts stünden Almamy Touré, der seine Oberschenkelblessur auskuriert haben sollte, oder zur Not auch Marco Russ zur Verfügung. Denkbar ist zudem, dass auch Filip Kostic mal pausiert, Jetro Willems oder Taleb Tawatha stünden parat, Willems könnte auf rechts sogar Danny da Costa ersetzen, auch Sebastien Haller könnte für eine Partie dem Edeljoker Goncalo Paciencia den Vortritt lassen. Mittelfeldrenner Gelson Fernandes wird spielen, er ist ja in Mailand gesperrt.

Die Krux ist nur: Allzu gewagt sollte Hütter sein Team nicht durcheinanderwirbeln, eine Niederlage gegen heimstarke, selbstbewusste Düsseldorfer würde auf die Stimmung drücken. Der Coach muss die richtige Mischung finden, muss eine Balance finden, es macht wenig Sinn in Düsseldorf alles umzuwerfen. „Wir wissen um die Gefahr in dem Spiel. Da müssen wir auf der Hut sein“, warnt der Trainer selbst.

Eines will Adi Hütter auf alle Fälle vermeiden: Dass sich er und Eintracht Frankfurt hinterher den Vorwurf gefallen lassen müssen, nicht alles versucht zu haben und dass „man mehr hätte herausholen können“.

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