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Zwei aus dem eigenen Stall: Chandler und Barkok. Foto: Hübner
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Zwei aus dem eigenen Stall: Timothy Chandler und Aymen Barkok.

Eintracht Frankfurt

Jugendarbeit als „Lebensader“ der SGE – Das plant Markus Krösche

  • Daniel Schmitt
    vonDaniel Schmitt
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Der neue Eintracht-Sportvorstand Markus Krösche will sein Augenmerk auch auf den Nachwuchs lenken. Daran wird er sich messen lassen müssen.

Frankfurt – Der Talentschmiede am Riederwald haftet seit einigen Jahren, fast schon Jahrzehnten, ein mieses Image an. Chaotisch, unstrukturiert, vor allem: kaum Durchlauf zu den Profis. Und wenn doch, ja dann sind die jungen Leute sowieso nur dafür da, den Kader des Frankfurter Bundesligisten aufzufüllen, um genug Personal für Trainingsspielchen zu haben, oder gar dafür, irgendeine lästige DFL-Quote bezüglich im eigenen Nachwuchs ausgebildeter Fußballer zu erfüllen. Da gingen in den vergangenen Jahren Leute wie Marco Russ, 35, mittlerweile Analyst, oder Jan Zimmermann, 36, heute Torwarttrainer, in die Statistik ein. Absurd.

In der Tat hat es Eintracht Frankfurt in den vergangenen Jahren selten geschafft, Talente zu Profis zu formen - Aymen Barkok und, lang ist’s her, Timothy Chandler durchliefen die Jugendabteilung. Torwart Elias Bördner, am letzten Spieltag der Vorsaison für seinen Trainingsfleiß mit einem Einsatz belohnt, auch. Im Grunde war es das. Zumindest im eigenen Klub. Denn natürlich, das muss ehrlicherweise erwähnt werden, hat der Riederwald einige Spieler herausgebracht, die manierlich vorankommen in ihren Karrieren.

Beispiele: Sonny Kittel (Hamburger SV, zweite Liga), Luca Waldschmidt (Benfica Lissabon, Nationalspieler), Marc Stendera (FC Ingolstadt, jetzt wieder zweite Liga), Marc-Oliver Kempf (VfB Stuttgart, angeblich bei der Eintracht auf dem Zettel), Finn Dahmen (Mainz 05, U21-Nationalkeeper), Cenk Tosun (FC Everton, Nationalspieler für die Türkei) oder in grauer Vorzeit die EM-Fahrer Niklas Süle (FC Bayern) und Emre Can (Borussia Dortmund). Alle waren sie mal Frankfurter Jungs, bloß tragen sie heute nicht mehr das Trikot der Eintracht. Das hat gewiss Gründe, alles in allem aber bleibt: Irgendetwas passt da nicht.

Eintracht Frankfurt: Aymen Barkoks Stern geht unter Niko Kovac auf

Markus Krösche, seit Anfang Juni im Amt als Sportvorstand, liegt die Jugendarbeit ausdrücklich am Herzen, sagt er. Im Gespräch mit der FR hob er hervor, kein vorschnelles Urteil fällen zu wollen, „das wäre unfair und unseriös“, aber: „Ich werde bald mit den Beteiligten sprechen, weil Nachwuchsarbeit ein Stück weit die Lebensader eines Klubs ist.“

Der Profi- und Nachwuchsbereich sowie das Scouting müssten eng verflochten sein. Denn: „Wenn die Nachwuchsarbeit nicht funktioniert, ist es nicht nur das Problem des Nachwuchses, genauso umgekehrt. Der Profibereich muss seine Türen öffnen, der Nachwuchsbereich muss die Entwicklung der Spieler und nicht das Ergebnis in den Fokus rücken. Und das Scouting muss die passenden Spieler finden. Wenn wir es schaffen, alle zwei, drei Jahre einen jungen Spieler in den Profikader zu integrieren, ist das schon gut.“

Traumtore und Assists

Ajdin Hrustic hat sein erstes Länderspieltor erzielt - ein sehenswertes noch dazu. Beim 3:0 der Australier in der WM-Quali gegen Kuwait zirkelte der Eintracht-Profi einen Freistoß in den Winkel. Klubkollege Daichi Kamada trug sich beim 3:0-Testspielsieg des japanischen Nationalteams gegen eine U-24-Auswahl des Landes ebenfalls einmal in die Torschützenliste ein. Derweil durften auch die Schweizer Djibril Sow und Steven Zuber beim 7:0 gegen Liechtenstein ran, Sow bereitete ein Tor vor, Zuber sogar zwei. (dani)

Nicht mal das war zuletzt gelungen. Dass der Stern von Aymen Barkok unter Trainer Niko Kovac aufging, liegt mehr als viereinhalb Jahre zurück. Bei Adi Hütter war Barkok zuletzt nur Ergänzung. Auch Fredi Bobic, der Strukturen-Umkrempler, hat es in seinen fünf Dienstjahren als Sportverantwortlicher nicht gepackt, sichtbare Erfolge bei der Durchlässigkeit vom Nachwuchs zu den Profis zu schaffen. Dabei hat er viel versucht: Er stellte Marco Pezzaiuoli ein, später gegen großen Widerstand aus dem Fanlager den jetzigen Chef des Nachwuchsleistungszentrums (NLZ), Andreas Möller. Matthias Borst kam als Leiter für Spielkonzeption (und ist jetzt wieder weg, mit Bobic nach Berlin).

Eintracht Frankfurt: Markus Krösche will mit gutem Beispiel vorangehen

„Bis man Veränderungen im Nachwuchs spürt, braucht es etwa fünf Jahre“, wirbt auch Krösche im Gespräch mit der FR um Geduld, was richtig ist. Ein Fingerschnippen genügt nicht, ein Prozess ist erforderlich. Entscheidend sei, so Krösche, „dass der Fokus auf die Entwicklung der Spieler gelegt wird und nicht auf das Ergebnis – im Gegensatz zum Profibereich: Du musst auch mal gewinnen.“ Für die Eintracht gelte, und da sieht er sich selbst in der Pflicht: „Wir dürfen nicht nur von Konzepten reden, sondern müssen sie auch mit Leben füllen.“

Der 40-Jährige strebt an, nicht nur Talente aus dem Ausland (zuletzt Ali Akman, Fabio Blanco, Rodrigo Zalazar, Dejan Joveljic) zu verpflichten, sondern zusätzlich den einen oder anderen Jungspund vom Riederwald zur Erstligareife zu führen. „Auch Oliver Glasner ist da sehr offen“, sagt Krösche. Des Sportchefs Haltung ist insofern wichtig, da es unlängst kritische Töne gegeben hatte. „Chaos am Riederwald“, titelte der Hessische Rundfunk und ließ eine barsche Abrechnung mit NLZ-Leiter Möller folgen. Auslöser war der Abgang des angesehenen TV-Expertenduos Thomas Broich und Jerome Polenz. Möller verteidigte sich in der „FAZ“: „Um Gottes willen, von Chaos kann keine Rede sein. Wir sind auf einem guten Weg.“

Eintracht Frankfurt: Thomas Broich erklärt Zusammenarbeit mit Andreas Möller

In der Folge erhielt er Rückendeckung gleich von mehreren Seiten. Erst verwies Vorstandssprecher Axel Hellmann zu Recht auf die komplexe Arbeit in Pandemie-Zeiten, in der monatelang am Riederwald nicht viel möglich war. „Wo hätte da Entwicklungsarbeit stattfinden können?“, so Hellmann. Schließlich berichtete auch Broich von einem guten Verhältnis zu Möller. Der Job sei „absolut fantastisch“ gewesen, so der Ex-Profi in einem Interview auf dem Youtube-Channel „The Spirit“.

Für die Trennung hätten er und Polenz verschiedene Gründe, letzterer folgt Bobic nach Berlin. Broich dagegen benötige eine Auszeit. „Ich habe während der Saison gemerkt, dass das sehr kräftezehrend war. Ich hatte eine unfassbare Taktung.“ Analysen, Expertenauftritt, Jugendtrainer, hohes Pensum. Möller, zu dem er ein „gutes Verhältnis“ habe, hätte sich auf die Hinterbeine gestellt, um ihn vom Verbleib zu überzeugen - es half nichts.

Eintracht Frankfurt: Talente aus Portugal

Es wird Veränderungen geben. Alex Meier, die Vereinsikone und bisher zuständig für U16 und U19, rückt an die Seite von Ervin Skela, noch ein Ex-Profi. Sie übernehmen die U17. „Ich bin mir sicher, dass beide sich sehr gut ergänzen“, sagt Möller. A-Jugendtrainer Jürgen Kramny soll kommende Saison einen qualitativ besseren Jahrgang zur Verfügung haben als im vergangenen Jahr. Ohnehin: Der beste Jahrgang, vorbehaltlich möglicher Entwicklungen junger Kickern, scheint derzeit jener der U16 zu sein, den bis vor kurzem Broich und Polenz anleiteten. Vier Spieler dieser Truppe werden einen Jahrgang überspringen und direkt bei Meier und Skela einsteigen, um gegen ältere Jungs mehr gefordert zu werden.

Interessant noch: Die Eintracht sucht ihre Talente längst nicht mehr nur im Rhein-Main-Gebiet, wenngleich Möller diese nicht außer Acht lassen will, wie er einst bei Amtsantritt betonte. So gab das NLZ im Frühjahr etwa die Verpflichtungen der 16-jährigen Portugiesen Rodrigo Cunha (Anadia FC) und João Bernardo Costa (Benfica Lissabon) bekannt. Es tut sich also was - doch wann schlägt es sich bei den Profis nieder?

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